Der Klassiker: Showdown um die Viehschauen

Der Kanton unterstützt die Bauern bei der Tiervermarktung, obschon er das nicht wirklich müsste. Diese Beiträge wurden vom links-grünen Lager im Grossen Rat angegriffen.

Kühe mitten im Dorf – wie hier an der Lenk – gehören zur Tradition.

Kühe mitten im Dorf – wie hier an der Lenk – gehören zur Tradition.

(Bild: Tobias Anliker)

Dölf Barben@DoelfBarben

Nach der Debatte am Mittwoch über die Sparmassnahmen bei Alten und Behinderten lag dieser Schlagabtausch in der Luft. Und besser hätte er nicht besetzt sein können. Hauptdarsteller war ein Biobauer – Kilian Baumann von den Grünen. Das sei eine «Sozialleistung», sagte er. Damit meinte er die Beiträge für die Tiervermarktung.

Sie betragen jährlich gegen drei Millionen Franken. Es sei «grotesk», fuhr er mit Blick auf den Mittwoch fort, bei Bedürftigen zu kürzen, und – sinngemäss – bei Kühen alles mehr oder weniger beim Alten zu lassen. Und: Wenn es um Kühe gehe, sei das Interesse bei der SVP an der Debatte viel grösser. Baumann sprach damit den Umstand an, dass sich die Reihen der SVP am Mittwoch stark gelichtet hatten, als es um den Behindertenbereich ging.

«Es sollte wenigstens stimmen»

Auch der Grünliberale Michael Köpfli griff die Kuhbeiträge an. Er verlangte, sie seien nicht bloss um 200'000 Franken zu kürzen, wie das der Regierungsrat will, sondern gleich auf null zurückzufahren. Er habe nichts gegen Schlachtviehmärkte. Aber es sei nicht Aufgabe des Staats, sie zu unterstützen. Die beiden wurden wacker unterstützt vom Könizer GLP-Gemeinderat Thomas Brönnimann. Hier gehe es letztlich um einen knallharten Verteilkampf, lautete seine Analyse. Schon beim letzten Sparpaket hatte es um die Kuhbeiträge im Grossen Rat eine Auseinandersetzung gegeben.

Die Bauernvertreter liessen das alles nicht auf sich sitzen. Baumann warfen sie Inkompetenz vor. «Wenn man hier etwas sagt, sollte es wenigstens stimmen», sagte Fritz Wyss (SVP). Was er damit meinte, blieb offen. Fritz Ruchti, Hans Jörg Rüegsegger und Samuel Graber (alle SVP) brachten zahlreiche Argumente vor, die für diese Beiträge sprechen sollen. Sie nannten wirtschaftliche Gründe, aber auch ökologische («sonst fahren am Schluss die grossen Viehtransporter bis ins hinterste Dörfchen»).

Ausserdem verwies Rüegsegger darauf, die Bauern leisteten ihren Anteil am Sparpaket mit 1,75 Millionen durchaus. Und Wyss sagte, die Bauern hätten die Kürzungen in ihrem Bereich akzeptiert. Es wäre inakzeptabel, jetzt noch weiterzugehen. Die Bürgerlichen und sogar Teile des linken Lagers sahen es gleich: Es wäre so, als ob man den Bauern «eins an Schienbein schlagen wollte», sagte Biobäuerin Regina Fuhrer-Wyss (SP). Der GLP-Antrag wurde abgelehnt.

Nach der Debatte sagte Hans Jörg Rüegsegger auf Anfrage noch dies: Dass sich am Mittwoch die Reihen der SVP-Grossräte lichteten, habe überhaupt nichts mit einer Protestaktion zu tun gehabt. Wenn die Sitzung andauere, die Rednerliste lang werde und somit nicht gleich eine Abstimmung bevorstehe, sei es normal, die Gelegenheit für eine Pause zu nutzen. Zudem hätten auch andere Grossräte den Saal verlassen.

Der Bund

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