Die Sache hat einen Haken

Die «Bund»-Leserschaft beklagt die schwindende Bedeutung der französischen Sprache im Kanton. Vor allem im Alltag wird sie schmerzlich vermisst.

«Bund»-Leserinnen und -Leser begrüssen mehr Förderung der Zweisprachigekeit im Kanton.

«Bund»-Leserinnen und -Leser begrüssen mehr Förderung der Zweisprachigekeit im Kanton.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Noah Fend@noahfend

Die Absicht des Berner Regierungsrats, die Zweisprachigkeit im Kanton zu fördern, kommt bei den «Bund»-Leserinnen und -Lesern grundsätzlich gut an. Denn das Französisch ist in weiten Teilen des Kantons und vor allem in der Stadt Bern untervertreten und kaum wahrnehmbar. Französisch sei nach seiner Erfahrung in Bern in erster Linie in den Verwaltungen des Bundes und des Kantons präsent, meint etwa Peter Künzler. «Auf der Strasse höre ich es wenig.»

Auch Simon Zimmermann schreibt, Französisch sei im Alltag ausserhalb der Sessionen kaum mehr präsent. «In Bern höre ich Französisch ab und zu, aber tendenziell immer seltener», findet Rolf Helbling. Wenn dieser Trend anhalte, schreibt er weiter, sei Französisch in der Deutschschweiz bald gleichermassen wenig verbreitet wie Spanisch oder Portugiesisch. Jacqueline Gafner bringt auf den Punkt, was viele denken: «Bei der Zweisprachigkeit im Kanton Bern liegt viel Potenzial brach.»

«Gut gemeint»

Die Stossrichtung stimme, meint deshalb Gafner zum Bestreben des Regierungsrats, die Zweisprachigkeit im Kanton Bern zu fördern. Auch David Stampfli, geschäftsführender Parteisekretär der SP Kanton Bern findet, die Offensive für den «Bilinguisme» könne er «nur unterstützen». Rolf Helbling sieht aber in der ganzen Sache einen Haken: Die Massnahmen seien zwar «gut gemeint und sicher nicht falsch», nur nützen sie laut ihm nichts, wenn die Kinder kein Französisch mehr lernen wollten.

Die meisten Kinder fänden Französisch «hochgradig überflüssig» und würden Englisch vorziehen. «Aktuell sehen 12- bis 14-Jährige schlicht keinen Nutzen in der französischen Sprache», meint Helbling. Deshalb brauche es in erster Linie Aufklärungsarbeit, etwa um die grossen Vorteile guter Französischkenntnisse im Arbeitsleben aufzuzeigen und so die Motivation bei den Kindern zu steigern. Peter Künzler warnt zudem von übermässigen Anforderungen im Sprachenunterricht. Das liesse die Freude an einer Sprache verwelken.

Zweisprachigkeit als Stärke

Die meisten Leserinnen und Leser sind mit konkreten Massnahmen einverstanden. Auch wenn diese in sehr unterschiedliche Richtungen zielen. Auf breite Unterstützung stösst etwa ein Obligatorium für einen Schüleraustausch für Berner Klassen in der französischsprachigen Schweiz. Ebenso erntet auch die Idee von zweisprachigem Unterricht auf allen Schulstufen viel Zuspruch. «Bern muss als Brückenkanton die Zweisprachigkeit dringend fördern, zum Beispiel mit Schüleraustausch oder bilingualen Gymnasien», schreibt Andreas Gasser. Gar noch weiter in den Vorstellungen über konkrete Massnahmen geht Leser Hugo Studer. Er wünscht sich eine noch viel selbstverständlichere Durchmischung der beiden Sprachen, nicht nur durch zweisprachigen Unterricht, sondern auch durch zweisprachige Medien.

Grundlegende Einwände zur konkreten Förderung des Französisch im Kanton Bern gibt es unter den diskutierenden «Bund»-Leserinnen und -Lesern kaum. Franz Hofer aber findet, es sei etwas zu viel verlangt, dass alle in der Schweiz nebst der Muttersprache noch zwei landeseigene Fremdsprachen und Englisch als internationale Sprache lernen müssen. Deshalb schlägt er vor: «Lernen wir doch überall als erste Fremdsprache Englisch.» Er sei überzeugt, dass dann die Kommunikation unter «uns Schweizern» verbessert würde. Ausserdem sei man dann auch international besser gerüstet. Für diesen Vorschlag gibt es Kritik von anderen Lesern. Die Mehrheit will «Zweisprachigkeit zu unserer Stärke machen», wie es David Stampfli zusammenfasst.

Der Kanton Bern soll seine Zweisprachigkeit besser nutzen. Das fordert eine von der Berner Kantonsregierung eingesetzte Expertenkommission. Um national als Vorbild zu gelten, sollen 46 Empfehlungen – unter anderem die gesetzliche Verankerung der Zweisprachigkeit – umgesetzt werden. Wo kommen Sie im Alltag in Bern mit Französisch in Kontakt? Welchen Wert hat die Zweisprachigkeit? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch».

Der Bund

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