«Die Privaten sind flexibler»

Was sind die Vorteile privater Spitex-Unternehmen? Stefan Felder, Professor für Gesundheitsökonomie, gibt Auskunft.

Eine Mitarbeiterin der Spitex gibt einem älteren Herrn seine Medikamente.

Eine Mitarbeiterin der Spitex gibt einem älteren Herrn seine Medikamente.

(Bild: Keystone Gaetan Bally)

Herr Felder, im Kanton Bern nimmt die Anzahl privater Spitex-Unternehmen zu. Welches sind ihre Vorteile?
Die Privaten sind oft viel kleiner als die Gemeinnützigen und dadurch flexibler. Sie können besser auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Oft betreut eine Angestellte stets die gleiche Person. Diese Kontinuität wird bei den Kunden geschätzt. Bei den Haushaltsleistungen sind die Privaten klar stärker.

Könnte der Kanton Bern, wie das die Gemeinde Aarburg gemacht hat, die gesamten Leistungen inklusive Versorgungspflicht einfach öffentlich ausschreiben?
Ja, das könnte er. In grossen Städten wie Bern und Biel müsste er eventuell sogar die Versorgung von Quartieren ausschreiben, um sicher zu gehen, dass nicht nur die öffentliche Spitex ein Angebot einreichen kann.

Die GEF plant die Versorgungspflicht künftig nicht mehr pro Kopf abzurechnen. Ist das sinnvoll?
Dass heute pauschal abgerechnet wird, finde ich absurd. Je grösser die Bevölkerungszahl im Einzugsgebiet ist, desto günstiger kann diese Leistung angeboten werden. Die aktuelle Zahl 14.90 Franken pro Einwohner für die Versorgungspflicht bedeutet auf den ganzen Kanton hochgerechnet 15 Millionen. Das ist grösstenteils als Subventionierung der öffentlichen Spitex zu interpretieren und zu problematisieren.

SP und gemeinnützige Spitex-Organisationen kritisieren die «Rosinenpickerei» der Privaten. Diese nähmen nur rentable Kunden an. Ist diese Kritik berechtigt?
Das Argument finde ich krumm. Denn für die Versorgungspflicht erhalten die Gemeinnützigen eine Entschädigung, deren Preis sie ausgehandelt haben. Zudem gibt es auch umgekehrt Fälle, wo die gemeinnützige Spitex Leistungen ablehnt, etwa bei der Haushalthilfe.

Die meisten der 52 gemeinnützigen Spitex-Anbieter sind als Vereine organisiert. Ist das noch zeitgemäss?
In Bern ist heute die Situation – im Gegensatz zu anderen Kantonen – gut geregelt. Die Privaten haben Zugang zum Markt. Die Gemeinnützigen müssen nun reagieren und sich anpassen.

Wie soll der Kanton künftig die gemeinnützigen Spitex-Organisationen kontrollieren?
Es ist wenig sinnvoll, wenn der Kanton in den Vereinen oder Genossenschaften Einsitz nimmt. Kontrollieren kann er über die Aufsicht der Leistungen.

Die Kosten der ambulanten Pflege werden in Zukunft stark zunehmen. Wer soll das bezahlen?
Heute übernehmen der Kanton oder die Gemeinden bis zur Hälfte dieser Kosten, für viele Gemeinden ist das schon heute eine grosse Last. Es braucht es eine obligatorische Pflegeversicherung wie in Deutschland.

Der Bund

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