Egger appelliert an die kantonale Solidarität

Die Regierungsrätin Barbara Egger warb am Freitag für ein Ja zum Projektierungskredit für die Umfahrung Aarwangen, worüber am 21. Mai abgestimmt wird.

Das Städtchen Aarwangen bei Langenthal im Oberaargau leidet unter dem Durchgangsverkehr. Eine Umfahrungsstrasse mit neuer Brücke soll Abhilfe schaffen.

Das Städtchen Aarwangen bei Langenthal im Oberaargau leidet unter dem Durchgangsverkehr. Eine Umfahrungsstrasse mit neuer Brücke soll Abhilfe schaffen. Bild: zvg (Fotomontage)

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Im Hinblick auf die Abstimmung vom 21. Mai zum Projektierungskredit für die Umfahrung von Aarwangen ruft Regierungsrätin Barbara Egger (SP) die Stimmberechtigten im ganzen Kanton zur Solidarität mit der vom Durchgangsverkehr geplagten Bevölkerung im Oberaargau auf.

Die Verkehrsdirektorin präsentierte am Freitag vor den Medien Bilder von verstopften Strassen und von Camions, die velofahrenden Schülern gefährlich nahe kommen. Durch den engen Ortskern von Aarwangen zwängten sich bis zu 100 Lastwagen pro Stunde, gleich viele wie am Gotthard. «Es geht nicht an, dass wir die Menschen systematisch solchen Gefahren aussetzen, sie mit Lärm beschallen und ihnen die Luft über die Grenzwerte hinaus verpesten», erklärte Egger. Das Verkehrsproblem von Aarwangen werde mit der neuen Umfahrungsstrasse gelöst.

Das Volk muss aufgrund eines VCS-Referendums über einen Projektierungskredit von 6,6 Millionen Franken abstimmen. Die Kosten für den Bau einer 3,6 Kilometer langen Umfahrungsstrasse, die streckenweise durch einem Tunnel verläuft, werden auf 136 Millionen Franken geschätzt - für die Gegner eine «Luxuslösung».

Gegner «in alten Ideologien stecken geblieben»

Gegen diesen Vorwurf wehrte sich die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin vehement. Die Kosten seien «auf das absolute Minimum reduziert» und in derselben Grössenordnung wie bei vergleichbaren Projekten. Egger drehte den Spiess gleich um: Wer in der Verkehrspolitik nur öV-Ausbauten unterstütze und gegen alle Strassenvorhaben opponiere, «muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er in alten Ideologien stecken geblieben ist. Und er handelt unsolidarisch.»

Inwiefern diese Kritik auch ihre eigene Partei, die SP, betrifft, wollte Egger auf Nachfrage der sda nicht kommentieren. «Als Mitglied des Regierungsrates analysiere ich die Parolenfassung von Parteien nicht.» Die kantonale SP hatte am Mittwochabend nach kontroverser Debatte die Nein-Parole beschlossen.

Lob für Wirtschaftsverbände

Vor den Medien unterstrich Egger am Freitag die Bedeutung einer gesamtheitlichen Verkehrspolitik, die «über einen breiten Instrumentenkasten» verfügen müsse, der Strasse und Schiene beinhalte. Egger verwies dabei auf den Ausführungskredit zum Tram Bern-Ostermundigen, über den der Grosse Rat in der Junisession entscheiden wird.

Was für die Region Bern das Tram bedeute, sei für die Region Oberaargau die Verkehrssanierung von Aarwangen. Sie sei «sehr froh», sagte Egger, dass etwa die Wirtschaftsverbände die Notwendigkeit einer gesamtheitlichen Verkehrspolitik erkannt hätten und konsequent sowohl das Tram Bern-Ostermundigen wie auch das Projekt in Aarwangen unterstützten.

Strassen sind «nichts Schönes»

Mit dem Nein-Komitee stimme sie zwar darin überein, dass eine Strasse «nichts Schönes» sei, erst recht nicht eine Strasse, die wie die Umfahrung von Aarwangen durch eine erhaltenswerte Landschaft führe. Egger warnte aber vor «stereotypen» Bildern: «Strassen werden heute nicht mehr achtlos in die Landschaft gebaut», wie das noch in den 1970er-Jahren der Fall gewesen sei.

Ein gutes Beispiel für eine moderne Strasse, die sich gut in die Landschaft einfüge und Rücksicht auf Natur und Tierwelt nehme, sei die Transjurane, deren letztes Teilstück Egger am Montag eröffnen wird. Sie garantiere dafür, dass die Umfahrung von Aarwangen «genauso umweltverträglich gebaut werden kann». (sbe/sda)

Erstellt: 31.03.2017, 13:26 Uhr

Volksabstimmung 21. Mai - Umfahrung mit Tunnel und Brücke

Der Projektierungskredit, über den das Volk abstimmt, soll die Weichen für eine Umfahrung von Aarwangen stellen, die 136 Millionen Franken kosten würde.

Das Städtchen Aarwangen (4500 Einwohner) bei Langenthal im Oberaargau leidet unter dem Durchgangsverkehr. Seine Brücke ist ein, auch von vielen Lastwagenfahrern genutzter, Aareübergang auf dem Weg von und zur Autobahn A 1. Regierungsrat und Grosser Rat wollen die Verkehrssituation verbessern. Kernstück der Sanierungslösung ist eine neue Umfahrungsstrasse.

Die neue Strasse würde westlich von Langenthal bei Bützberg beginnen, den Spichigwald in einem Tunnel unterqueren, die Aare auf einer neuen Brücke überqueren und schliesslich auf der anderen Aareseite – nach einer Bahnunterführung – in die bestehende Kantonsstrasse münden, die zum Autobahnanschluss Niederbipp führt. (siehe Karte)

Am 21. Mai stimmt das Volk im Kanton Bern nicht über die Umfahrungsstrasse an sich, sondern über den Projektierungskredit von 6,6 Millionen Franken ab. Der VCS und die Grünen hatten dagegen das Referendum ergriffen, um dem Volk zu einem frühen Zeitpunkt einen Grundsatzentscheid zu ermöglichen. Die Umfahrung, die sie als «Luxusstrasse im Oberaargau» bezeichnen, lehnen sie als zu teuer, zu umweltschädlich und nicht zweckmässig ab.

Für die Befürworter ist die Umfahrung dagegen die einzig praktikable Lösung, um Aarwangen zu entlasten und dem Industriezentrum Langenthal einen besseren Autobahnanschluss zu bieten. Die Verkehrssanierung mit Umfahrung wird laut Schätzungen des Kantons 136 Millionen Franken kosten (Genauigkeit: plus/minus 20 Prozent). Weil dies zu teuer für das ordentliche Strassenbudget wäre, soll ein Teil aus dem Restbetrag eines kantonalen Investitionsspitzenfonds finanziert werden, der aufgelöst wird.

Der Kanton erwartet zudem einen Beitrag des Bundes. Dies unter dem Titel flankierende Massnahmen zum bereits beschlossenen Ausbau der Autobahn A 1 auf sechs Spuren. Dafür hat der Bund 60 Millionen reserviert, die aber für diverse Massnahmen in den Kantonen Bern und Solothurn reichen müssen. Neben der Umfahrungsstrasse sind begleitende Verkehrsberuhigungen in Aarwangen und der Region geplant.

Ursprünglich hatte der Kanton auch eine andere Sanierungsvariante geplant, die auf Verflüssigung und Verkehrslenkung auf dem bestehenden Strassennetz setzt, ähnlich wie bei der Seftigenstrasse in Wabern. Diese Variante «Null plus» würde 44 Millionen kosten. (st)

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