Die BLS wird ernst genommen

Ob die SBB einige Fernverkehrslinien abgeben müssen, wird erst nächsten Sommer publik. Das ist ein gutes Zeichen für die Konkurrentin BLS.

Heute sind die Rollen noch klar verteilt – künftig will die BLS auch Fernverkehrslinien betreiben.

Heute sind die Rollen noch klar verteilt – künftig will die BLS auch Fernverkehrslinien betreiben. Bild: Franziska Rothenbühler

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Die Erwartungen waren gross, als das Bundesamt für Verkehr auf eine Medienkonferenz anberaumte. Das Thema war brisant: Um die Erneuerung der Fernverkehrskonzession sollte es gehen – um die Frage also, wer die mittelgrossen und grossen Städte der Schweiz auf den schnellen Bahnlinien miteinander verbindet. Seit mehr als zehn Jahren tut das in der Schweiz nur noch ein Unternehmen: die SBB. Und sie wollen, dass das auch so bleibt. Doch der Staatskonzern erhielt jüngst Konkurrenz. Die BLS, die zu 56 Prozent dem Kanton Bern gehört, will der SBB einige dieser Fernverkehrslinien abjagen. Ob ihr das gelingt – darüber entscheidet das Bundesamt für Verkehr (BAV).

Allerdings noch nicht jetzt. An der gestrigen Medienkonferenz sagte BAV-Direktor Peter Füglistaler lediglich, dass der Entscheid auf Mitte 2018 vertagt werde. Bis dahin seien «Rückfragen und vertiefte Abklärungen bei beiden Gesuchsstellern nötig.» Trotz dieses Nicht-Entscheids fielen die Reaktionen beider Bahnen ganz unterschiedlich aus. Während die BLS es begrüsst, dass die Offerten detailliert geprüft werden, bedauern die SBB die Verzögerung. Dadurch sei die Rechts- und Investitionssicherheit nicht mehr gewährleistet.

Bund will mehr Konkurrenz

Die unterschiedlichen Reaktionen zeigen, dass es eine Gewinnerin dieser ersten Runde gibt: die BLS. Ihr Gesuch für die Strecken Interlaken–Basel, Brig–Basel sowie Bern–Olten, Bern–Biel und Bern–Le Locle wird ernst genommen. Oder wie Füglistaler sagte: «Wir haben zwei rechtsgültige und prüfenswerte Angebote, die einer vertieften Abklärung bedürfen.» Die SBB kann damit nicht auf ein «Weiter wie bisher» setzen. Zumal bekannt ist, dass das BAV eine stärkere Konkurrenz auf den Schienen begrüssen würde. Füglistaler machte keinen Hehl aus dieser Tatsache: «Ich kann gut damit leben, wenn uns nachgesagt wird, dass wir etwas mehr Wettbewerb haben möchten», sagte er. Es ist zudem ein offenes Geheimnis, dass der BAV-Direktor und SBB-Chef Andreas Meyer das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben. Auf das Vergabeverfahren darf das zwar keine Auswirkungen haben. Vorschussvertrauen erhalten die SBB aber ebenfalls nicht. Sie müssen aufzeigen, dass ihr Angebot tatsächlich besser ist als jenes der BLS.

Um diesen Vergleich zu machen, fehlen dem BAV aktuell noch Angaben, wie Regula Herrmann, Leiterin der Sektion Personenverkehr ausführte. Während die BLS für jede einzelne Linie eine Erfolgsrechnung eingereicht hat, haben die SBB einen Businessplan für das gesamte Netz vorgelegt. Um zu sehen, wer die Linien billiger betreibt, will das BAV bei den SBB noch die nach Strecke aufgeschlüsselten Zahlen einholen. Eine offene Frage ist auch, für wie lange die neuen Konzessionen vergeben werden sollen. Während sich die BLS diese für ganze 25 Jahre sichern möchte, haben die SBB ein Gesuch für die nächsten 15 Jahre eingereicht.

Status quo verlängert

Um mehr Zeit für seine Abklärungen zu haben, hat das BAV nun aber vorerst den Status quo um zwei Jahre verlängert. In den Jahren 2018 und 2019 werden also weiterhin die SBB den gesamten Fernverkehr anbieten. Die BLS möchte ohnehin frühestens ab 2020 erste Fernverkehrslinien übernehmen, einzelne auch erst ab 2022 oder 2023. Schliesslich brauchte sie Zeit, um das zusätzliche Rollmaterial für die Fernverkehrslinien zu beschaffen. Hierzu führe sie bereits Gespräche mit verschiedenen Bahnen, teilte die BLS dem «Bund» mit.

Dass die BLS überhaupt wieder Fernverkehrslinien übernehmen will, liegt auch daran, dass das BAV den Begriff Fernverkehr neu definiert hat. Das hatte zur Folge, dass einige Verbindungen neu klassifiziert wurden: So galt die BLS-Strecke Bern–Neuenburg–La Chaux-de-Fonds bis anhin als Regionalverkehr und wurde daher subventioniert. Neu gilt sie als Fernverkehrsstrecke und muss somit eigenwirtschaftlich betrieben werden. Die BLS will die Strecke trotz der Umklassierung behalten, wie Sprecherin Helene Soltermann dem «Bund» sagte. Allerdings ist die Linie selbst nicht rentabel. Und auf den subventionierten Regionalverkehrsstrecken darf die BLS keinen Gewinn erwirtschaften, mit dem sie die Strecke quersubventionieren könnte. Das Unternehmen wolle deshalb ein «ausgewogenes Päckli», das auch rentable Fernverkehrsstrecken enthalte, wie Soltermann sagte.

Die SBB sind der Meinung, dass der Fernverkehr in der Schweiz aus einer Hand geplant werden müsse. Ansonsten komme es zu Doppelspurigkeiten und zusätzlichem Aufwand. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.10.2017, 13:30 Uhr

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