«Es gibt durchaus Jenische, die SVP wählen»

Im Kampf gegen das von bürgerlichen Parteien verschärfte Berner Polizeigesetz verbünden sich Fahrende mit linksaussen Parteien.

Fahrende auf dem Transitplatz in Wileroltigen.

Fahrende auf dem Transitplatz in Wileroltigen.

(Bild: Valérie Chételat)

Herr Nobel, warum engagieren Sie sich gegen das neue Berner Polizeigesetz?
Das Gesetz ist eine eigentliche «Lex Fahrende». Einige Bestimmungen richten sich ganz explizit gegen die Lebensweise der Fahrenden und stehen in der Tradition der Verfolgung und Diskriminierung von Jenischen, Sinti und Roma. Man will ihnen so den Aufenthalt im Kanton Bern erschweren oder ganz verunmöglichen.

Der neue Wegweisungsartikel richtet sich doch vor allem gegen ausländische Roma?
Ich finde diese Aufteilung in die «bösen» ausländischen Fahrenden und die «guten» inländischen problematisch und künstlich. Die neuen Bestimmungen richten sich gegen alle Fahrenden, egal ob in- oder ausländisch. Mit dem Referendum wollen wir, dass die Menschenrechte für alle Menschen, egal welcher Herkunft und Lebensweise, eingehalten werden.

Wen genau vertreten die Vereine Radgenossenschaft der Landstrasse und Schäft Qwant?
Die Radgenossenschaft ist der älteste Verein der Fahrenden in der Schweiz und auch direkter Ansprechpartner des Bundes. Der Verein Schäft Qwant vertritt vor allem Jenische in ganz Europa.

Nun wollen diese Vereine zusammen mit der Reitschule, der PDA und der Juso das Referendum gegen das neue Polizeigesetz ergreifen. Sind diese weit links stehenden Organisationen und Parteien wirklich die logischen Verbündeten der Jenischen?
Mir geht es um die Einhaltung der Menschenrechte und nicht um Lokalpolitik. Das Referendumskomitee besteht zudem nicht nur aus weit links stehenden Organisationen. Auch die SP Stadt Bern und die Demokratischen Juristen sind vertreten.

Sie denken also nicht, dass Sie mit ausschliesslich linken Verbündeten die Akzeptanz für die jenische Sache in der breiten Bevölkerung schmälern?
Es gibt durchaus Jenische, die SVP wählen. Ob SVP oder SP, wichtig sind für uns die Inhalte. Es gibt das Sprichwort: «Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert.» Das gilt für die Jenischen seit Hunderten von Jahren. Wir müssen dieses rassistische Spezialgesetz bekämpfen.

Das Referendum wird aber wohl chancenlos bleiben. Was machen Sie dann?
Ich kämpfe schon mein ganzes Leben für den Erhalt unserer Lebensweise. Nun setzen wir alle Kraft daran, dass das Referendum zustande kommt. Falls wir das nicht schaffen, werden wir auf anderem Wege weiterkämpfen.

DerBund.ch/Newsnet

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