«Der Uni gehen Nachwuchstalente verloren»

Der Kanton Bern hat sein neuestes Sparpaket vorgestellt. Carole Klopfstein von der Vereinigung der Studierenden der Universität Bern (SUB) kritisiert, dass der Kanton Bern die Studiengebühren für ausländische Studierende anheben will.

Für Studierende aus dem Ausland sollen die Studiengebühren höher werden.

Für Studierende aus dem Ausland sollen die Studiengebühren höher werden. Bild: Gaetan Bally / Keystone

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Frau Klopfstein, Sie kritisieren die Erhöhung der Studiengebühren von 750 auf 950 Franken pro Semester für ausländische Studierende. Warum?
Einerseits ist es im Sinne der Chancengleichheit nicht gerechtfertigt, ausländische Studierende anders zu behandeln. Sie nutzen das gleiche Angebot wie ihre Schweizer Kollegen und Kolleginnen. Andererseits sind die Gebühren gerade für ausländische Studierende hoch. Sie überlegen sich zweimal, ob sie nach Bern kommen wollen. Wenn die Uni Bern aber den Ruf hat, im Vergleich zu anderen Unis zu teuer zu sein, gehen ihr Nachwuchstalente verloren.

Es sind doch eher reiche Studierende, die sich ein Studium in der Schweiz leisten können, und für sie dürften 200 Franken mehr nicht so sehr ins Gewicht fallen. Wo liegt das Problem?
200 Franken auf 750 sind ein Aufschlag von fast einem Drittel. Gerade für Studierende aus Ländern, in denen das Preisniveau tiefer ist, wie etwa in Deutschland, sind 950 Franken Semestergebühren eine Hürde.

Ist es denn Aufgabe der Schweiz, Ausländer auszubilden?
Ja, wir finden, dass die Uni Bern auch im internationalen Kontext attraktiv sein muss. Studierende sollten die internationale Mobilität auch dann ausschöpfen können, wenn sie nicht aus einem reichen Haushalt kommen. Und wenn man als Schweizer Hochschule feindliche Signale gegenüber ausländischen Studierenden setzt, schadet ihr das auch vom Ansehen her.

Dem wirken doch die attraktiven Löhne für Dozierende entgegen. Was bringen die ausländischen Studierenden der Uni?
Sie machen die Universität Bern sichtbar. Wenn die Studierenden in Bern gute Erfahrungen machen und zu Hause davon erzählen, hinterlässt das einen guten Ruf. Zudem sollte die Uni Bern nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre attraktiv sein.

Sollte die Uni nicht vor allem mit guter Forschung auf sich aufmerksam machen?
Ja, unter anderem. Doch je höher die Zugangshürden sind, desto schwieriger ist es, gut zu arbeiten, Talente findet man nicht nur in der Oberschicht. Zudem hat die Universität Bern auch einen Lehrauftrag.

Wenn ich es richtig ausgerechnet habe, betrifft es etwa 750 ausländische Studierende von total etwa 17'000 Studierenden. Reagieren Sie nicht etwas heftig angesichts der kleinen Zahl?
Ich finde 750 eine hohe Zahl. Auch wenn es nicht die Mehrheit ist, setzen wir uns als SUB für sie ein.

Andere Sparmassnahmen schmerzen viel mehr, etwa die Reduktion der Subventionen in der Denkmalpflege um die Hälfte.
Ja, das ganze Sparpaket schmerzt sehr. Aber es ist unsere Pflicht als Vertretung aller Studierenden, ihre Interessen wahrzunehmen. Auch wenn von der Sparmassnahme unter Umständen nur Einzelschicksale betroffen sind. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.07.2017, 16:03 Uhr

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Carole Klopfstein studiert an der Universität Bern und ist Sprecherin der Vereinigung der Studierenden der Universität Bern (SUB). (Bild: zvg)

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