Die FDP setzt auf Müller – und nicht auf Wasserfallen

Die kantonalen Freisinnigen nominieren das 53-jährige CSL-Behring-Kadermitglied Philippe Müller als Kandidaten für die Regierungsratswahlen 2018.

Er soll der nächste FDP-Regierungsrat werden: Philippe Müller.

Er soll der nächste FDP-Regierungsrat werden: Philippe Müller. Bild: Franziska Rothenbühler

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Philippe Müller zieht für den Berner Freisinn in den Kampf um den frei werdenden FDP-Sitz im Regierungsrat des Kantons Bern. Der 53-jährige Grossrat und Ingenieur-Agronom wurde von der Delegiertenversammlung gestern Abend im Theater National in Bern mit 115 von 229 Stimmen zum Kandidaten gewählt. Der Stadtberner schlug damit bereits im zweiten Wahlgang drei weitere Kandidaten in der parteiinternen Auswahl – insbesondere den lange als Favorit gehandelten 36-jährigen Stadtberner Nationalrat Christian Wasserfallen.

Nachfolge von Hans-Jürg Käser

Müller hat somit sehr gute Chancen, die Nachfolge des 2018 zurücktretenden Regierungsrats Hans-Jürg Käser anzutreten. Die Gesamterneuerungswahlen der Kantonsregierung finden im März 2018 statt. Die 10-Prozent-Partei ist im Regierungsrat nur noch mit einem Sitz vertreten, den sie gemeinsam mit den Partnerinnen SVP und BDP verteidigen dürfte. Die drei Parteien haben derzeit mit vier Sitzen die Mehrheit. Die SP ist mit zwei Sitzen, die Grünen sind mit einem Sitz im Gremium vertreten.

Bei der Beratung der Delegierten über die vier Kandidaturen wurde klar: Wasserfallen und Müller hielten sich bei den Voten zwar die Waage. Die Urteile über Wasserfallen gipfelten wegen seines Alters, seiner nationalen Bekanntheit und seiner «Begeisterungsfähigkeit» etwa in den Bemerkungen, er sei der «Macron des Kantons Bern». Bei Müller brauchte es weniger grosse Worte und Bilder, um seine längere Erfahrung, breitere Vernetzung – insbesondere in der kantonalen Politik – hervorzuheben, seine Führungsqualitäten und «Teamorientierung» zu betonen. Damit überzeugte er am Schluss das freisinnige Publikum.

Erneute Niederlage für Wasserfallen

Regierungsrat zu sein, ist laut Philippe Müller ein «Verschleissjob». Er wolle daher im Falle einer Wahl höchstens zehn Jahre im Amt bleiben, wie er dem «Bund» im Vorfeld zur Nomination erklärt hatte. Der 53-Jährige ist Grossrat und Vizepräsident der Kantonalpartei und Präsident der Stadtberner Sektion. Er war im letzten Herbst eine treibende Kraft, als es darum ging, der SP das Stadtpräsidium abzujagen, weil er auf den liberalgrünen Alec von Graffenried setzte. Dadurch bugsierte er seinen eigenen Gemeinderat Alexandre Schmidt aus der Stadtregierung.

Eines von Müllers bevorzugten Dossiers ist die Sicherheitspolitik. Er ist Ingenieur-Agronom und Fürsprecher und sitzt in der Geschäftsleitung der CSL Behring. Dass Müller am Schluss Wasserfallen bereits im zweiten Wahlgang klar überflügelte, lag nicht auf der Hand. Immerhin konnte Wasserfallen auf die Unterstützung von Nationalratskollegin Christa Markwalder zählen, die im Gegensatz zu ihm auf der linken Seite des bernischen Freisinns politisiert.

Wasserfallen machte 87 Stimmen, wobei sich bereits im ersten Wahlgang seine baldige Niederlage abgezeichnet hatte. Der im Nationalrat besonders in der Energie- und Bildungspolitik profilierte Wasserfallen stellte sich im Anschluss sofort hinter Müllers Kandidatur. Für den jungen Politiker ist dies eine erneute Niederlage, nachdem er in den letzten Jahren mehrere Ämter und Positionen erfolglos angestrebt hatte. Während Müller und Wasserfallen durch die Delegierten qualitativ ähnlich beurteilt wurden, war klar: Die zwei weiteren Bewerber waren Aussenseiter. Sowohl der Oberaargauer Markus Loosli sowie der Oberländer Heinz Habegger, beides Ex-Kader der Kantonsverwaltung, konnten die Begeisterung der Delegierten zu wenig entfachen. (Der Bund)

Erstellt: 31.05.2017, 21:33 Uhr

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