«Es geht nicht um eine neue Politik der BDP»

Die Hälfte der parteigebundenen Redner am abgesagten Informationsabend in Wileroltigen stammen aus der BDP. Dies sei Zufall, betonen Exponenten der Partei.

Die Protestversammlung gegen die Fahrenden in Wileroltigen wurde abgesagt.

Die Protestversammlung gegen die Fahrenden in Wileroltigen wurde abgesagt.

(Bild: Adrian Moser)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Eigentlich wäre der Protest gegen den Durchgangsplatz für Fahrende in Wileroltigen ein SVP-Thema. Aber im Dorf war zuerst Grossrat Daniel Schwaar (BDP) am Ball. «Dieses Jahr müssen wir bereits zum dritten Mal Erfahrungen mit dem leidigen Thema machen», sagt der Wileroltiger. Er sei vom Bürgerkomitee beauftragt worden, die Kontakte zur Politik herzustellen.

Die Referenten für den nun abgesagten Informationsabend von nächstem Montag habe er in der Region gesucht, wo bürgerliche Parteien stark vertreten sind. «Ich wollte das Thema im Sinne der Bevölkerung in der Region besetzen», sagt Schwaar.

Kein «parteipolitisches Geplänkel»

Nebst Schwaar selber wären am Montag auch BDP-Grossrat Jakob Etter, der einstige BDP-Nationalrat Heinz Siegenthaler, JSVP-Co-Präsident Nils Fiechter, Alt-Grossrat Walter Balmer (SVP) und der Freiburger Grossrat Ueli Johner (SVP) als Redner vorgesehen gewesen. Von offizieller Seite hätten der Statthalter oder sein Stellvertreter und ein Vertreter der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RK) das Wort ergreifen sollen. Letzterer habe jedoch abgesagt, sagt Schwaar.

«Der Widerstand gegen den Platz ist ein gemeinsames Projekt. Da dürfen Parteifarben keine Rolle spielen.»Nils Fiechter, Co-Präsident JSVP Kanton Bern

Somit wäre die Hälfte der bürgerlichen Sprecher aus der BDP gekommen. Er habe die Redner mehrheitlich auf Vorschlag des Bürgerkomitees und ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit angefragt, sagt Schwaar. Schliesslich sei er auch von Anfang an der Auffassung gewesen, dass der Kampf gegen den Durchgangsplatz ein Sachthema und kein parteipolitisches Geplänkel sei. Bei der Auswahl der Redner habe er denn auch nicht an den Wahlkampf für die kommenden Grossratswahlen gedacht, sagt Schwaar.

Finanzen und Fäkalien

Auch andere BDP-Exponenten versuchen den Ball flach zu halten. Grossrat Jakob Etter spricht von einer «regionalen Angelegenheit». Er kenne zwar einige der betroffenen Anrainer des Platzes, sagt der Gemüsebautechniker aus dem Seeländer Dorf Treiten. Am Montag hätte er sich aber als Mitglied der grossrätlichen Finanzkommission äussern wollen. Etter verweist auf die Debatte über das kantonale Sparpaket, die nächsten November im Grossen Rat stattfinden wird.

Dabei stünden schmerzhafte Einschnitte bei den Schülertransporten, im Behindertenwesen oder in der Pflege zur Debatte. «Ein Kredit für einen Transitplatz für Fahrende steht da ziemlich quer in der Landschaft», sagt Etter. Diese Feststellung habe für ihn «nichts mit Parteipolitik» zu tun.

Ex-Nationalrat Heinz Siegenthaler hätte sich zum Thema «Hygiene und Fruchtfolgeflächen» geäussert. Der Gesetzgeber habe die Düngung von Feldern durch Klärschlamm zu Recht verboten, sagt der Landwirt aus Rüti bei Büren. Eine Verunreinigung der Felder bei Wileroltigen durch menschliche Fäkalien müsse daher verhindert werden, sagt Siegenthaler.

«Lokale Betroffenheit»

BDP-Kantonalpräsident Enea Martinelli weist darauf hin, dass Mitglieder der Fraktion das Thema Standplätze für Fahrende verschiedentlich thematisiert hätten. Er betont jedoch, dass dies vor allem aus «lokaler Betroffenheit» geschehen sei. Es sei auch nicht so, dass die BDP nun der SVP ein Thema abjagen wolle. «Es geht nicht um eine neue Politik der BDP», sagt Martinelli.

Der Jung-SVPler Nils Fiechter hat keine Mühe, mit BDP-Exponenten am gleichen Strick zu ziehen. Schliesslich hätten sich BDP und JSVP von Anfang an in der Sache engagiert. Und die JSVP habe als einzige Partei angekündigt, bei einem Ja des Grossen Rates zum Transitplatz-Kredit ein Referendum zu prüfen. «Der Widerstand gegen den Platz ist ein gemeinsames Projekt. Da dürfen die Parteifarben keine Rolle spielen», sagt Fiechter.

Der Bund

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