Die BLS ignoriert bei der Werkstätten-Planung die Profis

Die Regionalkonferenz rügt die BLS – weil es bei der Standortsuche für die neue Werkstätte keine Anfrage gab.

Die Diskussion um den neuen Standort der BLS-Werkstätte geht weiter. (Archiv)

Die Diskussion um den neuen Standort der BLS-Werkstätte geht weiter. (Archiv) Bild: Adrian Moser

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Die Regionalkonferenz Bern-Mittelland hat keine Freude, wie die Standortsuche für die neue BLS-Werkstätte gelaufen ist. «Für mich ist nicht verständlich, dass sich das Bahnunternehmen nicht bei uns gemeldet hat», sagte Jörg Zumstein, Präsident der Kommission für Raumplanung, an einer Medienkonferenz zum regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept (siehe Kasten). Vom neuen Standort Chliforst-Nord, der am Dienstag von der BLS-Begleitgruppe vorgestellt worden war, habe er aus den Medien erfahren.

Kritik äusserte auch Thomas Iten, Präsident der Verkehrskommission und parteiloser Gemeindepräsident von Ostermundigen: «Wir zeigen den Gemeinden ihre Potenziale auf. Das nützt aber nichts, wenn sich halbstaatliche Unternehmen nicht daran halten müssen.» Das Werkstätten-Projekt befinde sich «leider», so Zumstein, ausserhalb der Planungskompetenz der Regionalkonferenz.

Dort wäre aber das Wissen vorhanden, um Standorte für eine Werkstätte in der Region Bern vorzuschlagen. Schliesslich ist die Regionalkonferenz für die überregionale Planung zuständig. Sie legt dar, welche Gebiete in den Gemeinden eingezont werden sollten –wo es Sinn macht, neue Wohnungen zu bauen oder Arbeitsplätze anzusiedeln. Zudem zeigen die Planer auf, wie die Verkehrsströme fliessen sollten.

Regionalkonferenz in der Kritik

Allerdings wird die Regionalkonferenz immer wieder kritisiert, nicht nur wegen ihrer Grösse – 85 Gemeinden gehören derzeitig dazu. Die Beanstandungen sind auch grundsätzlicher Natur, die Arbeit wird infrage gestellt. Rechtsbürgerliche Kreise etwa würden die Regionalkonferenz am liebsten abschaffen und mehr Kompetenzen den Gemeinden übertragen. Erst kürzlich teilte die SVP Mittelland-Nord mit, Stadt und Land dürften nicht vom «regionalen Reissbrett aus» gestaltet werden. In Anbetracht dieser Kritik erstaunt die Reaktion der Regionalkonferenz im Fall BLS-Werkstätte nicht. Sie kann nämlich auch so gedeutet werden: Die Verantwortlichen der Regionalkonferenz nutzen die Gelegenheit, um auf ihre Kompetenzen in Sachen Raum- und Verkehrsplanung hinzuweisen. Mehr noch: Sie können dadurch ihre Arbeit und letztlich die Existenz der Regionalkonferenz legitimieren.

Neuer Standort in Flamatt?

Die BLS geht auf die Kritik der Regionalkonferenz nicht ein. Auf Anfrage heisst es, dass aufgrund der verschiedenen Rückmeldungen 2015 die Begleitgruppe geschaffen worden sei. In dieser sei die Regionalkonferenz vertreten gewesen. «Wir begrüssen es, dass die Regionalkonferenz Bern-Mittelland ihre Sichtweise dort einbringen konnte», schreibt die BLS. Bernhard Antener, Leiter der Begleitgruppe, sagte am Dienstag, man müsse jetzt den «Dialog mit der Regionalkonferenz aufnehmen».

Es ist davon auszugehen, dass die Regionalkonferenz den Standort der BLS-Werkstätte ins nächste Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept aufnehmen wird. Dieses wird ab 2018 vorbereitet. Ausser, die Werkstätte würde am Ende gar nicht im Kanton Bern gebaut – sondern im Freiburgischen. In Flamatt könnte nämlich die Autobahn überdacht werden, wodurch Platz für die Werkstätte frei würde. Diese Idee brachten Vertreter aus dem Freiburger Sensebezirk in der «Berner Zeitung» ins Spiel. (Der Bund)

Erstellt: 22.09.2016, 23:48 Uhr

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