Den Biber lieben alle – wenn er nicht Probleme macht

Der Biber beschäftigt den Grossen Rat: Da der «perfekte Baumeister» immer mehr Schäden verursacht, soll nun ein Biberkonzept umgesetzt werden.

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Könnte der Biber Karte lesen, wäre ihm klar, wo er sich im Grossen Moos im Seeland aufhalten dürfte: In der roten Zone ist er wenig willkommen, in der gelben Zone ist er unter gewissen Bedingungen geduldet, und in der grünen Zone darf er sich nicht nur aufhalten, sondern gar noch ausbreiten. Festgehalten ist dies im «Managementkonzept» für den Umgang mit dem Biber im Grossen Moos.

In diesem Konzept ist zudem geregelt, wie Betroffene bei möglichen Schäden, die der Biber verursacht hat, vorgehen müssen. Denn dass der Biber Schäden verursachen kann, haben die Seeländer schon erfahren: Wegen Biberhöhlen sind im Grossen Moss mehrfach Kanalböschungen abgerutscht und Strassen beschädigt worden. Immer wieder müssen Dämme entfernt und verstopfte Rohre ausgeräumt werden. Die Staudämme der Biber führen zu Überschwemmungen und verhindern einen geregelten Wasserablauf.

Konsequente Umsetzung des Konzepts

Allein am weitverzweigten Kanalsystem im Grossen Moos schätzten Experten den «bautechnischen Schaden» im Jahr 2009 auf eine halbe Million Franken. Hinzu komme ein zusätzlicher Aufwand für den Unterhalt der Kanäle von 25 000 Franken pro Jahr. Aufgrund dieser Schäden im Jahr 2009 wurde auch das Managementkonzept lanciert, das offensichtlich zu wenig konsequent umgesetzt wird.

Das zumindest finden die Seeländer Grossräte Jakob Etter (BDP; Treiten), Heinz Siegenthaler (BDP; Rüti b. Büren) und Donat Schneider (SVP; Diessbach b. Büren), die im Kantonsparlament eine entsprechende Motion eingereicht haben, über welche der Grosse Rat gestern diskutierte. Nebst der konsequenten Umsetzung des Konzepts fordern die Motionäre den Kanton auf, die Behebung der Schäden mitzufinanzieren.

Der Regierungsrat selber argumentiert in seiner Antwort damit, dass das Konzept bereits erfolgreich umgesetzt werde und sich der Kanton bereits heute finanziell an der Behebung der Biberschäden beteilige. Er beantragte dem Grossen Rat deshalb die Annahme der Motion unter gleichzeitiger Abschreibung jenes Punktes, in welchem die Mitfinanzierung der Schäden verlangt wird.

Den Biber «bestrafen»

Die Diskussion im Grossen Rat zeigte gestern, dass sich das Parlament im Grundsatz hinter das bisherige Managementkonzept des Kantons stellt und die Wiederansiedlung des Bibers nicht grundsätzlich umstritten ist – zumindest solange dieser keine Probleme verursacht. Für einige Grossräte sind die vielen Biberschäden aber mittlerweile zu viel des Guten.

Am deutlichsten drückte sich diesbezüglich EDU-Grossrat Peter Bonsack (Kallnach) aus: «Die Biber vermehren sich, und wenn man sie nicht reduziert, vermehren sie sich noch mehr.» Er gab auch gleich eine Erziehungsempfehlung ab. «Den Schadenverursacher muss man bestrafen und eliminieren oder zumindest reduzieren», sagt Bonsack. Nur die Schäden zu bezahlen, das mache keinen Sinn.

Den Konflikt «mit friedlichen Mitteln» lösen

Auch für die BDP-Fraktion sind die Biberschäden nicht mehr tragbar. «Überall wurden ökologische Massnahmen ergriffen, die daraus folgenden Konsequenzen will man dann aber nicht tragen», rügte Bernhard Riem (Iffwill) den Kanton. Die Unterhaltspflicht dürfe nicht zulasten der Betroffenen fallen. Dass der Regierungsrat bezüglich Entschädigung zudem mit der Finanzknappheit argumentiere, sei ungenügend. Nicht ganz überzeugt vom Biber als alleinigem Schadenverursacher waren die Grünen: «Die Kanäle im Grossen Moos sind altersbedingt sanierungsbedürftig.

Die Schäden lassen sich also nicht nur auf den Biber zurückführen», sagte Silvia Lüthi (Ins). Bei der SP-Fraktion wiederum zeigte man sich erfreut, dass der Motionär den Konflikt «mit friedlichen Mitteln» lösen will, wie Michael Aebersold (Bern) sagte. Am Ende stimmte der Grosse Rat einer Annahme der Motion unter gleichzeitiger Abschreibung mit 71 Ja- zu 52 Nein-Stimmen zu. Gleichzeitig soll die Finanzierung der Schäden geprüft werden – den entsprechenden Punkt überwies das Parlament mit 109 Ja- zu 17 Nein-Stimmen als Postulat.

Der Bund

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