«Die Grünen sind nicht
 populistisch, sondern aktiv»

Für Natalie Imboden ist das neue Co-Präsidium bei den Grünen eine Möglichkeit, «unterschiedliche Sensibilitäten» in der Partei abzudecken.

Bilden neu das Co-Präsidium der Grünen des Kanton Bern: Jan Remund und Natalie Imboden.

Bilden neu das Co-Präsidium der Grünen des Kanton Bern: Jan Remund und Natalie Imboden.

(Bild: zvg/Manu Friederich)

Marcello Odermatt@cellmob

Frau Imboden, Sie kündigten nach dem Rücktritt von Blaise Kropf Ihren eigenen Rücktritt als Präsidentin des GB-Präsidiums in der Stadt Bern an. Wie erwartet, um Präsidentin der Grünen Kanton Bern zu werden, was Sie, im Co-Präsidium, seit gestern sind. Spielt die Parteidemokratie noch eine Rolle? Herr Kropf musste nach acht Jahren als Präsident wegen Amtszeitbeschränkung zurücktreten. Auch ich musste deswegen zurücktreten. Meinen Rücktritt habe ich parteiintern bereits im Januar 2013 an­gekündigt. Eine Findungskommission hat im Auftrag des Vorstands verschiedene Kandidaten für das Präsidium geprüft und den Vorschlag gemacht. In diesem Rahmen habe ich mein Interesse ­signalisiert.

Es wirkt alles sehr eingefädelt? Nein, das ist es nicht. Die Findungskommission hat mit verschiedenen Interessierten Gespräche geführt und entschieden hat die Basis.

Sie werden im Co-Präsidium mit Jan Remund die Grünen leiten. Warum? Das Co-Präsidium hat Tradition. Herr Kropf war zuerst Co-Präsident mit Barbara Schwickert, der heutigen Gemeinderätin Biels. Auch auf nationaler Ebene haben die Grünen ein Co-Präsidium. Dieses hat verschiedene Vorteile. Unterschiedliche Sensibilitäten in einer Partei können besser abgedeckt werden. Bei den Grünen werden Verantwortung und Arbeitsbereiche aufgeteilt. Jobsharing fordern wir ja auch von der Wirtschaft.

Welche unterschiedlichen ­Sensibilitäten meinen Sie? Herr Remund deckt mehr die energiepolitischen Themen ab, ich mehr die ­sozialpolitischen.

Sie gelten auch als sehr links und provokativ, Remund decke den gemässigten Flügel ab. Ist es so? Von dieser Unterteilung halte ich nicht viel. Klar ist: Bei den zentralen Themen der Grünen wie Kulturlandinitiative, Stopp-Fracking-Initiative, Kampf gegen Kürzung der Krankenkassenprämienverbilligungen haben wir keine Differenzen. Wenn engagierte Politik provokativ sein soll, dann nehme ich das zur Kenntnis. Mein Ziel ist es, sozialpolitische Themen und Ökologie zu verbinden.

Die Grünen setzen wie die SVP auf viele Volksinitiativen: Fracking, Kulturland, Krankenkassen-Prämien. Sind die Grünen populistisch? Nein, aktiv. Die Stopp-Fracking-Initiative und die Kulturlandinitiative haben wir ja bereits eingereicht. Die werden demnächst behandelt. Das Thema Krankenkassenprämien haben nicht wir lanciert, sondern letztlich die Bürgerlichen mit ihrem überrissenen Sparpaket.

Aber es kommt ihnen im Wahljahr gelegen, sich mit dem Thema Krankenkassenprämien als Mittelstandspartei zu profilieren? Mir wäre es 1000-mal lieber gewesen, es wäre nicht derart gespart worden. Die Bürgerlichen haben das anders gesehen. Nun wehren wir uns dagegen. Wir haben bereits vor dem Sparpaket darauf hingewiesen, dass der Kanton Bern im Vergleich zu anderen Kantonen tiefe Krankenkassenverbilligungen gewährt.

Die Fracking-Initiative könnten Sie nun aber zurückziehen, weder die Regierung noch der Grosse Rat wollen diese Methode unterstützen. Sie ist notwendig, damit das Verbot rechtlich verankert wird. Wenn der Grosse Rat, von dem ich ausgehe, das Fracking-Verbot auf Gesetzesstufe verankert und am Schluss gutheisst, können wir allenfalls über einen Rückzug diskutieren. Solange das nicht der Fall ist, sehen wir keinen Grund, die Initiative zurückzuziehen.

Im Herbst finden die Nationalratswahlen statt. Der Kanton Bern hat statt 26 nur noch Anspruch auf 25 Sitze. Ein Sitz der Grünen wackelt. Das sehe ich nicht so. Ja, der Kanton hat einen Sitz weniger. Aber es gibt ja noch andere Parteien, die zittern werden müssen. Wir werden unsere drei Sitze halten können. Wir haben eine motivierte Liste. Ich bin sehr optimistisch.

Wo sehen Sie die Herausforderungen in der Kantonspolitik? Wir müssen das Sparpaket von 2013 ­korrigieren. Wenn wir sehen, dass der Kanton nun über 200 Millionen Franken mehr eingenommen hat als budgetiert, ist dieses gute Resultat angesichts des grössten Sparpakets seit Menschengedenken bitter. Es braucht eine solide ­Finanzpolitik. Aber auf Vorrat sparen, ist unerträglich. Die zweite Herausforderung besteht darin, unsere natürlichen Ressourcen zu schonen und dem Kulturland Sorge zu tragen. Das ist für unseren Kanton mit seiner einmaligen Landschaft von grosser Bedeutung.

Der Bund

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