Das Wahlsystem macht es für die SVP schwierig

Um die diesjährige Ständeratswahl zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück: Die wählerstärkste Partei im Kanton Bern, die SVP, verlor ihren Sitz 2008.

Adrian Amstutz (SVP, rechts) musste 2011 seine Niederlage in den Ständeratswahlen gegen Werner Luginbühl (BDP, links) und Hans Stöckli (SP) eingestehen.<p class='credit'>(Bild: Manuel Zingg)</p>

Adrian Amstutz (SVP, rechts) musste 2011 seine Niederlage in den Ständeratswahlen gegen Werner Luginbühl (BDP, links) und Hans Stöckli (SP) eingestehen.

(Bild: Manuel Zingg)

Dölf Barben@DoelfBarben

Um Chancen und Risiken der bevorstehenden Ständeratswahlen zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück. Die SVP, die mit Abstand wählerstärkste Partei im Kanton Bern, hat ihren Ständeratssitz 2008 auf kaltem Weg verloren – als der im Jahr zuvor als SVP-Mann gewählte Werner Luginbühl sich in die BDP absetzte. Seither versucht die SVP, diesen Sitz zurückzuerobern.

Anfang 2011, als es die in den Bundesrat gewählte Simonetta Sommaruga zu ersetzen galt, gelang es auf Anhieb: Bei der Ersatzwahl schlug SVP-Nationalrat Adrian Amstutz die damalige SP-Nationalrätin und heutige Berner Gemeinderätin Ursula Wyss. Ende 2011, bei den ordentlichen Ständeratswahlen, verlor Amstutz das Mandat aber wieder. Er wurde von SP-Nationalrat Hans Stöckli deutlich überrundet.

Der Grund für Amstutz’ Niederlage hing zu einem grossen Teil mit dem Wahlsystem zusammen. Bei den Wahlen Ende 2011 kam dies beispielhaft zum Ausdruck: Im ersten Wahlgang lag er noch knapp vor Luginbühl und fast 20000 Stimmen vor Stöckli. Die übrigen Kandidierenden waren abgeschlagen. Wichtig: Weil das Kandidatenfeld breit war, wurde das absolute Mehr von niemandem erreicht. Ein zweiter Wahlgang war nötig.

Der BDP-Kandidat im Mitte-Lift

Bei dieser zweiten Ausmarchung traten nur noch die drei Erstplatzierten aus dem ersten Wahlgang an sowie ein Aussenseiter, der keine Rolle spielte. Das Ergebnis war verblüffend: Luginbühl und Stöckli wurden stimmenmässig massiv emporgehoben; gegenüber dem ersten Wahlgang konnten sie sich um 52 und 30 Prozent steigern. Amstutz dagegen blieb praktisch stehen (plus 2 Prozent) und wurde überflügelt.

Der springende Punkt: Auch im zweiten Wahlgang konnten die Wahlberechtigten zwei Namen auf den Stimmzettel schreiben. Linke Wählerinnen und Wähler, die zunächst beide Linien für Stöckli und den grünen Kandidaten Alec von Graffenried «verbraucht» hatten, konnten im zweiten Durchgang ihre zweite Linie somit an einen anderen Kandidaten «verschenken» – mit Sicherheit gingen solche Stimmen eher an Luginbühl als an Amstutz. Umgekehrt konnten BDP-Wähler, die der aus ihrer Sicht bedrohlichen SVP schaden wollten, nun auch Stöckli berücksichtigen. Dazu kamen all die Anhänger der aussichtslosen Mitte-Parteien, die nun keine eigenen Leute mehr aufschreiben konnten: Die meisten von ihnen dürften eher Luginbühl und Stöckli bevorzugt haben.

Preis für die Polarisierung

Der Berner Politologe Georg Lutz analysierte das Resultat damals so: Obschon die SVP die wählerstärkste Partei sei, bekunde sie Mühe, Nicht-SVP-Wähler zu überzeugen. Dies sei der Preis, den sie bei Mehrheitswahlen nach wie vor für die Polarisierung zahle.

2015, bei den nächsten Ständeratswahlen, befand sich SVP-Nationalrat Albert Rösti gegenüber den beiden Bisherigen Luginbühl und Stöckli vor dem zweiten Wahlgang letztlich in der gleichen Lage wie Amstutz 2011. Er trat erst gar nicht mehr an.

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