Das verlorene Vertrauen ins ganz grosse Spiel

Das Wallis glaubt dem IOK nicht, die grosse Wende wirklich zu wollen.

Und aus der Traum: Die Olympia-Kandidatur «Sion 2026» ist gescheitert.

Und aus der Traum: Die Olympia-Kandidatur «Sion 2026» ist gescheitert. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Für die einen wars ein Traum, für die anderen ein wahrer Albtraum. So oder so: In Sachen Sion 2026 hat es sich ausgeträumt. Die Olympischen Winterspiele kommen 2026 nicht in die Schweiz. Mit grosser Gewissheit auch 2030 und 2034 nicht, denn die zurückliegende Debatte hat verdeutlicht, wie enorm gross der Verlust des Vertrauens in die von Gigantismus geprägte olympische Bewegung inzwischen ist.

Das haushohe Ja von Kandersteg zu den Spielen ist kein Widerspruch dazu. Kandersteg, mit seiner überschaubaren Infrastruktur, war das praktische Anschauungsbeispiel für die Kernidee der nun gescheiterten Kandidatur: Hier wirkte «Weniger ist mehr» glaubwürdig. Hier zeigte sich, dass die Promotoren das Richtige wollten.

Anders im Wallis, wo die raumplanerischen Auswüchse schon heute zeigen, wie im fragil gewordenen Alpenraum im Namen des Sports fast alles verhandelbar blieb. Hier schlug das Grundmisstrauen gegenüber dem Bescheidenheitsgelübde des IOK durch: Das Walliser Nein zeigt, wie wenig dem IOK geglaubt wird, die ganz grosse Wende wirklich zu wollen. Die finanzielle Debatte bildet dies ab: Vielen leuchtete nicht ein, wozu sie finanzielle Risiken eingehen sollten, während – abgesehen vielleicht von der heimischen Immobilienbranche – andere die sicheren Gewinne machen würden.

Die Schweiz wird also für absehbare Zeit nicht mehr für Olympische Spiele kandidieren. Aus dem Schneider ist sie damit nicht. Spiele im eigenen Land als zu risikobehaftet und zu zerstörerisch zu betrachten, führt zu grundsätzlicheren Fragen.

Bloss die eigenen Olympioniken an anderswo stattfindende Spiele zu entsenden und sie zu beklatschen, wie sie anderswo freigeholzte Bergflanken hinunterflitzen und anderswo in für den Moment hingeklotzten Stadien feiern, ist gelinde gesagt inkonsequent. Die Denksportaufgabe beginnt also erst: In welcher gescheiten Form lässt sich denn in Zukunft die emotionale Kraft des Sports nutzen? Führt das zu mehr Fokus auf die Breite als auf die Spitze? Die Antwortsuche wird knifflig sein. (Der Bund)

Erstellt: 10.06.2018, 16:39 Uhr

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