«Der Kanton Bern wird unter Wert verkauft»

Heinz Habegger aus Hilterfingen will für die FDP in den Regierungsrat. Er ist erst am Donnerstag als Kandidat in Erscheinung getreten. Wer ist er? Was kann er? Was will er?

Der Oberländer Heinz Habegger macht seine Exekutiverfahrung geltend.

Der Oberländer Heinz Habegger macht seine Exekutiverfahrung geltend. Bild: zvg

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Herr Habegger, haben Sie parteiintern überhaupt eine Chance gegen Philippe Müller und Christian Wasserfallen?
Ich bin in der Lage die Wahl zu gewinnen, auch wenn Philippe Müller und Christian Wasserfallen meine Konkurrenten sind. Es kommt drauf an, wie stark die Bekanntheit eine Rolle spielen wird.

Da können Sie nicht mit Müller und Wasserfallen mithalten.
Es ist sicherlich ein Nachteil, dass ich ausserhalb der Region Thun-Berner Oberland weniger bekannt bin. Daran kann man jedoch arbeiten. Bekanntheit ist das eine, letztendlich muss man aber auch gute Arbeit abliefern können.

Was haben Sie denn zu bieten, was Ihre Konkurrenten nicht haben?
Als ehemaliger Gemeinderat in Hilterfingen verfüge ich über Exekutiverfahrung. Philippe Müller und Christian Wasserfallen sind Parlamentarier. Zudem übernehme ich Führungsverantwortung in meinem Beratungsunternehmen. Ich leite auch einen nationalen Verband. Im Weiteren war ich Vorsteher des kantonalen Amts für Wasser und Abfall (AWA) mit 130 Mitarbeitenden. Dadurch erhielt ich nicht nur Einblick in die Verwaltung. Ich war auch nahe am Parlament und meiner Chefin, der Regierungsrätin.

Warum haben Sie den Verwaltungsjob 2015 aufgegeben?
Als Unternehmer bin ich es mir gewohnt, selbst zu handeln und frei zu entscheiden. Das war im AWA zu einem gewissen Grad auch möglich. Das, was ich machen konnte, habe ich gemacht. Ich wollte aber wieder mehr unternehmerische Freiheiten geniessen.

Dennoch wollen Sie jetzt zurück zum Kanton?
Regierungsrat ist eine andere Funktion. Der Gestaltungsraum ist grösser. Man ist zwar abhängig von den politischen Rahmenbedingungen. Diese kann man aber auch beeinflussen.

Warum wollen Sie Regierungsrat werden?
Der Kanton Bern wird unter Wert verkauft. Ich will dafür sorgen, dass das Potenzial besser genutzt wird. Wenn wir aktiver werden, können wir mehr Unternehmen ansiedeln. Das Selbstvertrauen wird grösser und es entsteht eine Vorwärtsdynamik.

Können Sie ein Beispiel nennen, was man besser machen könnte?
In der Bildungslandschaft wird alles von Zürich überstrahlt. Wir haben aber auch gute Universitäten und Fachhochschulen. Diese haben Kompetenzen, wovon gerade auch die hiesige Industrie profitiert. Ich denke an die Medizinaltechnik sowie die Uhren- und Maschinenindustrie.

Ihre drei Konkurrenten innerhalb der FDP haben sich früher geoutet. Warum haben Sie gewartet?
Die Vorgabe der FDP war, dass man sich bis Mitte Januar melden kann und erst später kommuniziert wird. Ich habe einfach nur die Regeln eingehalten.

Hätte nicht auch eine Frau auf das Viererticket gehört?
Es hätte der FDP gut getan, wenn auch eine Frau dabei gewesen wäre. Man kann aber auch als Mann eine frauenfreundliche Politik betreiben. Als AWA-Vorsteher schaute ich darauf, dass genügend Stellen mit Frauen besetzt sind. Ich habe die Vorgaben, die wir in der Direktion hatten, immer eingehalten. Vermutlich ist es auch ein FDP-Problem, dass sich keine Frau meldete.

Wie meinen Sie das?
Die FDP ist eine Wirtschaftspartei. Gerade die Wirtschaft steht vor der Herausforderung, dass mehr Führungspositionen mit Frauen besetzt werden. Auch die FDP kann in diesem Bereich zulegen. Die Partei ist letztlich das Abbild der Wirtschaft.

Heinz Habegger ist Inhaber eines Beratungsunternehmens und Präsident des Verbands Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute. Zwischen 2007 und 2015 war er Vorsteher des kantonalen Amts für Wasser und Abfall. Er ist 57-jährig und lebt in Hilterfingen. Dort gehört er sieben Jahre dem Gemeinderat an.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.02.2017, 14:34 Uhr

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