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«Es bleiben doch Einzelfälle»

Peter Keller ist Geschäftsleiter des wichtigsten Berner Pflege- und Heimverbandes. Die Heime die er vertritt bieten rund 14'200 Pflegeplätze an.

Betreutes Wohnen für Senioren im Westside.
Betreutes Wohnen für Senioren im Westside.
Franziska Rothenbühler

Pflegeangestellte berichten über zum Teil inakzeptable Zustände in Altersheimen. Heisst das, Herr Keller, dass die Qualität der Pflege beeinträchtigt ist?

Die Pflegequalität im Kanton Bern ist generell gut. Es gibt immer wieder Personen, die über problematische Vorfälle berichten. Aber es bleiben doch Einzelfälle, die je nachdem auch hochgespielt werden. Bei mehr als 300 Pflegeheimen im Kanton Bern gibt es bessere und schlechtere Institutionen.

Diese Anzeichen sind nicht Symptome eines generellen Missstandes?

Das ist ganz klar nicht der Fall.

Man muss keine Angst haben, wenn man Verwandte im Altersheim hat?

Ich würde meine Eltern zwar vielleicht nicht in jedem Heim unterbringen wollen, bei den meisten hätte ich aber keine Bedenken. Wichtig sind zwei Punkte: Man sollte das Heim vorher besichtigen. Und: Wenn man mit der Qualität der Leistungen nicht zufrieden ist, kann man das Heim auch wechseln.

Ein Hauptkritikpunkt der Angestellten ist der psychische Druck.

Der Pflegeberuf ist ein sehr schwieriger Job, man ist voll gefordert. Es ist mit der zunehmenden Zahl dementer Personen nicht einfacher geworden, denn diese können unflätig und übergriffig werden. Das ist eine grosse nervliche Belastung.

Die Mitarbeitenden kritisieren auch, dass die Zeit fehlt.

Die Betreuung alter Menschen ist anforderungsreich. Die Zeit, die dafür zur Verfügung steht, wird durch die unterschiedlichen Pflegestufen vorgegeben. Das Zeitbudget bewegt sich in einem vernünftigen Rahmen. Klar ist, dass man immer mehr machen könnte.

In vielen Betrieben soll die Fluktuation beim Personal hoch sein.

Dies stimmt so nicht. Es gibt Betriebe im Kanton Bern, die sogar eine sehr tiefe Fluktuation haben. Andere Betriebe dagegen haben viele Wechsel.

Domicil oder Senevita führen eine ganze Reihe von Heimen. Daneben gibt es auch Stiftungen, die nur eine Institution betreiben. Macht das einen Unterschied?

Nicht die Grösse des Betriebs ist entscheidend, sondern die Werte der Führung bestimmen darüber, ob die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner berücksichtigt werden. Das Klima im Betrieb muss stimmen. Zudem macht es die Grösse bei Domicil oder Senevita auch möglich, Fachpersonen anzustellen, die dann in verschiedenen Betrieben zum Einsatz kommen. Die Grösse erlaubt auch, das Rechnungswesen oder andere interne Dienste zu zentralisieren.

Ist es richtig, dass gewinnorientiert gearbeitet wird?

Pflegequalität und Wirtschaftlichkeit schliessen sich nicht aus. Es ist richtig, dass gewinnorientiert gearbeitet wird, denn ein Heim muss ja auch Geld für Investitionen zur Verfügung haben. Wenn ein Heim Verluste schreibt, dann muss das Heim das Defizit selber decken. Den Heimen steht Geld nicht unbeschränkt zur Verfügung: Die öffentliche Hand gibt Tarifobergrenzen vor und die Krankenversicherer zahlen nur einen Beitrag an die Pflege.

Und wenn ein Heim den Gewinn maximieren will?

Wird diesem Ziel alles untergeordnet, ist das schlecht und keine erfolgversprechende Strategie. Wer so arbeitet, wird die Bewohnerinnen und Bewohner an die Konkurrenz verlieren, denn es gibt heute etliche freie Heimplätze. (wal)

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