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«Es braucht fünf Bewerbungen, um eine Stelle zu besetzen»

170 neue Polizistinnen und Polizisten bis 2025, 360 bis im Jahr 2030: So viele neue Ausbildungsplätze zu besetzen, könnte für die Kantonspolizei Bern eine Herausforderung werden.

Polizeiaspirant zu werden ist nicht einfach. Nur rund ein Fünftel übersteht das mehrstufige Auswahlverfahren.
Polizeiaspirant zu werden ist nicht einfach. Nur rund ein Fünftel übersteht das mehrstufige Auswahlverfahren.
Adrien Perritaz, Keystone

Wer Polizistin oder Polizist werden will, muss in der Schweiz ein mehrstufiges Auswahlverfahren überstehen, um für die Ausbildung zugelassen zu werden. Die anschliessende zweijährige Ausbildung absolvieren Aspirantinnen und Aspiranten der Kantonspolizei Bern an der interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch im Kanton Luzern.

Im ersten Schritt sortiert die Kantonspolizei die eingegangenen Bewerbungen. Diese müssen zuerst die administrativen Voraussetzungen erfüllen: Mindestalter von 21 Jahren, Besitz eines Führerscheins, keine Vorstrafen, abgeschlossene Ausbildung. Zur Aufnahmeprüfung ist nur zugelassen, wer die administrative Hürde übersteht. Geprüft wird dann Intelligenz, Deutsch und Französischkenntnisse, körperliche Leistungsfähigkeit und Allgemeinwissen. Darauf folgt ein Fragebogen zur Persönlichkeit, dann Gruppenübungen und Rollenspiele unter fachlicher Aufsicht und schliesslich eine medizinische Untersuchung.

100 Aspiranten pro Jahr

Die Anzahl Aspirantinnen und Aspiranten, die für die zweijährige Ausbildung zugelassen werden, ist deutlich kleiner als die Anzahl der ursprünglich eingegangenen Bewerbungen. «Es braucht im Schnitt fünf Bewerbungen, um eine Stelle zu besetzen», sagt Christoph Gnägi, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern. Pro Jahr rekrutiert die Kantonspolizei rund 100 Aspiranten. Zwar habe die Kantonspolizei Bern bisher immer genügend Leute gefunden, welche die Anforderungen erfüllen. Trotzdem sagt Gnägi: «Die Rekrutierungsmassnahmen wurden verstärkt.»

Hört man sich bei verschiedenen schweizerischen Polizeischulen um, hat die verstärkte Rekrutierung der Kantonspolizei Bern auch ihren Grund. Es ist nicht immer einfach, genügend geeignete Leute für die bestehenden Ausbildungsplätze zu finden.

Empathie und Tugend

Marcus Kradolfer ist Direktor der Polizeischule Ostschweiz. Angehende Polizistinnen und Polizisten aus den Kantonen Thurgau, Graubünden, St. Gallen, Schaffhausen, Appenzell Inner- und Ausserrhoden sowie aus dem Fürstentum Liechtenstein werden in Amriswil (TG) ausgebildet. Laut Kradolfer scheitern im Ostschweizer Polizeikonkordat viele bereits an der ersten Hürde. Wegen Vorstrafen, unzureichenden Deutschkenntnissen oder ungenügendem Abschneiden im Intelligenztest. Das führt teils zu Engpässen. «Wir haben nicht immer genügend geeignete Leute, um die vorhandenen Ausbildungsplätze zu besetzen.»

Das Vorhaben eines aufgestockten Polizeikorps dürfte in der Umsetzung also nicht einfach sein. Gegen den teilweise herrschenden Personalmangel geht man weitgehend, so offenbar auch in Bern, mit verstärkten Rekrutierungsmassnahmen vor. Die Anforderungen an angehende Polizistinnen und Polizisten zu senken, fände Kradolfer aber falsch. «Wichtigste Eigenschaften sind Empathie und Tugendhaftigkeit», sagt Kradolfer. Polizistinnen und Polizisten müssen keine «Rambo-Typen» sein, sondern klar, vernetzt und gesellschaftlich offen denken können.

Die Kantonspolizei Bern teilt mit, sie gehe davon aus, dass sich auch künftig viele Anwärterinnen und Anwärter für den vielseitigen Job im Dienst der Gesellschaft interessieren werden.

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