«Die Energiewende hängt nicht von der Grimselstaumauer ab»

Hans Anderegg, Präsident des Grimselvereins, ist «konsterniert» über den Grimsel-Entscheid des Bundesgerichtes. Er sei «rein politisch».

Die Grimselstaumauer kann nach Ansicht des Bundesgerichts erhöht werden. Für Hans Anderegg, Präsident des Grimselvereins, «an den Haaren herbeigezogen».

Die Grimselstaumauer kann nach Ansicht des Bundesgerichts erhöht werden. Für Hans Anderegg, Präsident des Grimselvereins, «an den Haaren herbeigezogen».

(Bild: zvg)

Gianna Blum

Herr Anderegg, anders als das bernische Verwaltungsgericht sieht das Bundesgericht keinen Konflikt mit dem Moorschutz, wenn die Grimselstaumauer erhöht wird. Was halten Sie vom Entscheid?
Ich bin völlig konsterniert, der Entscheid ist hanebüchen, an den Haaren herbeigezogen. Das war ganz klar ein politischer Entscheid. Für das Bundesgericht ist das ein völliger Paradigmenwechsel.

Inwiefern ein politischer Entscheid?
Der einzige Bundesrichter, der gegen das Ja stimmte, hat es ganz richtig gesagt: Es war ein Entscheid für die Energiewende. Für mich ist das jenseitig.

Aber muss man denn nicht Kompromisse eingehen, damit die Energiewende gelingt?
Natürlich muss man Kompromisse eingehen. Aber punkto Wasserkraft ist alles ausgepresst. 95 Prozent ist genutzt, muss man wirklich noch das Letzte herausholen? Die Energiewende hängt doch nicht davon ab, dass man den Grimselsee erhöht. Sie hängt auch nicht davon ab, dass man alles aus der Wasserkraft holt, was möglich wäre. Sonnenenergie hat ein viel grösseres Potenzial.

Beim Grimselverein war man im Vorfeld überzeugt, dass das Bundesgericht dem Verwaltungsgericht folgen würde. Warum eigentlich?
Das Verwaltungsgericht hatte sich klar und deutlich gegen eine Erhöhung ausgesprochen – die bisherige Rechtsprechung des Bundesgerichts wurde ja einbezogen. Und: Moorschutz ist integral, eine Interessenabwägung darf nur in den Randzonen geschehen.

Für vier der fünf Bundesrichter liegt das Moor, das bei einer etwaigen Erhöhung der Mauer geflutet werden soll, aber in einer Randzone der Moorlandschaft.
Das stimmt einfach nicht. Früher war das einmal eine Randzone ja – aber das war bevor überhaupt ein Stausee angelegt worden ist. Heute fängt die Moorlandschaft genau dort an, da werden 27 Meter einer Moorlandschaft einfach beschnitten.

Ob die Mauer tatsächlich dereinst erhöht wird, ist offen. Erst geht das Geschäft noch zurück ans Verwaltungsgericht. Beruhigt Sie das?
Im Gegenteil. Der Moorschutz war bislang der stärkste Schutz der Schweiz. Die Sicherheit, dass dieser Schutz berücksichtigt wird, ist jetzt weg. Wenn weiterhin solche Urteile kommen, haben wir ja keine Chance.

Allerdings haben die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) zurzeit andere Projekte am Laufen und signalisiert, dass die Erhöhung der Staumauer aus wirtschaftlichen Gründen vorerst kein Thema ist.
Daran glaube ich nicht. Diese Meinung kann sich wieder ändern.

DerBund.ch/Newsnet

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