BLS-Werkstätte könnte auch in Thun oder Konolfingen stehen

Die Begleitgruppe bringt neue Standorte für die geplante BLS-Werkstätte ins Spiel.

Die BLS hat die Suche nach Standorten für ihre Werkstätten erweitert.

Die BLS hat die Suche nach Standorten für ihre Werkstätten erweitert.

(Bild: Adrian Moser)

Dölf Barben@DoelfBarben

Armeeareal in Thun und grüne Wiese in Konolfingen: Das sind zwei weitere mögliche Standorte für eine Werkstätte der Bahngesellschaft BLS. In Thun fallen die Reaktionen negativ aus (siehe Link).

In Konolfingen sieht man eher Chancen. Riedbach, im Westen von Bern, ist ebenfalls noch im Gespräch. Insgesamt aber ist der Fokus nicht mehr ausschliesslich auf diesen Standort gerichtet. Ursprünglich wollte die BLS dort bauen. Die Pläne sorgten vor Jahresfrist für Aufregung.

Bernhard Antener war am Dienstag an der Medienkonferenz in Bern sichtlich froh darüber, «dass es nun nicht gleich an mehreren Orten brennt». Dies sagte er mit Blick auf die Riedbach-Geschichte vor einem Jahr, als die BLS die Neuigkeit wie eine Bombe hatte platzen lassen.

Der Gemeindepräsident (SP) von Langnau und ehemalige Grossratspräsident präsidiert die Begleitgruppe Werkstätte BLS. Ihm sei es wichtig gewesen, Grundeigentümer, Behörden und Anwohner zu informieren, bevor die Öffentlichkeit ins Bild gesetzt wird.

Der BLS war nach dem Riedbach-Fiasko letztes Jahr keine andere Wahl geblieben, als die Sache gemächlicher anzugehen. Sie lancierte die Begleitgruppe, die am Dienstag nun ein Zwischenergebnis präsentierte.

Die Gruppe ist sehr breit abgestützt mit Vertretern aus Bereichen wie Umwelt, Landwirtschaft und Politik. Insgesamt 42 Standorte seien genauer angeschaut worden, sagte Antener.

Nach mehreren Filtervorgängen sind fünf übrig geblieben: drei im Westen von Bern, Thun und Konolfingen. Diese sollen nun mittels eines feinen Rasters bewertet werden. Im Herbst wird die Begleitgruppe der BLS eine Empfehlung abgeben.

Die BLS äusserte sich am Dienstag nicht zum Zwischenergebnis. Man wolle die Gruppe frei arbeiten lassen, hiess es bei der Pressestelle.

Zweier- oder Dreierstrategie?

Der wichtigste Entscheid, der nun ansteht, betrifft eine strategische Frage: Soll die BLS künftig drei oder zwei Werkstätten betreiben? Heute arbeitet sie mit deren vier – in Bönigen, Spiez, Bern-Aebimatt (Nähe Hauptbahnhof) und Oberburg.

Die BLS hatte sich vor dem Riedbach-Fiasko für die Zweierstrategie entschieden mit Werkstätten in Spiez und Riedbach. Bönigen und Oberburg wären nach 2025 aufgebeben worden.

Die Begleitgruppe hat den «Fächer nun wieder geöffnet», wie Antener sagte. Auch eine Dreierstrategie wird in Betracht gezogen. Bei dieser ergäbe sich eine wichtige Konsequenz: Nebst Spiez wäre auch Bönigen wieder im Spiel. Dort, am Brienzersee, würden die umfangreichen «schweren» Instandhaltungsarbeiten ausgeführt. Bei diesen Revisionen bleiben die Fahrzeuge mehrere Wochen ausser Betrieb.

Der springende Punkt: Wäre die schwere Instandhaltung in Bönigen angesiedelt, würde sie am neuen Standort wegfallen. Es bliebe die «kleine» Instandhaltung. Bei dieser geht es um kleinere Reparaturen, Kontrollen und Reinigungen. Der Flächenbedarf für eine neue Werkstätte betrüge nicht mehr 20 Hektaren, sondern nur noch die Hälfte.

Würde dagegen die Zweierstrategie verfolgt, müsste die neue Werkstätte das volle Programm bieten. Laut Antener würde der Standort Thun für eine solche Werkstätte zu wenig Platz bieten. «Die Quadratur des Kreises ist nicht möglich», bilanzierte er. Überall, ausser in Thun, wäre Kulturland betroffen.

Positive Reaktionen in Bern

Für den Berner Gemeinderat Alexandre Schmidt (FDP) ist es begrüssenswert, dass die Standortfrage noch einmal analysiert und geprüft wird. «Die ganze Geländekammer in Riedbach soll aber unangetastet bleiben», sagte er.

Ein Kulturlandverlust im Umfang von 20 Hektaren sei ein No-go. Der nun initiierte Prozess könnte dazu führen, dass der Landbedarf im Westen von Bern vielleicht nur noch 10 Hektaren beträgt.

Dadurch würde ein Standort gegenüber des Coop-Logistikzentrums näher bei Bern möglich oder eine Alternative bei der Schiessanlage Riedbach. Zuversichtlich gab sich am Dienstag Bernardo Albisetti, Präsident der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem. Dass plötzlich wieder eine Dreierstrategie möglich sei, werte er positiv.

Die entscheidende Frage sei nun, ob für die BLS-Werkstätte Kulturland geopfert werden solle. Solange diese Frage verneint werde, konzentriere sich das Augenmerk auf Thun, sagte Albisetti. Ob eine BLS-Werkstätte eher nach Konolfingen oder in den Westen Berns passen würde, müsse man also vorläufig gar nicht diskutieren.

Der Bund

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