Diese 76 Berner Poststellen sollen verschwinden

Bis 2020 will die Post fast die Hälfte aller Poststellen im Kanton Bern in Agenturen umwandeln.

Interaktive Karte: Von den insgesamt 168 Filialen will die Post 76 «überprüfen» (rot). Grau markiert sind die bereits bestehenden Postagenturen und Aufgabestellen. (Grafik: Christian Zellweger)


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Im Schweizer Postnetz bliebt kein Stein auf dem anderen. Die Post will ihr Netz bis in drei Jahren massiv verkleinern. Heute hat der gelbe Riese seine Pläne für den Kanton Bern vorgestellt. 168 bernische Poststellen gibt es heute. 76 davon sollen verschwinden und grösstenteils durch Postagenturen ersetzt werden, die in Dorf- und Quartierläden untergebracht werden. Die restlichen 92 Poststellen sind laut der Post bis Ende 2020 «garantiert».

Als Grund für den Schritt gibt die Post an, dass immer weniger Kunden die Poststellen besuchten und dort immer weniger Dienstleistungen beziehen würden. Mit der Schliessung der 76 Poststellen fallen im Kanton Bern 140 Vollzeitstellen weg. Man versuche, die betroffenen Mitarbeiter intern zu vermitteln, sagte Thomas Baur, Leiter Poststellen und Verkauf vor den Medien in Bern.

Matte-Post schliesst, Kramgass-Post bleibt

In der Stadt Bern sollen gemäss der Liste die Poststelle in der Matte, beim Weltpostverein, am Viktoriaplatz, in Holligen und im Kirchenfeld geschlossen und durch Quartier-Agenturen ersetzt werden. Die Post in der Kramgasse, um deren Existenz die Anwohner gefürchtet haben, soll hingegen weiter betrieben werden. Auch die Poststellen Länggasse, Breitenrain, Mattenhof, Freundenbergerplatz, Bümpliz und Bethlehem bleiben offen.

In der Region Bern stehen die Poststellen in Herrenschwanden, Uettligen, Bremgarten, Bolligen, Stettlen, Boll, Muri, Rüfenacht, Rubigen, Kehrsatz, Niederscherli und Mühleberg auf der roten Liste und sollen bis 2020 durch Agentur-Lösungen ersetzt werden.

Kritik von Stadt Bern und Gewerkschaften

Bereits heute existieren im Kanton Bern 112 Postagenturen. In Gemeinden und Dörfern, wo keine Agentur-Lösung gefunden werden kann, soll ein Hausservice eingesetzt werden. Zudem will die Post die Zahl der Paketautomaten im Kanton Bern von heute 9 auf 24 erhöhen.

Die Berner Stadtregierung ist über die Pläne der Post wenig erfreut. Der Gemeinderat nehme die geplanten Schliessungen «mit Besorgnis» zur Kenntnis, heisst es in einer Mitteilung. Die bereits erfolgte Schliessung der Poststelle am Bärenplatz wird als «Fehlentscheid» bezeichnet. Der Gemeinderat fordert von der Post, «dass sie die spezifischen städtischen Bedürfnisse berücksichtigt und einen zeitgemässen Service Public gewährleistet».

Die Stadtregierung wünscht sich zudem griffigere Möglichkeiten, gegen Entscheide der Post vorzugehen. Die Stadt könne sich zwar an die eidgenössische Postkommission (Postcom) wenden. Allerdings sei diese nur in der Lage, Empfehlungen anzubringen, kaum aber Massnahmen durchzusetzen. «Darum ist der Gemeinderat der Ansicht, dass die Bundesbehörden die Position der PostCom stärken und sie mit griffigeren Instrumenten ausstatten sollten.»

Die Gewerkschaft Syndicom wirft der Post in einer Mitteilung «Schönfärberei» vor: «So stellt sie die Agenturen und Zugangspunkte einer Poststelle gleich, obwohl diese nur einen Teil der Dienstleistungen anbieten können.»

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.05.2017, 10:43 Uhr

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