Empörung ist fehl am Platz

Für das Abholen und Aufgeben von Paketen braucht es keine Postschalter.

Zukunftsfähige Lösung: Postagentur im Volg in Kirchlindach.

Zukunftsfähige Lösung: Postagentur im Volg in Kirchlindach.

(Bild: Adrian Moser)

Adrian Sulc@adriansulc

«Wann waren Sie das letzte Mal auf einer Poststelle?», fragte Thomas Baur rhetorisch. Doch die Frage des Post-Kadermanns nach dem Wann ist die falsche. Die richtige lautet: «Was haben Sie dort gemacht?» Denn die meisten Kunden wollen dort lediglich Pakete und eingeschriebene Briefe abholen oder aufgeben. Und dazu braucht es eigentlich keine Poststelle.

Wenn die Post Wort hält und die 76 Poststellen nicht ersatzlos streicht, sondern durch Postagenturen ersetzt, könnten die Kunden sogar profitieren. Denn nicht alle Poststellen verfügen heute über komfortable Öffnungszeiten. Wer am Samstagmittag kurz vor Schalterschluss ein Paket abholen will, kennt die Schlangen von Leuten, die unter der Wochen ebenfalls nicht dazu gekommen sind. Der Quartierladen und die Apotheke haben länger offen. Die Agenturlösung bringt dem Gewerbe Mieteinnahmen der Post und zusätzliche Kunden. Das ist eine Chance für die Läden, die die Konkurrenz der Grossverteiler spüren.

Gut möglich, dass die künftigen Agenturen auch zentraler liegen werden als die heutigen Poststellen. So stehen etwa die Stadtberner Poststellen Weltpostverein, Kirchenfeld und Holligen abseits der Passantenströme.

Leider ist das Angebot der Agenturen bescheidener als jenes der Poststellen, besonders im Bereich Geld: Der Bargeldbezug ist je nach Verfügbarkeit auf 50 bis 500 Franken beschränkt, Kontoeröffnungen und Bar-Einzahlungen sind nicht möglich. Aber immerhin: Wer seine Rechnungen wie im 19. Jahrhundert weiterhin bar statt mit der Bankkarte zahlen will, kann das ab September beim Pöstler an der eigenen Haustüre tun.

Natürlich tut der kommende Stellenabbau bei der Post weh. Doch es ist nicht die Aufgabe eines Staatsunternehmens, Stellen zu erhalten. Fiele die Post in die roten Zahlen, würde das die Schweizerinnen und Schweizer Geld kosten. Das wäre ein Grund zur Empörung. Wenn die Post Schalter schliesst, um dem Staat nicht finanziell zur Last zu fallen, dass ist das hingegen kein Grund zur Empörung.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt