Ein Stadtberner Kellner auf dem Land

Im «Rössli»in Richigen gibt es indisches Lammcurry und Suure Mocke.

Die Terrasse des «Rössli».

Die Terrasse des «Rössli». Bild: zvg

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Vor drei Jahren war die Zukunft des Rössli unsicher. Das Wirtepaar hatte gekündigt, die Besitzer versprachen, alles zu unternehmen, um den Gasthof für Richigen zu erhalten, weil das Dorf am Rössli hänge und das Restaurant als Treffpunkt brauche. Das Dorf Richigen zählt rund 400 Einwohner, gehört zur Gemeinde Worb und liegt an der Hauptstrasse zwischen Worb und Grosshöchstetten. An einem gewöhnlichen Abend unter der Woche entsteht tatsächlich der Eindruck, das Rössli sei ein wichtiger Treffpunkt. Die gemütliche Gaststube ist praktisch voll, die meisten Gäste essen. Später trifft noch eine grössere Gruppe ein, die in einem Nebenstübli platziert wird. Dass alle Gäste aus dem Dorf stammen, ist aber eher unwahrscheinlich. Vielmehr sieht es danach aus, als ob der Gastgeber auch ein paar Städter anzieht.

Denn der Wirt Malaichchelvan Arunasalam, vielen besser bekannt unter dem Spitznamen Oski, war 25 Jahre lang Kellner im Berner Café des Pyrénées. Als die Pyri-Chefin das Lokal im Herbst 2015 nach 35 Jahren verliess, ging auch Oski. Er übernahm in Richigen das Rössli, nachdem seine Vorgänger das Restaurant nach nur einem Jahr schon wieder verlassen hatten. Oski scheint das Wirten im Blut zu haben, er soll aus einer Gastgeberfamilie stammen. Jedenfalls führt er den Landgasthof mit viel Charme und Präsenz. Er setzt sich mal an den Stammtisch, mal zu den Bekannten am Nebentisch und plaudert auch mit den Fremden beiläufig ein paar Sätze.

Arunasalam ist auch der Umstand geschuldet, dass es auf der Menükarte eher eine ungewöhnliche Kombination zur Auswahl gibt. Neben der traditionellen Schweizer Küche gibt es auch Gerichte aus fernen Ländern. Denn Oski stammt ursprünglich aus Sri Lanka, weshalb es nicht nur Richiger Rahmschnitzu und Emmentaler Lammvoressen, sondern auch indisch und thailändisch zubereitete Speisen gibt, zudem lädt das Rössli regelmässig zu indischen Buffets ein. Der Begleiter wählt denn auch das Lammcurry (Fr. 29.–) als Hauptspeise, weshalb der Testesserin die Rolle zufällt, mit dem Suure Mocke (Fr. 25.–/kleine Portion) etwas Traditionelles zu kosten. Beide Menüs überzeugen, wobei das Lammcurry natürlich etwas spannender daherkommt. Neben dem pfiffigen Lammcurry mit Reis wird in einem Schälchen etwas grünes Unbekanntes, aber Wohlschmeckendes gereicht. Auf Nachfrage erklärt der Wirt, das seien grüne Bananen und lange Bohnen, welche in Sri Lanka wüchsen. Ganz den Erwartungen entspricht der zarte Suure Mocke, der mit knackigem Gemüse und Kartoffelstock serviert wird.

Auch Saisonales gibt es auf der Frühlingskarte, unter anderem bei den Vorspeisen, die natürlich noch vor dem Hauptgang serviert und verspeist wurden. Der Jahreszeit entsprechend wählten wir eine Spargelsuppe (Fr. 8.50) und einen Spargelsalat mit Rohschinken (Fr. 13.50). Suppe und Salat sind vorzüglich zubereitet. Bei Letzterem kann man ironisch anmerken, dass eine Scheibe Rohschinken einen Franken kostet. Denn es gibt drei Scheiben davon und der Spargelsalat mit Rohschinken kostet drei Franken mehr als derjenige ohne.

Aber bestimmt handelt es sich beim Rohschinken um auserlesene Ware – wie dies etwa auch beim Tee oder beim Käse der Fall ist. Der Länggass-Tee (Berner Rose und Grüntee je Fr. 4.40) wirkt wie ein Mitbringsel eines Heimwehberners aus der Stadt. Eine Entdeckung aus der Region ist hingegen der Käse aus der weit herum für Qualität und Sortiment bekannten Chäsi Worb. Eigentlich gibt es Käse als Dessertportion. Die unvorsichtige Ankündigung, sich das Käse-Plättli (Fr. 18.50) teilen zu wollen, veranlasst die Bedienung, einen Teller aufzutischen, der eigentlich für ein Zvieri gedacht ist. Abgesehen davon, dass ein Weichkäse fehlt und man nicht weiss, welche Sorten gereicht werden, überzeugt die Auswahl des Städters an seinen Entdeckungen auf dem Land aber sehr.

Weitere Aufgetischt-Folgen auf www.aufgetischt.derbund.ch (Der Bund)

Erstellt: 01.05.2017, 07:47 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Traditionelle, saisonale Schweizer Gerichte sowie indische, thailändische und srilankische Küche. Fleischspezialitäten auf dem «Heissen Stein».
Preise: Vorspeisen 8.50 bis 15.50 Franken, Hauptspeisen von rund 20 bis knapp 40 Franken.
Kundschaft: Einheimische, Ausflügler, Gesellschaften sowie Freunde und Bekannte aus dem Café des Pyrénées.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 8.30 bis 23.30 Uhr, Sonntag 9 bis 21 Uhr.
Adresse: Gasthof zum Rössli, Luzernstrasse 226, 3078 Richigen. Telefon 031 839 23 43, E-Mail info@roessli-richigen.ch.

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