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Es geht um
 mehr als 
ums Sparen

Bei der Neuordnung des Verhältnis von Kirche und Staat geht es letztlich um die Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften. Noch aber zögert der Kanton.

Das Verhältnis von Kirche und Staat im Kanton Bern soll umgebaut werden: Die Spitze des Berner Münsters. (Archiv)
Das Verhältnis von Kirche und Staat im Kanton Bern soll umgebaut werden: Die Spitze des Berner Münsters. (Archiv)
Valérie Chételat

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es ist eine Zurückweisung. Der Regierungsrat spricht zwar bloss von einer «Weiterentwicklung» des Verhältnisses des Staats zu den drei Landeskirchen. Ein zentraler Punkt besteht aber doch darin, die Löhne der Landeskirchenpfarrer nicht mehr direkt zu finanzieren, sondern über einen Umweg. Die Pfarrer verlören damit den Status als Staatsangestellte.

Dass die Kirchen verschnupft reagieren, ist verständlich. Für sie geht es um eine verlässliche und kräftig sprudelnde Einnahmequelle. Wenn sie aber damit argumentieren, der Regierungsrat reduziere die Pfarrerschaft auf einen Kostenfaktor und wolle diesen «abtreten, um Geld zu sparen», stimmt das so natürlich nicht.

Denn eines ist unbestritten: Der Regierungsrat anerkennt den Wert der kirchlichen «Leistungen» für die gesamte Gesellschaft. Und er ist auch künftig bereit, dafür allgemeine Steuermittel einzusetzen. Die Zurückweisung hat einen anderen Grund: Eine derartige Sonderbehandlung, wie sie die drei Kirchen erfahren, ist vor dem Hintergrund des unaufhaltsamen gesellschaftlich-kulturellen Wandels, der auch durch Migration befördert wird, nicht mehr zu rechtfertigen. Erst wenn der Kanton die gegenseitige Umklammerung mit den Kirchen löst, wird er freier im Umgang mit ihnen – und anderen religiösen Gruppen.

Letztlich geht es um Gleichbehandlung. Noch schreckt der Regierungsrat zwar davor zurück, das diesbezüglich wichtigste Thema anzupacken: die Anerkennung anderer Glaubensgemeinschaften. Indem er zu den traditionellen Landeskirchen nun etwas auf Distanz gehen will, bereitet er das Terrain für unumgängliche Veränderungen vor. Qualifizierte seelsorgerische Arbeit, die der Allgemeinheit dient, sei es in einem Jugendzentrum, an einem Altersnachmittag, im Spital, im Gefängnis oder einfach auf der Dorfstrasse – darf und soll ihren Preis haben. Und: Ob diese «Leistung» von einem Pfarrer, einem Rabbiner oder einem Imam erbracht wird, spielt letztlich keine Rolle.

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