Ein Käfer löst am Holzmarkt Besorgnis aus

Borkenkäfer und Stürme sorgen nicht nur in Bern, sondern europaweit für eine Holzflut.

«Der Käfer hat zur Folge, dass wertvolles Nutzholz nicht planmässig genutzt werden kann.», sagt Roger Schmidt, Vorsteher des bernischen Amts für Wald.

«Der Käfer hat zur Folge, dass wertvolles Nutzholz nicht planmässig genutzt werden kann.», sagt Roger Schmidt, Vorsteher des bernischen Amts für Wald.

(Bild: Raphael Moser)

Mischa Stünzi

Rosig ist die Situation für Berner Waldbesitzer schon länger nicht. Mit dem starken Franken wurden Holzimporte aus dem Euroraum in den letzten Jahren innert kurzer Zeit ungemein attraktiv. Folglich kamen auch die Preise für Schweizer Holz unter Druck. Und nun das: Nach einem heissen, trockenen Sommer wütet der Borkenkäfer in den Wäldern. Befallene Bäume müssen möglichst rasch gefällt und aus dem Wald entfernt werden. Fragt sich nur: wohin mit dem Holz?

Zwar ist die Nachfrage nach Holz in der Schweiz immer noch intakt – vor allem dank dem andauernden Bauboom und einer robusten Konjunktur. Aber das Angebot übertrifft derzeit die Nachfrage – zumindest im Bereich Schadholz. Denn nicht nur der Borkenkäfer hat dazu geführt, dass mehr Schadholz auf den Markt kommt, als verarbeitet werden kann. Auch Stürme wie Burglind trugen dazu bei.

Besserung in Sicht

Die Lage für die Berner Waldbesitzer sei nach den Winterstürmen und den Borkenkäferschäden schwierig, sagt Lea Imola, Geschäftsführerin des Verbands Berner Waldbesitzer. Der Markt sei im Bereich Schadholz überversorgt, die Preise seien unter Druck. Diese Einschätzung teilt auch Roger Schmidt, Vorsteher des bernischen Amts für Wald. «Der Käfer hat zur Folge, dass wertvolles Nutzholz nicht planmässig genutzt werden kann, sondern bei Befall rasch auf den Markt gebracht werden muss. Dies kann zur Überversorgung und zu Preissenkungen der Sägereien führen.»

Kommt hinzu, dass Holz, das geschlagen werden muss, aber nicht direkt verkauft werden kann, gelagert wird. Was wiederum die Kosten für die Waldbesitzer erhöht. Immerhin sieht Imola für das laufende Jahr eine Verbesserung der Lage: Die Absatzmöglichkeiten für Käferholz seien in diesem Jahr besser als letztes Jahr nach den heftigen Winterstürmen.

Ganze Wälder zerstört

Andernorts klingt es ähnlich wie im Kanton Bern. In der Ostschweiz haben die Schreinereien wegen des Sturmholzes keine Kapazitäten mehr, um Borkenkäferholz zu verarbeiten, wie das «St. Galler Tagblatt» vermeldet hat. Die Zeitung zitiert Georg Müller, Präsident des Thurgauer Waldwirtschaftsverbands: Die Situation sei «desolat». In Tschechien habe der Borkenkäfer ganze Wälder zerstört, schreibt die Organisation Bayerische Staatsforsten in einem Bericht. Holz aus entfernten Regionen dränge auf den bayerischen Holzmarkt, belaste diesen und setze die Preise unter Druck. Die Lage sei «besorgniserregend».

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