«Eigentlich ist es eine Liebeserklärung»

Muss Kultur für alle sein? Und nützt die Kunst der Gesellschaft dermassen viel, wie sich das die Kulturförderung vorstellt? Bildungsdirektor Bernhard Pulver erklärt die neue Kulturstrategie des Kantons.

«Zusätzliche Zugänge ermöglichen»: Teilnehmer einer «Sensorikführung» (Kunsthaus Zürich, 14. Februar 2009).

«Zusätzliche Zugänge ermöglichen»: Teilnehmer einer «Sensorikführung» (Kunsthaus Zürich, 14. Februar 2009). Bild: Nicola Pitaro

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Herr Pulver, in der neuen kantonalen Kulturstrategie heisst es, «die Kultur hält sich an keinen Plan und keine Strategie.» Warum braucht dann die Kulturförderung eine?
Das ist einer jener Sätze, die ich besonders mag an dieser Strategie. Staatliches Handeln muss nach bestimmten Kriterien und Zielen ausgerichtet sein. Aber Kultur entsteht nicht wegen einer Kulturstrategie oder der Kulturförderung – denken Sie etwa an den Progr oder an die Gruppe Bern ist überall. Wir bestimmen höchstens unsere Schwerpunkte, bei der letzten Kulturstrategie war es die Filmförderung, nun ist es die kulturelle Teilhabe. Was neu entsteht, können wir zum Glück nicht beeinflussen. Darum braucht es auch regelmässig eine neue Kulturstrategie – weil sich die Welt verändert.

Sie sagen also: Weil sie nicht viel ausrichtet, braucht es immer wieder eine neue Kulturstratgie.
Nein. Wir passen unsere Fördermassnahmen an Entwicklungen wie die Digitalisierung an. Oder an jene, dass sich die Grenzen zwischen den Sparten des Kulturschaffens auflösen. Ein handfestes Beispiel: CDs existieren heute fast nicht mehr, aber wir fördern deren Produktion immer noch. Oder es gibt neue Bedürfnisse: So möchten wir künftig den ganzen Schaffensprozess unterstützen. Bisher haben wir, etwa im Fall einer Tanzkompanie, die Aufführung finanziert. Aber vielleicht braucht die Gruppe eine Website oder einen Film, um überhaupt Engagements zu bekommen.

Teilhabe ist einer der Schwerpunkte der Strategie: «Der Kanton erleichtert den Zugang aller Bevölkerungsschichten zu kulturellen Institutionen und Produktionen.» Braucht es diesen Effort überhaupt?
Teilhabe ist ein Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie und Teil unserer Kulturpolitik. Der Wille zur Teilhabe kommt aber genauso von den Institutionen selbst, die entdeckt haben, welch kreatives Potenzial darin steckt. Heute liegt das Gewicht zumeist auf der Kulturvermittlung – wir möchten noch einen Schritt weitergehen: Vermittlung ist ja nur ein Aspekt der Teilhabe, ganz klassisch in Form von Ausstellungsführungen oder von Angeboten für Fremdsprachige. Dabei kann Teilhabe bis zur Beteiligung der Bevölkerung gehen, die Ausstellungen mitkuratiert oder bei einem Konzert stellenweise mitsingt. Für solche Entwicklungen möchten wir offen sein. Das heisst natürlich nicht, dass das professionelle Kulturschaffen unwichtig wird. Im Gegenteil. Aber Teilhabe als Aufforderung, sich aktiver einzumischen – dazu möchten wir ermuntern.

Der Kanton diagnostiziert damit auch ein Defizit: Die Kulturschaffenden machen das nicht, die sind zu elitär. Dabei ist doch schon jede Ausstellung eine Form von Vermittlung, wenn nicht gar die wesentlichste.
Das stimmt natürlich. Trotzdem: Ich sehe in der Teilhabe noch viel Potenzial, sie kann ganz neue Zugänge ermöglichen. Aber auch die klassische Kulturvermittlung bietet viel Potenzial: Das Stadttheater schickte auch schon Schauspieler in Klassen, um mit den Schülerinnen und Schülern die Stücke zu besprechen. Die Kinder sahen die Aufführungen danach ganz anders.

Kann man Kultur nur legitimieren, wenn sie möglichst jeden und jede anspricht? Alle zahlen Steuern, also sollen auch alle etwas davon haben?
Das ist durchaus ein Aspekt. Der Staat gibt Geld für die Kulturförderung aus, und so soll er auch helfen, dass breite Bevölkerungskreise den Zugang finden. Klassische Musik zu hören und zu verstehen, muss man lernen. Auch für andere Kunstformen gilt das. Das Zweite ist: Kultur steht ja nicht für sich im Elfenbeinturm. Wir möchten, dass ihre gesellschaftliche Relevanz auch wirksam wird.

Wirksam werden soll die Kultur auch in allen Regionen. Das «Ungleichgewicht der Kulturförderung zwischen städtischen und ländlichen Gebieten» sei abzubauen, heisst es in der Strategie. Wie soll das gehen, wenn die Institutionen und die Kulturschaffenden vorwiegend in den Zentren sind?
Die Frage ist grundsätzlich, ob der Kanton alle Sparten und alle Regionen fördern soll – oder ob er eher eine Leuchtturmpolitik will und nur Einzelne fördert. Wir finden, Bern ist gross und wichtig genug, dass alle Sparten und alle Regionen gefördert werden sollen. Das ist ja das Schöne in diesem Kanton: Kultur ist überall präsent, vom Kunsthaus Interlakten bis zu den Mémoires d’ici in St-Imier, dem Zentrum für das Kulturerbe des Berner Juras. In den kleineren Häusern erlebe ich genauso anregende Fragestellungen wie in den grösseren. Was wir aber in den letzten Jahren feststellen, ist eine Bewegung des Kulturschaffens hin zu den Zentren. Und zwar, weil die Städte – also Bern, Biel und Thun – am meisten Geld anbieten. Wir wollen diesen Sog nicht noch verstärken und durch unsere Subsidiaritätspolitik das Land nicht veröden.

Subsidiarität heisst ja, dass der Kanton nochmal so viel zahlt wie die Gemeinden. Grosse Gemeinden haben aber nun einmal andere finanzielle Möglichkeiten als kleine.
Der Beitrag der Gemeinde ist die Voraussetzung dafür, dass der Kanton einen maximal gleich hohen Beitrag sprechen kann. Wir können aber dort, wo wir Schwerpunkte setzen, vom Subsidiaritätsprinzip abweichen, also Projekte unabhängig von den Gemeinden fördern, etwa beim Film. Wäre das nicht so, würde es nur noch in der Stadt Bern Filmproduktionen geben.

Andererseits gibt es eine Passage in der Strategie des Kantons, die besagt, man müsse die Gemeinden stärker in die Pflicht nehmen.
Wir haben uns bei der Erarbeitung der Strategie gefragt, ob die Subsidiarität überhaupt noch sinnvoll ist. Wir kamen aber klar zum Schluss, dass wir die Gemeinden nicht aus der Pflicht nehmen wollen. Ihr Engagement ist für das Kulturleben zentral und für die gesamte Kulturfinanzierung unabdingbar. Die Subsidiarität bewirkt, dass sich die Gemeinden mit den Projekten auseinandersetzen und sie auch mitfinanzieren. Die Gemeinden wiederum schätzen es, wenn es auch Geld vom Kanton gibt. Andrerseits hat das Prinzip seine Schwäche, wenn eine Gemeinde nicht kulturaffin ist oder nicht viel Geld zur Verfügung stellen kann. Dann ist automatisch auch vom Kanton weniger da.

Wie wichtig ist der lokale Bezug des Kulturschaffens überhaupt noch?
Er ist entscheidend. Darum braucht es Kulturinstitutionen vor Ort: Eine Hochschule für Künste ist für einen Kanton ebenso wichtig wie eine juristische oder eine medizinische Fakultät. Vor ein paar Jahren wurde über die Abschaffung des Balletts am Stadttheater Bern diskutiert. Man überlegte, gemeinsam mit anderen Städten ein All-Star-Ensemble zu kreieren, das viel Publikum anzieht. Aber ich merkte damals: Die Tatsache, dass wir zwölf Tänzerinnen und Tänzer haben, die lokal verwurzelt sind, hat eine Wirkung auf die Stadt, auch auf die freie Szene. Dasselbe gilt für die Oper in Biel: Natürlich kann sie nicht mit der Mailänder Scala konkurrieren, aber sie hat eine Wirkung auf das kulturelle Selbstverständnis der Stadt – man kann die Sänger ja fast anfassen, wenn man im Saal sitzt. Darum sind eine Oper in Biel, ein Ballett in Bern oder ein Kunsthaus in Interlaken ein enormer Gewinn fürs kulturelle Schaffen.

Die Aufgabenteilung mit den Gemeinden ist das eine. Was aber, wenn der Bund nicht mehr mitzieht, wie im aktuellen Fall des Alpinen Museums?
Kulturförderung ist eine gemeinsame Aufgabe von Kanton und Gemeinden, das steht sogar so in der Kantonsverfassung. Der Bund dagegen versteht sein Subsidiaritätsprinzip anders: Er muss nicht mitfinanzieren, sondern er kann. Im konkreten Fall hat er eine neue Museumspolitik lanciert, und da gibt es nun Reibungsflächen, da wir gemeinsam Träger des Alpinen Museums sind. Wir sind derzeit im Gespräch. Es liegt hoffentlich nicht im Interesse des Bunds, dass seine Massnahmen ganze Institutionen gefährden.

Wenn man den Druck auf die Bundesmillion dazunimmt, also auf den eidgenössischen Beitrag an die Stadtberner Kultur, dann könnte man den Eindruck bekommen, es wehe beim Bund ein anderer Wind.
Es ist schon so, dass es beim Bundesamt für Kultur einen stärkeren Willen gibt, die Kulturpolitik selber zu prägen. Sitzt man allerdings zusammen, gibt es auch eine grosse Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu finden.

Womit kann das Alpine Museum also rechnen?
Konkret kann ich das derzeit nicht sagen. Ich stelle aber fest, dass der Bund bereit ist, eine nachhaltige Lösung für das Alpine Museum zu finden. Der Kanton setzt sich als Mitträger selbstverständlich dafür ein, dass dieses tolle Museum weiterexistieren kann.

Dann zurück zum Kanton. Man staunt, wozu die Kultur gemäss der neuen Strategie alles gut sein soll. So soll sie den sozialen Zusammenhalt stärken, zwischen Bevölkerungsgruppen vermitteln, die «Fähigkeit zum Querdenken» wecken und auch noch den Kanton attraktiver machen als Tourismusdestination, Wohnort und Wirtschaftsstandort. Bürdet man der Kultur nicht etwas viel auf?
Das ist eine ganz wichtige Frage: Was ist die Rolle der Kultur? Wenn Sie das Kulturförderungsgesetz anschauen, dann werden da ebenfalls solche Ziele formuliert. Aber: Kunst muss für sich leben, aus sich heraus entstehen. Kreativität richtet sich nicht nach den Aufträgen, die in einem Gesetz stehen. Die Kulturförderung ihrerseits muss sich allerdings fragen, warum sie tut, was sie tut. Sie braucht eine politische Legitimation. Auch wenn wir in unserem Kanton nicht besonders viel Geld ausgeben für Kultur, müssen wir dem Gesetzgeber erklären, wieso wir das tun.

Vor der Moderne war die Kunst Auftragskunst, als Repräsentationsobjekt für Staats- und Kirchenfürsten. Davon hat sie sich emanzipiert. Die Kulturstrategie macht den Eindruck, als wolle der Kanton hinter diesen Fortschritt zurück.
Das wollen wir auf keinen Fall. Kunst soll auch ein gesellschaftlicher Gegenentwurf sein können oder mit der Gesellschaft überhaupt nichts zu tun haben müssen. Sie ist vielleicht gerade dadurch für die Gesellschaft besonders wertvoll geworden, dass sie eben nicht aus einem gesellschaftlichen Auftrag heraus handelt, sondern autonom ist. Aber wir, aus der Perspektive der Kulturförderung, dürfen schon wahrnehmen, dass Kultur der Gesellschaft etwas bringt.

Die Strategie definiert diesen Nutzen allerdings ebenso klar wie umfassend. Haben Sie eine verlässliche Erfahrung, dass es ihn überhaupt gibt? Dass das Kulturschaffen beispielsweise hilft, «die Kreativität bei Kindern und Jugendlichen zu wecken und für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft fruchtbar zu machen»?
Bei den Institutionen gibt es Indikatoren, die leicht zu evaluieren sind, Besucherzahlen etwa oder ob Projekte mit Schulen gemacht wurden. Aber im kreativen Schaffen sind die Wirkungen nicht einfach so messbar – wie übrigens auch in der Bildung nicht. Es gibt Wirkungen, von denen wir wissen, die wir aber nicht im Detail messen können. Dazu muss man stehen.

Sie müssen doch auch überprüfen können, ob Sie Ihre Ziele erreichen.
Klar, deshalb haben wir ja auch Indikatoren in den Leistungsaufträgen. Sinn und Wirkung von Kulturschaffen entzieht sich aber dieser Überprüfbarkeit. Der Künstler Anselm Kiefer sagte einmal, Kunst und Kultur sei immer ein Herumgehen um etwas Unsagbares, um einen Krater, ein schwarzes Loch, das man letztlich nie betreten könne. Mir gefällt dieser Gedanke, die Unmöglichkeit einer definitiven Antwort. Geht es um den Sinn des Lebens? Vielleicht. Anders als in der Religion, die sagt: Gott gibts, ist Kunst immer ein Suchen. Ich bin froh, dass wir nicht mehr in einer Zeit leben, in der es eine einheitliche Vorstellung davon gab, was Kultur leisten soll. Es ist die Auseinandersetzung mit einer Vielfalt von Kultur, die uns stärkt. Übrigens: In der Wirtschaft ist die Idee angekommen, dass Kreativität und Spiel der Produktivität zugute kommen. Das kann man auch als Zweckdenken sehen. Darum geht es uns aber überhaupt nicht.

Sondern?
Die Strategie gibt unseren Blickwinkel wieder, also das Kulturverständnis der öffentlichen Hand. Sie ist keine Direktive an die Kulturschaffenden. Diese müssen sich nicht überlegen, ob sie unserem Kulturverständnis entsprechen, wenn sie ein Projekt angehen. Es gibt zwar Förderprogramme mit bestimmten Vorgaben, nach denen sich Produzentinnen und Produzenten zu richten haben – das Programm «Bildung und Kultur» etwa oder Projekte zur Zweisprachigkeit. Dafür soll aber immer nur ein Teil der Fördergelder reserviert sein.

Die Strategie erwartet von den Kulturinstitutionen beispielsweise, dass sie sich für die «zunehmende Vielfalt der Gesellschaft» öffnen, und zwar in ihren Angeboten, aber auch in der Zusammensetzung ihres Personals. Das ist doch eine sehr konkrete Erwartung.
Ja. Gerade hinsichtlich der Migration gibt es Handlungsbedarf. Vielleicht ist es heute noch zu früh, um diese neuen Bevölkerungsgruppen beispielsweise ins Theater zu holen. Aber da wird ein Thema auf uns zukommen, bei dem wir auch wirklich etwas gewinnen können. Wir sehen auch in der Bildungsdirektion, was da für motivierte und interessierte Leute zu uns kommen. Das wird auch für die Kultur spannend. Und hier möchten wir einen Akzent setzen.

Ist es ein Vorteil, wenn die Kulturförderung in der Bildungsdirektion angesiedelt ist?
Inhaltlich ist es sinnvoll, weil Bildung und Kultur sehr grosse Schnittstellen haben. Bildung ist, das hat einmal ein Philosoph gesagt, dem Menschen zu zeigen, dass das Leben einen Sinn hat. Das tut die Kultur auch.

Es gibt auch öffentliche Kulturförderer, die nichts wissen wollen von sozialpädagogischen, sagen wir: bildungsdirektorialen Ansprüchen an die Kultur. Dieses Problem haben Sie nicht?
Nein. Wir versuchen eher umgekehrt, aus der Kultur etwas in die Schule zu bringen. Jeder Franken, den wir im Programm «Bildung und Kultur» ausgeben, ist letztlich Kulturförderung, weil wir Kulturschaffende für ihre Aktivitäten bezahlen. Aber wenn sich aus der Strategie schliessen liesse, dass es dem Kanton vor allem um den Nutzwert der Kultur geht, wäre das nicht die Idee. Es war jedenfalls nicht unsere Absicht, dass die Strategie wirkt wie eine Rechtfertigung. Kultur braucht keine. Vielleicht muss ich noch ein Vorwort schreiben, um auf das Wesentliche der Kultur einzugehen, auf die existenziellen Fragen des Lebens, die sie stellen kann, auf die aussergewöhnlichen Erlebnisse, die sie ermöglicht.

Die Mobiliar-Versicherung hält sich eine eigene Kunstabteilung, um die «Vitalität» des Unternehmens zu verbessern. Vielleicht ist ein gewisser Wunderglaube in Sachen Kultur ja heute verbreitet.
An sich freut es mich, wenn jemand sagt: Sie erwarten zu viel von der Kultur. Denn meine Sorge ist eher, die Gesellschaft erwarte zu wenig von ihr – vor allem, wenn ich sehe, dass wir im Kanton Bern unterdurchschnittlich viel Geld dafür ausgeben und immer wieder für Kulturprojekte kämpfen müssen. Kultur sollte selbstverständlicher sein. Für mich persönlich ist sie ein Lebenselixier. Und eigentlich steckt in der Kulturstrategie eine Liebeserklärung an die Kultur. Gleichzeitig kann man sie als Dank an die Kulturschaffenden verstehen: Sie verbinden Generationen, fördern unsere Kreativität, stellen uns in Frage, leisten Wunderbares für die Gesellschaft. (Der Bund)

Erstellt: 09.12.2017, 08:40 Uhr

Mehr frankofone Kunst fördern

Noch liegt nur der Entwurf der kantonalen Kulturstrategie vor. Es soll nur kleine Änderungen geben. Geld ist kein Thema.

Die Kulturstrategie ist wie ein Kompass. Er zeigt der Kulturförderung des Kantons die Richtung an, in welcher er seinen eher generellen gesetzlichen Auftrag umsetzen soll. Entsprechend kann das vierzehnseitige Papier durchaus mehr sein als ein Papierflieger.

In der bis im Oktober andauernden Konsultation konnten Institutionen, Kulturbeauftragte der Städte und Gemeinden, Teilnehmende der regionalen Kulturdialoge sowie die Mitglieder der Regionalkonferenz, Parteien und interessierte Privatpersonen ihre Meinung zum Entwurf der Kulturstrategie einbringen. «Die Rückmeldungen werden eingearbeitet, und die Kulturstrategie wird entweder vor oder kurz nach den Weihnachtsferien im Regierungsrat traktandiert», sagt der zuständige Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne). Die Rückmeldungen seien mehrheitlich positiv ausgefallen. Man ändere nun nicht etwa Grundlegendes, sagt Pulver. Als Anmerkung sei aber beispielsweise eingebracht worden, dass der Förderung der Zweisprachigkeit mehr Platz in der Strategie eingeräumt werden soll. «Das versuchen wir nun», sagt Pulver: Künftig sollen zweisprachige oder Sprachgrenzen überwindende Projekte stärker gefördert werden können. Konkret wird in der Strategie nirgends über Geld gesprochen; das wird mit dem Budget zum Thema. Voraussichtlich im März wird das Papier im Grossen Rat behandelt – auch er kann das Papier noch mit weiteren Aufträgen versehen.

Fünf Aufträge kennt das Papier

2009 bereitete die erste Kulturstrategie den Boden für das revidierte kantonale Kulturförderungsgesetz von 2012. Es habe sich bis heute bewährt, schreibt Pulver in der Einladung zur Konsultation. Darum halte man am Gesetz fest. Hingegen sei es an der Zeit, die Strategie zu überprüfen. In regionalen Veranstaltungen stellte der Erziehungsdirektor zur Diskussion, inwieweit die Ziele der Strategie 2009 erreicht worden seien und wo es weitere Anstrengungen brauche. Am kantonalen Kulturtag 2015 wurden dann Meinungen und Anregungen eingeholt und die ersten Ergebnisse wiederum in den regionalen Kulturdialogen 2017 zur Diskussion gestellt.

Der nun vorliegende Entwurf der Strategie kennt fünf allgemein formulierte Aufträge. Der erste lautet: Stärkung der kulturellen Vielfalt. Im Kanton sollen nicht nur Leuchtturmprojekte unterstützt werden. «Der 2009 gefällte Entscheid zugunsten von Breite und Vielfalt hat sich bewährt», steht im Entwurf. Angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen sei die Vielfalt wichtiger denn je. Der zweite Auftrag betont, wie wichtig es sei, die Bevölkerung am kulturellen Leben teilhaben zu lassen, besonders junge Menschen. Weiter soll künftig das kulturelle Erbe erhalten und zeitgenössisches Kulturschaffen erleichtert werden. Als letzten Auftrag nennt die Strategie, dass die Attraktivität des Kantons gesteigert werden solle – durch das Kulturschaffen. (sie)

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