«Aufgetischt»: Ein Espresso auf portugiesisch

Das Berner Café Restaurant Viktoria hat einen neuen Wirt, eine neue Speisekarte - und wunderbare Torten.

Das Lokal am Viktoriaplatz: Seit März wird hier auch portugiesisch gekocht.

Das Lokal am Viktoriaplatz: Seit März wird hier auch portugiesisch gekocht. Bild: sul

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Wir hatten das Lokal lange auf der Liste, doch dann besuchten wir immer Restaurants, die uns noch mehr interessierten. Seit einem Monat hat das Viktoria im Breitenrain einen neuen Wirt. Also wollten wir sehen, was sich dort getan hat. Der erste Eindruck: Das Tearoom-Flair, das wir dem Lokal zugeschrieben haben, ist grösstenteils verschwunden.

Das neue Viktoria wirbt mit portugiesischen Spezialitäten und Weinen. Der junge Wirt begrüsst uns freundlich – wir sind die Ersten und fast Einzigen an diesem Freitagmittag. Die portugiesischen A-la-carte-Gerichte stehen leider nur abends und am Wochenende zur Auswahl, wie wir erfahren. So bleibt die Wahl zwischen vier Tagestellern. Wie so oft stören wir uns am unnötigen Apostroph bei «Menü’s», doch das soll unseren Aufenthalt nicht trüben.

Der Begleiter bestellt Fusili con Gambas, also Pasta mit grossen Crevetten (Fr. 19.50 mit Salat). Er bezeichnet die Sauce als «nicht aufregend», isst den Teller aber leer und freut sich über die stattliche Anzahl Crevetten und das gute Preis-Leistungs-Verhältnis.

Dieses Verhältnis stimmt ebenfalls beim Teller des Testessers: Pferdesteak vom Grill an Pfeffersauce mit Kartoffelgratin und Gemüse (Fr. 24.50 mit Salat). Das Pferdefleisch – dessen Herkunft nicht deklariert ist – zeigt sich von der zarten und schmackhaften Seite. Die klassische Rahmsauce mit grünem Pfeffer ist nicht zu dick aufgetragen, der Kartoffelgratin gut gelungen, die Rüebli sind nicht verkocht. Und die kleine Salatgarnitur ist schmuck drapiert – der Teller insgesamt schön sättigend.

Dennoch wagen wir uns an ein Dessert. An der Theke haben wir die Kreationen des Viktoria-Kochs entdeckt: Quarkkuchen, Caramelköpfli und eine Caramel-Kaffee-Torte. Letztere legt uns der Wirt besonders ans Herz, also genehmigen wir uns je ein grosses Stück (Fr. 7.50). Der Mann hat nicht übertrieben: Die Torte mit ihren vielen luftigen Teig- und Cremeschichten isst sich fast wie ein Tiramisù mit Karamellgeschmack. Dazu bestellen wir einen Espresso, den der Wirt aber vergisst.

Schliesslich bringt er die Tasse trotzdem noch – mit der Bemerkung, sie gehe aufs Haus. Vorbildlich gelöst, finden wir. Auf dem Unterteller liegt neben Schöggeli und Zuckersäckchen ein weiteres Beutelchen: Es enthält eine kleine Zimtstange. Damit rührt man «im Süden», also etwa in Portugal, den Kaffee – als Zuckerersatz, wie uns der Wirt erklärt. Ein hübsches Detail. Doch für ein abschliessendes Urteil über das neue Viktoria wollen wir noch einmal vorbeikommen, wenn die portugiesischen Fischgerichte serviert werden. (Der Bund)

Erstellt: 14.04.2018, 08:15 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Mittags unter der Woche jeweils vier meist mediterrane Menüs. Abends und am Wochenende grosse Auswahl an Pasta, Risotto, Fisch und Meeresfrüchten, iberischem Schwein sowie Rindfleischgerichten.

Preise: Mittagsmenüs ab 16.50 Franken, Hauptgerichte à la carte 18.50 bis 44 Franken.

Kundschaft: Quartierbewohner sowie Arbeitstätige aus der Umgebung. Am Wochenende – laut Wirt – südländische Familien.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 8 bis 23.30 Uhr, Freitag 8 bis 0.30 Uhr, Samstag 9 bis 0.30 Uhr, Sonntag 9.30
bis 17 Uhr.

Adresse: Café Restaurant Viktoria, Viktoriaplatz 1, 3013 Bern, Telefon 031 332 01 02, www.cafeviktoria.ch.

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