«Die Namen der Figuren suche ich im Telefonbuch»

Der Berner Alt-CVP-Nationalrat Norbert Hochreutener schreibt Krimi um Krimi – mit vielen Bezügen zum Polit- und Wirtschaftsmilieu.

Insiderwissen aus Wirtschaft und Politik: Norbert Hochreutener.

Insiderwissen aus Wirtschaft und Politik: Norbert Hochreutener.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Markus Dütschler

Mord und Totschlag sind in Bundesbern ein alltägliches Phänomen. Diesen Eindruck hat, wer die Dubach-Krimis liest, die Norbert Hochreutener und Heinz Ramstein verfassen. Nun ist der sechste auf dem Markt (siehe Sideline). Ein so gefährliches Pflaster ist Bern nicht, aber es ist reizvoll, Krimis in der vertrauten Umgebung anzusiedeln.

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Der 70-jährige Ex-Nationalrat erklärt in einem Berner Café, wie er auf das aktuelle Thema «Dubach im Finanzsumpf» kam. Ihm sei aus dem Dunstkreis um den Zürcher Paradeplatz ein Banker vermittelt worden, der von der Aufsichtsbehörde Finma wegen Manipulationen bestraft wurde. «Er hat nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet», sagt Hochreutener zum realen Fall, sondern die Unkorrektheiten auf Veranlassung seiner Vorgesetzten begangen, doch gehangen habe am Schluss nur «der Kleine», in dem ihm ein Berufsverbot aufgebrummt wurde. Unterschrieben hat die Verfügung im Roman ein gewisser Meierhans, der an einer Promi-Party in einem noblen Berner Vorort tot im Swimming-Pool aufgefunden wird.

Meierhans? Da denkt man an den Preisüberwacher. Tatsächlich habe sich dieser erkundigt, weshalb die Romanfigur so heisse. «Ich suche die Namen der Figuren im Telefonbuch», sagt Hochreutener. Er ändere die Vornamen und achte darauf, dass kein echter Namensträger einen ähnlichen Beruf wie die Romanfigur ausübe. So ging der gebürtige Solothurner auch vor, als er einen Namen für den Helden suchte: Marc Dubach. Dieser war in früheren Buchfolgen häufiger Gast auf Cüpli-Veranstaltungen. Wenn man Hochreutener darauf anspricht, dass die Figur an Ex-«Berner Bär»-Chefredaktor Matthias Mast erinnert, lächelt er vielsagend.

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Die Romanfigur Dubach mit einem soliden Sinn für heisse Geschichten, gutes Essen, gute Weine und hübsche Frauen, ist inzwischen Verleger und Nationalrat. Im Buch spielt eine Medienholding namens «Limmat-Aare-Verlag» eine Rolle. Es braucht wenig Fantasie, die Espace Media und den Mutterkonzern Tamedia als Vorbild zu erkennen, also die «Bund»-Verlegerin. Hochreutener streift im Roman die Frage, wie unabhängig Medien sind.

So berichtet der Plot von Druckversuchen einer Bank auf die Zeitung. Das ist – es sei fürs Protokoll festgehalten – natürlich reine Fantasie. Real sind lediglich die Orte. «Der Schauplatz muss Bern sein, weil ich mich nur hier gut auskenne», sagt Hochreutener, der als Ex-Nationalrat auch mit der politischen Quantenmechanik vertraut ist. Manchmal werden die fiktiven Plots wahr. So drehte sich ein früherer Fall um ein Bahnprojekt im Jungfraugebiet, bei dem raffinierte chinesische Investoren mitmischten.

Heute ist mit der V-Bahn im Jungfraugebiet ein umstrittenes Bahnprojekt in aller Munde – wenn auch ohne chinesische Investoren. «Von diesem Projekt wusste ich nichts, als ich jenen Roman schrieb», sagt Hochreutener. Er ist es, der auf etwa 100 Seiten den Plot samt dem darin agierenden Personal skizziert. Ramstein als Chefredaktor des früheren «Berner Tagblatts» verfasst auf der Basis des Drehbuchs auf etwa 200 Seiten die Geschichte. «Er schreibt lebendiger als ich», sagt Hochreutener.

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Zu Zeiten, als er im Nationalrat den prekären bernischen CVP-Sitz hielt, war Hochreutener auch Kommunikationschef des Schweizerischen Versicherungsverbands – «ein Lobbyist», wie er unumwunden zugibt. Damals war der Politiker und vormalige Fernsehmann oft an Cüpli-Veranstaltungen anzutreffen. Fehlt es einem, wenn man nicht mehr zum «Kuchen» gehört? Hochreutener verfolgt noch immer, was sich unter der Bundeshauskuppel tut, vor allem, wenn es um Renten- und Familienthemen geht.

Aber die Lobby-Veranstaltungen vermisse er nicht. Er und seine Frau seien begeisterte Grosseltern. «Jeden Montag fahren wir nach Zürich, um die Enkelin zu hüten», sagt der Ex-Politiker. «Jedes Mal stellen wir fest, dass das anderthalbjährige Kind wieder Neues gelernt hat.» Das sei faszinierend, und im Grunde seien diese Dinge im Leben am wichtigsten.

Der Bund

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