Die Ruag sollte als Vorbild dienen

Die Teilprivatisierung des Rüstungsunternehmens macht Sinn. Das «Modell Ruag» sollte auch bei anderen staatlich geführten Unternehmen Schule machen.

Zwei Angestellte des Rüstungsunternehmens Ruag in der Panzerwerkstadt in Thun.

Zwei Angestellte des Rüstungsunternehmens Ruag in der Panzerwerkstadt in Thun.

(Bild: Markus Grunder)

Mischa Stünzi

Der staatliche Rüstungskonzern Ruag hat sich seit der Gründung 1998 immer stärker vom grössten Kunden, dem VBS, emanzipiert. Staatliche Aufträge machen heute weniger als ein Drittel des Umsatzes aus. Stattdessen ist das Unternehmen in internationale und zivile Märkte wie die Luftfahrt vorgedrungen. Dass der Bundesrat nun diese Sparten – zusammengefasst unter dem Namen Ruag International – privatisieren will, ist vernünftig. Um sich in diesen Märkten gegen globale Konkurrenten zu behaupten, braucht es ein agiles Privatunternehmen, keinen schwerfälligen Staatskonzern. Ein weiterer, ganz zentraler Vorteil der Teilprivatisierung: Die in Staatsbesitz verbleibenden Sparten mit dem Namen MRO Schweiz werden punkto digitale Sicherheit besser aufgestellt und unter den Schutzschirm des VBS genommen. Der Hackerangriff von 2016 hat schmerzlich gezeigt, dass in dem Bereich Handlungsbedarf besteht.

Aus bernischer Sicht ist die Teilprivatisierung der Ruag aber nicht nur erfreulich. Der Staatskonzern gehört im Kanton zu den grössten Arbeitgebern. Dass ein privater Eigner all diese Arbeitsplätze im Kanton Bern belässt, scheint unwahrscheinlich. Gleichzeitig kann erwartet werden, dass eine am Markt erfolgreiche Ruag International im Kanton auch neue, hoch qualifizierte Stellen schafft. Denn die dafür nötigen Fachkräfte sind hier zweifelsohne vorhanden.

Die Teilprivatisierung der Ruag sollte zum Vorbild werden. In Bern gibt es eine Handvoll staatliche Unternehmen, die sich ähnlich wie die Ruag weit von ihrem Kerngeschäft entfernt haben. Und bei denen sich die Frage nach einer Teilprivatisierung stellt. Zum Beispiel bei der BKW. Sie hat in den letzten Jahren Dutzende Ingenieurbüros und Haustechnikfirmen akquiriert und damit die Kritik des Gewerbeverbands Berner KMU auf sich gezogen, der zu Recht von unfairem Wettbewerb spricht. Dass Netze und Kraftwerke in Staatsbesitz bleiben, ist politisch nicht umstritten. Gleichzeitig spricht wenig gegen eine Abspaltung der Ingenieur- und der Haustechniksparte. Frei nach dem am Montag präsentierten «Modell Ruag».

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