Der Mathematiker der GLP

Casimir von Arx ist neuer Präsident der kantonalen GLP. In Köniz ist er zurzeit der wohl einflussreichste Gemeindeparlamentarier.

Casimir von Arx ist seit Ende August Präsident der Grünliberalen Kanton Bern.

Casimir von Arx ist seit Ende August Präsident der Grünliberalen Kanton Bern. Bild: Franziska Scheidegger

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Casimir von Arx wirkt nicht wie ein typischer Politiker. Er ist nicht der charmante Verführer seines Gegenübers und sucht nicht bei jeder Gelegenheit die Kamera oder das Mikrofon. Seine Worte wählt er mit Bedacht und die Stimme ist nie laut. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein französischer Aristokrat aus vergangener Zeit: gross, schlank, etwas schlaksig und stets elegant gekleidet. Die extravagante Locke, die ihm auf die Stirn fällt, und der gepflegte Bart, der an die drei Musketiere erinnert, vervollständigen das Bild.

Von Arx ist eine aufstrebende Figur in der grünliberalen Partei. Ende August ist der 36-Jährige als Nachfolger von Sandra Gurtner-Oesch zum Präsidenten der kantonalen GLP gewählt worden. Vorher war er schon Vizepräsident und Kassier, beziehungsweise «Caissier», wie er auf Französisch sagt. In seiner neuen Rolle versteht er sich als «Manager der Partei». Seine Strategie für die GLP bleibt denn vorerst auch dieselbe, wie sie schon Gurtner skizziert hat: Von Arx will die Grünliberalen in den Gemeinden stärken, um bei den Nationalratswahlen in einem Jahr zumindest die beiden Sitze verteidigen zu können.

Taktierendes «Chamäleon»

Auf nationaler Ebene hat die Partei bei den Wahlen 2015 fünf Sitze eingebüsst. Die beiden Berner Nationalräte konnten ihre Sitze aber halten. Die Chancen, dass dies erneut gelingt, stehen nicht schlecht. Denn bei den bernischen Grossratswahlen im Frühling konnte die GLP ihren Wähleranteil minim steigern: um 0,21 Prozent. Sie ist dort mit 11 von 160 Sitzen vertreten. Gemeinsam mit BDP und EVP bildet die GLP im Grossen Rat einen Mitteblock, der Abstimmungen zu entscheiden vermag, wenn er sich geeint den rechten oder den linken Argumenten anschliesst.

Diese Rolle seiner Partei gefällt von Arx. Auf lokaler Ebene kostet er sie bereits voll aus, denn seit Anfang Jahr bilden im Könizer Parlament die GLP mit EVP, CVP und BDP die Mittefraktion. Mit ihren zehn Stimmen spielt diese oft das Zünglein an der Waage. Dabei hilft sie einmal links und einmal rechts, wie es ihr gefällt. Vielleicht gar wie es von Arx gefällt, denn er ist Präsident der Mittefraktion. Das macht ihn zum vermutlich mächtigsten Mann im Könizer Parlament. Er denke stets taktisch, sagt seine Parlamentskollegin Kathrin Gilgen (SVP). Sie staune oft über seine bodenständigen Argumente. Doch offenbar traut sie diesen nicht vollständig. «Er ist wie ein Chamäleon, das sich anpasst.» Von Arx sei ein Alphatier. «Aber er versteckt es gut hinter seiner Freundlichkeit.»

Einfluss versus Macht

Von Arx selbst spricht lieber von Einfluss als von Macht. Zu viel Entscheidungsgewalt bei einer Person findet er nicht gut. «Wenn ich etwas durchzusetzen könnte», sagt er bei einem Glas Apfel-Rüblisaft mit Ingwer im Berner Restaurant Tibits, «würde ich dafür sorgen, dass in der Regierung niemand allein weitreichende Entscheidungen treffen kann.» In Amerika sehe man gerade, was möglich sei, wenn ein Präsident zu viel selbst entscheiden könne. Er wolle lieber Einfluss haben und mit guten Argumenten überzeugen.

Nicht alle verstehen Mathe

Das tut er. Denn keiner jongliert mit Zahlen so geschickt wie er. Casimir von Arx ist Mathematiker und berechnet unter anderem Lohnkosten für die Personalabteilung des Eidgenössischen Departements für äussere Angelegenheiten (EDA). Wenn von Arx dem Parlament also etwas vorrechnet, hat er hohe Glaubwürdigkeit, auch wenn nicht alle Anwesenden seinen Argumenten exakt folgen können. Allerdings kann gerade dieser Umstand für ihn zum Stolperstein werden. Manchmal habe er mit seinen Argumenten keinen Erfolg, weil ihnen niemand folgen könne, sagt Heidi Eberhard, die für die FDP im Könizer Parlament sitzt.

Sprachen und Philosophie

Von Arx, der in den Nebenfächern Informatik und Philosophie studierte, ist nicht einfach der Nerd, der sich nur für Zahlen und abgehobene Theorien interessiert. Während des Studiums besuchte er Kurse für Tibetisch – «ich wollte eine Sprache kennen lernen, die nicht indogermanisch ist» – und brachte sich für die Ferien etwas Dänisch bei. In die Politik sei er aus Interesse an gesellschaftlichen Fragen eingestiegen. «Und weil man nur mit sehr wenigen Menschen über Mathematikforschung sprechen kann», erklärt er.

So ist von Arx, anders als der erste Eindruck vermuten lässt, ein kommunikativer Mensch, der den Austausch sucht. Dabei scheint es ihm tatsächlich um den Dialog und die Lösung von Problemen zu gehen. Das attestieren ihm auch andere Könizer Parlamentskollegen. Von Arx höre in der Diskussion zu und sei für andere Argumente offen, sagt etwa Matthias Rickli von den Grünen. «Allerdings gelingen seine Lösungsversuche nicht immer», sagt Rickli und meint damit von Arx’ Vorschlag, die Könizer Steuererhöhung zeitlich zu begrenzen. Das wäre ein Novum gewesen.

Veganer Spaziergänger

Das Könizer Parlament müsse «Kröten» schlucken – «auch ich, obwohl ich kein Fleisch esse», sagte er kürzlich in der Budgetdebatte. Von Arx lebt seit vier Jahren vegan. Schon vorher sei er Vegetarier gewesen. «Aber der Veganismus ist konsequenter», sagt er. In der Tierrechtsbewegung engagiert sich von Arx aber nicht. Das habe sich nicht ergeben, begründet er, und er habe kein Bedürfnis, mit seinem Lebensstil zu missionieren, sagt er. Allerdings will er sich auch nicht von der Tierrechtsbewegung, die oft als dogmatisch empfunden wird, distanzieren. «Das muss man differenziert anschauen», sagt er.

Eines seiner politischen Hauptanliegen ist die stetig steigende Mobilität der Menschen, die zu ökologischen Problemen führt. Als von Arx um die Jahrtausendwende begann, sich für Politik zu interessieren, wurde der Klimawandel zum Thema. In der kantonalen GLP leitet er daher schon seit acht Jahren die Fachgruppe Verkehr. Dies will er neben dem Präsidentenamt als einfaches Mitglied fortsetzen. Dass sich der Verkehr und die Mobilität reduzieren lassen, glaubt von Arx indes nicht. «Aber vielleicht gelingt es uns, den Anstieg zu dämpfen.» Er selbst ist hauptsächlich zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs, denn sein Arbeitsweg ist kurz. Und weil er durch den Wald führt, nutzt von Arx die Gelegenheit für einen Spaziergang. Dann ist sein Gang federnd, und die halblangen Locken fliegen ihm um den Kopf. (Der Bund)

Erstellt: 11.09.2018, 06:40 Uhr

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