Die Karrierepause ist vorbei

Bernhard Pulver genoss als Politiker stets einen ausgezeichneten Ruf. Nun wird er als die ideale Besetzung für das Präsidium des Insel-Verwaltungsrats gehandelt.

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Den ganzen Sommer ist er abgetaucht. Er war auf einer längeren Reise, unter anderem in den USA. Nun meldet sich Bernhard Pulver mit einem Paukenschlag zurück. Und bereits jetzt heisst es bei allen angefragten Gesundheitspolitikern, er sei die ideale Besetzung für das Präsidium des Insel-Verwaltungsrats. Selbst bei der SVP. «Der Mann, auf den sich alle einigen können», titelte der «Bund» letztes Jahr nach Pulvers Rücktrittsankündigung. Seine kurze Auszeit hat daran offenbar nicht viel geändert.

Bernhard Pulver ist rhetorisch nicht unbegabt. Vor allem aber ist er guter Zuhörer. Diese «Soft Skills», sein Gespür für das Gegenüber, sind schon fast legendär. Als Berner Regierungsrat gelang es ihm so, Gegner an den Tisch zu bringen und sie mit Argumenten zu überzeugen. Dass es ihm dabei immer um Lösungen ging und nicht darum, recht zu behalten, verschaffte ihm auch bei seinen Gegnern Respekt. Seitdem geniesst Pulver als undogmatischer und kompromissbereiter Magistrat einen ausgezeichneten Ruf.

Dann trat Pulver im Frühling nach 12 Jahren als Erziehungsdirektor zurück. Man solle aufhören, bevor man ausgelaugt sei, begründete Pulver den Rücktritt. «Für neue, frische Ideen braucht ein Mensch einmal eine Pause.» Er sei nicht wegen der neuen bürgerlichen Mehrheit aus dem Regierungsrat zurückgetreten, sagte er damals.

Der Lehrer-Beruhiger

In den Berner Regierungsrat wurde Pulver 2006 gewählt. Zusammen mit Barbara Egger, Andreas Rickenbacher und dem Bernjurassier Philippe Perrenoud (alle SP) schaffte er so die links-grüne Wende in der Berner Regierung. Sie sollte 10 Jahre halten.

Von seinem Vorgänger Mario Annoni (FDP) übernahm Pulver die Erziehungsdirektion. Annonis Direktion genoss auch wegen zahlreicher Reformen bei den Lehrern einen schlechten Ruf, man sprach von «Reformitis». Nun kam Pulver und hörte zu. Als Erziehungsdirektor veranstaltete er bisweilen Hearings, an denen er seine Geschäfte präsentierte und sie aufforderte, ihre Meinung zu sagen. Das kam bei den meisten Lehrern gut an. Machte er Fehler oder irrte er sich, war er auch mal bereit, den eingeschlagenen Kurs zu korrigieren.

Pulver galt auch sonst als der Mann für die schwierigen Dossiers. Nicht immer war er dabei erfolgreich. Eine wichtige Rolle im Regierungsrat spielte er auch als Mitglied der Jura-Delegation, die sich um eine endgültige Lösung im Streit um den Berner Jura bemühte. Dass Moutier dennoch über den Austritt aus dem Kanton Bern abstimmte, nannte Pulver einmal seine grösste Niederlage als Regierungsrat.

Grosse Strahlkraft

Politisiert wurde der in Bern geborene Pulver in der Anti-AKW- und der Friedensbewegung. Er gehörte als 18-Jähriger zu den Gründungsmitgliedern der Grünen Partei Schweiz. Nach der Wirtschaftsmatur in Bern war er von 1987 bis 1995 Generalsekretär der Grünen Partei Schweiz. Von 1999 bis 2006 war er Mitglied im Grossen Rat, damals noch für die Grüne Freie Liste. Bekannt wurde er auch als Präsident der Untersuchungskommission rund um die Bernische Lehrerversicherungskasse.

Im Regierungsrat wurde Pulver alle vier Jahre mit einem Spitzenresultat wiedergewählt. 2010 und 2014 erzielte er das beste Resultat der vier rot-grünen Kandidierenden. 2014 lag sein Vorsprung zur SP-Konkurrenz bei über 10000 Stimmen. Die Grünen möchten ihn bei den kommenden Ständeratswahlen nominieren. Noch hat sich Pulver dazu nicht entschieden. Das werde sich in den nächsten Wochen klären, sagte er auf Anfrage. (Der Bund)

Erstellt: 08.11.2018, 20:33 Uhr

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