Der Rosshäuserntunnel ist fertig

Heute Samstag wird der neue Rosshäuserntunnel eingeweiht.

Die Heilige Barbara ist Hüterin der Mineure. Sie erhält bei allen wichtigen Ereignissen im Verlauf eines Tunnelbaus einen Altar.

Die Heilige Barbara ist Hüterin der Mineure. Sie erhält bei allen wichtigen Ereignissen im Verlauf eines Tunnelbaus einen Altar. Bild: Adrian Moser

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Nach sechsjähriger Bauzeit eröffnete das Bahnunternehmen BLS am heutigen Samstag den Rosshäuserntunnel im Westen Berns. Mit diesem Tunnel verkürzt die BLS auf der Linie Bern-Neuenburg die Reisezeit und sorgt für mehr Fahrplanstabilität.

Der Direktor des Bundesamts für Verkehr (BAV), Peter Füglistaller, sagte bei der Eröffnung, eigentlich sei der Tunnel «unter falschem Etikett» gebaut worden.

Der Bund habe nämlich seinerzeit einen Beitrag von 100 Millionen Franken an die Baukosten unter dem Titel «Hochgeschwindigkeitsverkehr» bewilligt. Früher gehörte ja die Linie Bern-Neuenburg noch zum TGV-Netz. Dieser «Etikettenschwindel» sei dem damaligen rechtlichen Rahmen geschuldet.

Er schätze aber das Bauwerk als Beitrag zur Bewältigung der zunehmenden Mobilität auf der Linie Bern-Neuenburg-La Chaux-de- Fonds sehr, sagte Füglistaller weiter. Der Tunnel sei nützlich für den S-Bahn- und den innerschweizerischen Fernverkehr - «und da liegen ohnehin die Prioritäten der Schweizer Verkehrspolitik.»

Bei der Vergabe der Fernverkehrskonzessionen ab Ende 2019 hat das BAV der SBB die Linie Bern-Neuenburg-La Chaux-de-Fonds zugesprochen. Heute wird die Linie noch von der BLS betrieben. Füglistaller sagte, persönlich würde er es begrüssen, wenn sich SBB und BLS für einen Betriebsvertrag finden und die BLS im Auftrag der SBB die Strecke betreiben könnte.

90 Sekunden schneller

Der Tunnel gehört zu einer doppelspurigen Neubaustrecke, welche die bisherige Strecke zwischen Rosshäusern und Mauss ersetzt. Diese ist eingleisig, kurvig und kann mit maximal Tempo 90 befahren werden. Die neu weitgehend begradigte Strecke durch den Tunnel ist 300 Meter kürzer als die alte und die Züge befahren sie mit Tempo 160.

Der Zeitgewinn beträgt zwar nur 90 Sekunden. Wegen der neuen Doppelspur wird aber für die BLS der Betrieb einfacher: Die Verspätung eines Zugs wirkt sich wegen der grösseren Flexibilität bei Doppelspurstrecken weniger schnell auf das ganze Netz aus. Die Pünktlichkeit wird somit grösser. Auch kann die BLS ab Dezember 2018 auf zwei Berner S-Bahn-Linien neue Halte einführen, wie BLS-Mediensprecher Stefan Dauner diese Woche auf Anfrage sagte. Mit dem neuen Tunnel erspart sich die BLS ausserdem die Sanierung der Einspurstrecke mit dem heutigen, über 100-jährigen Rosshäuserntunnel.

Unfall, Verzögerung und Mehrkosten

Rund 265 Millionen Franken lassen sich BLS, der Bund sowie die Kantone Bern, Freiburg und Neuenburg den 3,7 Kilometer langen Doppelspurausbau zwischen Rosshäusern und Mauss kosten. In diesem Betrag ist der Bau des Tunnels und die Erneuerung des Bahnhofs Rosshäusern inbegriffen.

Der Bau des Tunnels dauerte achtzehn Monate länger als geplant. Grund dafür waren unerwartete Probleme mit einer geologischen Störzone. Das Gestein in dieser Zone war sehr brüchig. Ein Arbeiter starb im September 2013, als ihm ein Stein auf den Kopf fiel. Wegen dieses Unfalls und der Störzone stellte die BLS gut einen Monat nach dem Unfall die Tunnelbohrungen ein. Mit einer neuen Vortriebsmethode und dem Vortrieb von beiden Seiten statt nur von Osten her wurden die Bauarbeiten schliesslich im Januar 2013 fortgesetzt. Die Kosten stiegen von 200 auf 265 Millionen.

Fest - und ein weiteres Grossprojekt

Das Berner Bahnunternehmen feierte die Eröffnung mit einem öffentlichen Fest. Auf dem Programm standen eine Extrafahrt mit dem historischen «Blauen Pfeil» für geladene Gäste, Ansprachen, musikalische Unterhaltung und eine Zugstaufe. Schon bald beginnt die BLS mit einem weiteren Grossprojekt: Der Sanierung des markanten Eisenbahnviadukts über die Saane zwischen Mauss und Gümmenen. Der denkmalgeschützte Viadukt aus dem Jahr 1901 wird gleichzeitig auf Doppelspur ausgebaut. Fernziel der BLS ist Doppelspur auf der ganzen Linie zwischen Bern und Neuenburg. (sda)

Erstellt: 25.08.2018, 09:54 Uhr

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