«Die SP hat sicher kein Frauenproblem»

Die SP bekundet Mühe, Frauen für den Ständerat zu nominieren. In Bern stellen zwar die Bürgerlichen Frauen auf, die SP aber hält an Hans Stöckli fest.

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Noah Fend@noahfend

Mirjam Veglio, die SP tritt erneut mit Hans Stöckli für den Ständerat an. Warum?
Er ist als amtierender Ständerat hervorragend vernetzt und macht einen sehr guten Job. Seine erneute Kandidatur ist für uns eine sehr gute Ausgangslage.

Er sitzt schon acht Jahre im Ständerat, zuvor war er Nationalrat. Wäre es für die SP nicht Zeit, neue Politiker aufzubauen?
Die Kandidatur von Hans Stöckli schliesst die Nachwuchsförderung nicht aus. Im Nationalrat haben wir viele fähige Junge, die motiviert sind, politische Ämter zu übernehmen. Ausserdem strahlt Hans Stöckli Energie, Lust und Motivation aus, sodass sein Alter keine Rolle spielt.

Es geht Stöckli auch darum, Ständeratsvize und 2020 Ratspräsident zu werden. Ist der SP ein hohes Amt mit Macht und Einfluss wichtiger als Nachwuchsförderung?
Nein, das stimmt so nicht. Die Frage nach dem Ratspräsidium stellte sich nach dem unerwarteten Rücktritt von Géraldine Savary neu. Das hat wenig mit dem Machtaspekt zu tun, sondern ist eine personelle Frage. Hans Stöckli wäre eine gute Besetzung.

Die SP positioniert sich als Frauenförderpartei. Müsste sie jetzt nicht eine Frau bringen?
Die SP ist die Frauenförderpartei schlechthin. Die Frage nach einer weiblichen Nachfolge stellt sich dann, wenn Hans Stöckli zurücktritt oder nicht mehr antritt. Wir lassen aber sicher nicht einen erfahrenen und hoch motivierten Ständerat dafür über die Klinge springen.

Der Frauenanteil im Ständerat sinkt seit 2011 stetig.
Der Frauenanteil im Ständerat ist miserabel, das stimmt. Aber da sind auch die anderen Parteien in der Pflicht. Es darf nicht einzig an der SP liegen, den Frauenanteil zu verbessern, und wir wollen sicher nicht an Hans Stöckli ein Exempel statuieren. Das fände ich nicht nur politisch, sondern auch menschlich falsch.

Kaum war Stöcklis Kandidatur bekannt, preschte Kathrin Bertschy vor. Stiehlt die GLP der SP die Gender-Show?
Nein, das glaube ich nicht. Ich will mich auch gar nicht auf eine Gender-Show einlassen. Solche Kandidaturen sind immer auch eine Frage der Personalplanung. Ich finde es gut, eine Auswahl zu haben, und unterstütze Kandidaturen wie jene von Frau Bertschy eher, als dass ich Angst hätte, sie würde der SP die Show stehlen.

Auch die FDP mit Christa Markwalder und die EVP mit Marianne Streiff nominieren Frauen für den Ständerat. Bürgerliche profilieren sich mit einem klassischen SP-Anliegen.
Ja, endlich. Bei der SP ist es inzwischen so selbstverständlich, dass man der Frauenfrage Rechnung trägt. Ich bin sehr froh, dass nun die Sensibilität für Frauenförderung auch in bürgerlichen Kreisen angekommen ist.

So selbstverständlich ist es nicht: Auch in anderen Kantonen bringen sich SP-Männer für den Ständerat in Position. Cédric Wermuth im Aargau, in Basel Beat Jans, in Luzern ist David Roth im Gespräch. Hat die SP ein Frauenproblem?
Nein, die SP hat sicher kein Frauenproblem. Momentan ist die Konstellation so, dass sich eher Männer um die Ämter bewerben. Frauenförderung darf nicht immer zulasten der Männer geschehen. Es müssen beide Geschlechter Platz haben. Um die Frauen mache ich mir aber keine Sorgen in der SP.

Herr Stöckli ist im linksgrünen Lager nicht unumstritten, insbesondere seit seinem Engagement für die Olympischen Winterspiele in der Schweiz. Findet er noch genügend Unterstützung von links?
Ich denke schon, ja. Natürlich hat ihm das Engagement bei der Olympiakandidatur von grüner Seite Kritik eingebracht. Hans Stöckli ist aber sehr breit abgestützt und bewirtschaftet viele andere Themen. Ich glaube nicht, dass er wegen dieses Engagements viele Stimmen verliert.

Wenn die Grünen Regula Rytz aufstellen, könnte es eng werden für Stöckli.
Wie sich eine Kandidatur von Regula Rytz auf die Wahlchancen von Hans Stöckli auswirken könnte, ist Kaffeesatzlesen. Ich wähne mich aber eher auf der sicheren Seite. Auch, wenn Regula Rytz eine ernstzunehmende Konkurrentin wäre. Es ist auf linksgrüner Seite Tradition, ein Zweierticket zu präsentieren mit je einer Kandidatur von SP und Grünen. Wie ein solches Ticket aussehen könnte, müssen wir hier noch im Detail besprechen. Dass der Schuss aber nach hinten losgehen könnte, glaube ich nicht.

Der Bund

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