Deutschunterricht durch Freiwillige ist umstritten

Nicht alle Asylorganisationen setzen auf Freiwillige: Sie fürchten Einbussen bei der Qualität der Sprachkurse.

Asylsuchende in der Asylunterkunft in Schafhausen. (Archiv)<p class='credit'>(Bild: Keystone Adrian Moser)</p>

Asylsuchende in der Asylunterkunft in Schafhausen. (Archiv)

(Bild: Keystone Adrian Moser)

Anita Bachmann@anita_bachmann

Der grösste Akteur im Berner Asylwesen ist zurzeit die Flüchtlingshilfe der Heilsarmee. Sie betreibt die Hälfte der rund 40 Kollektivunterkünfte. Zudem kann sie auf die Hilfe von fast 1000 Freiwilligen zählen.

Die Flüchtlingshilfe der Heilsarmee hat den Deutschunterricht in ihren Asylzentren an Freiwillige ausgelagert, weil das System an die Grenzen gekommen sei und es lange Wartefristen gegeben habe.

Doch das Vorgehen ist umstritten: Der zweitgrösste Akteur im Asylwesen, Asyl Biel und Region (ABR), hält nichts vom Deutschunterricht durch Freiwillige. ABR betreut in neun Zentren rund 1000 Asylsuchende.

«Im Interesse der Qualität müssen Profis ans Werk», sagt Philipp Rentsch, Geschäftsleiter von ABR. Die Asylorganisation kauft deshalb alle Sprachkurse bei der Volkshochschule Region Biel-Lyss ein. Dadurch entstehe eine grosse Diskrepanz, sagt Rentsch: «Wir setzen einen beträchtlichen Betrag für die Sprachkurse ein.»

Genug verdient im letzten Jahr

Wegen Sparaufträgen sei auch ABR im Jahr 2014 kurz davor gewesen, die professionellen Sprachkurse aufzugeben, sagt Rentsch. Man habe aber davon abgesehen, und mittlerweile habe sich die Situation geändert.

Aufgrund der hohen Asylzahlen im vergangenen Jahr seien die Unterkünfte sehr gut ausgelastet gewesen. «Keine der Asylorganisationen kann sich wohl über mangelnde Erträge beklagen», sagt Rentsch.

Die Finanzierung des Deutschunterrichts ist in der sogenannten Globalpauschale enthalten. Der Bund bezahlt für die Betreuung eines Asylsuchenden pro Tag und Person 36.50 Franken.

Doch gemäss dem Bund sind Asylsuchende keine Zielgruppe von Integrationsmassnahmen. Weil auch der Kanton nicht festlegt, welcher Anteil des Betrags für Deutschunterricht einzusetzen sei, bleibt dies den Asylorganisationen überlassen.

Um den Wartefristen für Deutschkurse entgegenzuwirken, konnte ABR deshalb einen Systemwechsel vornehmen. Bis vor kurzem habe ABR Intensivkurse mit vier Doppellektionen pro Woche angeboten. Zugunsten der Verteilung der Deutsch- und Französischkurse auf mehr Personen gebe es nun nur noch zwei Doppellektionen pro Woche.

Damit stünden fast 2000 Kursplätze pro Jahr zur Verfügung. Ein Kurs dauert jeweils drei Monate. «Dank dieser Massnahme stehen zurzeit nur 40 Personen auf der Warteliste», sagt Rentsch.

«Bürgerschaftliches Engagement»

Auch die Firma ORS, welche unter anderen die Asylunterkunft Hochfeld in Bern betreibt, setzt auf professionelles Lehrpersonal. Eine Mischung zwischen professionellem Deutschunterricht und Freiwilligenarbeit gibt es in den Zentren der Asylkoordination Thun.

Dank dem Einsatz von Freiwilligen gebe es in der Asylunterkunft Oberhofen sogar täglich Deutschunterricht für die Bewohner, sagt Barbara Jost, Leiterin Zentren Asylkoordination Thun. Man habe vor, die Freiwilligenarbeit in Zusammenarbeit mit der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe auszubauen.

Doch Jost legt den Finger auf einen wunden Punkt: «Leider wird der Deutschunterricht nicht separat finanziert», sagt sie. In schlechten Zeiten sparten die Asylorganisationen deshalb auch beim Deutschunterricht.

Wäre klar, wie viel Geld für Sprachkurse aufzuwenden sei, müssten zudem alle die gleichen Leistungen anbieten.Es sei schlicht nicht genug Geld vorhanden, um Sprachkurse mit Profis zu organisieren, heisst es beim Kanton.

Deshalb werde das «bürgerschaftliche Engagement durch Freiwillige» begrüsst. «Die Angebote werden von den Asylsuchenden geschätzt, weil sie eine zusätzliche Tagesstruktur bieten», sagt Markus Aeschlimann, Leiter des Amts für Migration und Personenstand. Dieses Engagement und eine hohe Qualität müssten zudem nicht in einem Zielkonflikt stehen.

Der Bund

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