Entscheidend ist, dass es für alle weitergeht

Kanton und Ausbildner haben einen Zielkonflikt: Schulen fördern den direkten Übertritt während Betriebe klagen, Schulabgängern fehle das Rüstzeug für den direkten Einstieg.

Das zehnte Schuljahr mit Schwerpunkt Integration an der BFF Bern soll fremdsprachige Jugendliche fit für die Lehre machen.

Das zehnte Schuljahr mit Schwerpunkt Integration an der BFF Bern soll fremdsprachige Jugendliche fit für die Lehre machen. Bild: Adrian Moser

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Wer Jugendliche durch die Pubertät begleitet, kennt das Ausmass der Gemütsschwankungen: Fast ohne Übergang folgt auf die Null-Bock-Stimmung ein kompromissloser Tatendrang. Ein Wechselbad der Gefühle.

In diese Zeit fällt der anspruchsvolle Übergang aus der behüteten Schulzeit in die nachobligatorische Ausbildung. Entscheidende Weichen im Leben werden gestellt: Mache ich eine Berufslehre? Versuche ich den Sprung ans Gymnasium? Oder wähle ich eine andere allgemeinbildende Schule?

Für ein Fünftel der Schulabgänger im Kanton Bern klappt der Übergang nicht auf Anhieb. Die meisten davon machen ein Zwischenjahr. Das sind deutlich weniger als noch vor zehn Jahren, was zu begrüssen ist. Denn Zwischenlösungen sind teuer. Und glaubt man den Bildungsökonomen, verbessern sich die individuellen Chancen mit einer Zusatzschleife nur unwesentlich.

Das bernische Bildungssystem fördert mittlerweile den direkten Übertritt. Dazu wurde beispielsweise das Angebot an niederschwelligen Ausbildungsgängen ausgebaut. Nur ganz wenige haben vorerst gar keine Anschlusslösung. Insofern ist es nachvollziehbar und richtig, wenn der Kanton Bern die klassischen Brückenangebote reduziert.

Allerdings gibt es Verbesserungspotenzial. Manche Lehrbetriebe etwa für anspruchsvolle Berufe wie Informatiker oder kaufmännische Angestellte, aber auch für grafische Berufe oder beim Ausbildungsgang zur Fachfrau Betreuung bestehen oft immer noch auf der zusätzlichen Hürde. Das Argument: Vielen Schulabgängern fehle das Rüstzeug für den direkten Einstieg.

Diesen Zielkonflikt müssen der Kanton und die Ausbildner beheben. Es ist jedenfalls schlecht, wenn willige Jugendliche in solchen Fällen auf teure private Angebote ausweichen müssen, um ans Ziel zu kommen. Ein Bildungssystem, in dem das Portemonnaie der Eltern über die Chancen der Kinder entscheidet, will niemand. (Der Bund)

Erstellt: 15.08.2018, 06:45 Uhr

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