Das ikonische Hotel kommt unter den Hammer

Das Hotel Palace in Mürren steht an bester Lage, aber seit fast 10 Jahren leer. Nun wird es endlich vom Konkursamt versteigert. Im Bergdorf hofft man trotz Hürden auf einen Neuanfang.

Das ehemalige Luxushotel Palace in Mürren steht seit 2009 leer. Saniert wird nur noch, was unbedingt nötig ist.

Das ehemalige Luxushotel Palace in Mürren steht seit 2009 leer. Saniert wird nur noch, was unbedingt nötig ist. Bild: Markus Hubacher

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Den Prunk vergangener Tage kann man noch erahnen, auch wenn der Putz an den meisten Stellen abgeblättert ist. Das ehemalige Luxushotel Palace in Mürren steht seit mittlerweile fast zehn Jahren leer. Saniert wird nur, was unbedingt nötig ist. Doch nun wird der Gebäudekomplex aus der Konkursmasse der ehemaligen Betreiberin Alpin Palace Mürren AG zwangsversteigert. Und im Berner Bergdorf regt sich die Hoffnung auf einen Neuanfang. Mürrens Tourismusdirektor Samuel Bichsel spricht sogar von einem Aufbruch in ein neues Zeitalter.

Fataler Entscheid von René Jäggi

Die Hoffnungen in Mürren sind verständlich. Das Palace ist längst zum Schandfleck mitten im Dorf geworden, einem Sinnbild für überhöhte Erwartungen, eigennützige Besitzer und falsche Entscheidungen. Wenn ein so prominentes Hotel leer stehe, schade das jedem Tourismusort, sagt Bichsel. Viele Leute haben mit dem Niedergang des traditionsreichen Hotels viel Geld verloren.

Das Palace im August 1974 – bereits gemietet von der Sekte der Anhänger des Yogi Maharishi (Bild: Keystone)

Nun wird das Palace zwangsversteigert, nachdem die Liquidation jahrelang juristisch blockiert war. Unter den Hammer kommt ein Paket aus Haupthaus, Dépendance und Personalwohnungen. Mindestpreis: 1 Million Franken. Klingt nach einem Schnäppchen, ist es aber nicht. Die Liegenschaft habe einen Wert von rund minus 4 Millionen Franken, meint der Schatzer Hans Boss, der die Liegenschaften im Auftrag des Konkursamts begutachtet hat. Dabei wäre der Gebäudewert eigentlich stattlich, mehr als 6 Millionen Franken. Wäre da nicht diese Nutzniessung. Der Vertrag spielt eine entscheidende Rolle für die Zukunft des Hotels.

Wie kam es 1999 zu dieser Übereinkunft? Der frühere Besitzer, René Jäggi, ehemaliger Adidas-Kadermann und FCB-Präsident, hatte aus Geldsorgen sogenannte Timesharer an Bord geholt. Beim Timesharing werden vereinfacht ausgedrückt im Voraus Hotelübernachtungen für mehrere Jahre oder Jahrzehnte gebucht und bezahlt. Um die Ansprüche der Timesharer abzusichern, hat sich die britische Palace Mürren Title Ltd. die Nutzniessung an den drei Gebäuden übertragen lassen.

Das Palace im Winter 2015. (Bild: Markus Hubacher)

Mit weitreichenden Folgen. Ihr stehen gemäss Vertrag die ganzen wirtschaftlichen Erträge aus den drei Liegenschaften zu. Sämtliche Kosten dagegen muss nach wie vor die Alpin Palace Mürren AG übernehmen. Unter dem Strich ist es so unmöglich, das Haus wirtschaftlich zu betreiben. Und die Nutzniessung endet erst im Jahr 2041. Im schlimmsten Fall kann der Vertrag somit dazu führen, dass das Palace noch für viele Jahre leer steht.

Das Konsortium hats in der Hand

Um die Last der Nutzniessung aus dem Weg zu räumen, hat 2016 ein Konsortium aus Mürren der britischen Firma die Rechte für knapp 2 Millionen Franken abgekauft. Geschäftsführer dieser als Palace Avenir AG agierenden Gruppe ist Tourismusdirektor Bichsel, Verwaltungsratspräsident der frühere Mikron-Geschäftsführer Peter Wirth, der in Mürren ein Ferienhaus besitzt. Wer sonst noch Teil der Gruppe ist, ist nicht bekannt. Bichsel spricht von Mürrener Institutionen und Freunden Mürrens. Die Zusammensetzung des Verwaltungsrats lässt zumindest darauf schliessen, dass unter anderem Mürren Tourismus und die Schilthornbahnen beteiligt sind.

Auch 2010 war das Palace geschlosen. (Bild: Markus Dütschler)

Zu den Plänen der Palace Avenir AG gibt sich Bichsel ebenso bedeckt. Bekannt ist, dass das Konsortium darauf gedrängt hat, das Konkursamt solle ihr die Palace-Liegenschaften freihändig – also ohne Versteigerung – verkaufen. Heinz Aebi vom Konkursamt Oberland schliesst diesen Weg aber aus. Falls der Mindestpreis nicht erreicht werde, werde eine zweite Versteigerung angesetzt – dieses Mal ohne Mindestpreis.

Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die Palace Avenir auch am 20. Juli mitbieten wird. Bestätigen will Bichsel das allerdings nicht. Er betont nur: Wer das Palace wiederbeleben wolle, komme an Palace Avenir nicht vorbei. Die Gruppe habe zwar Vorstellungen davon, wie das Palace in Zukunft genutzt werden könne, sei aber offen für Kompromisse mit den Investoren. Denkbar wäre laut Bichsel etwa ein 4-Stern-Hotel, aber auch eine Sport-Lodge. Offenkundig ist, dass Palace Avenir das Hotel nicht selber betreiben will.

Nicht äussern wollte sich Bichsel zum Szenario, wenn ein Investor den Zuschlag bekommt, der der Palace Avenir AG nicht passt. Als mögliche Bieter in der Versteigerung wurden nämlich auch schon die gegenwärtige Besitzerin Svetlana Kan, die gemäss Konkursunterlagen immer noch ein Zimmer im Hotel belegt, und der frühere Eigentümer René Jäggi genannt. Beide geniessen in Mürren nicht mehr den besten Ruf. (Der Bund)

Erstellt: 14.06.2018, 06:38 Uhr

Rückblick

Vom Luxus zum Guru

1874 wird das Hotel Des Alpes gebaut, das 1884 abbrennt. Das Nachfolgeprojekt heisst Palace Hotel des Alpes. 1911 entsteht das Palace in seiner heutigen Form als Erweiterungsbau, der nach einem erneuten Brand 1927 wieder aufgebaut wird. Bis in die 50er-Jahre lockt das Luxushotel illustere Gäste an, dann folgt der schleichende Abstieg. 1973 mieten Anhänger des Yogi Maharishi das Palace als Veranstaltungsort. Als die Sekte das Haus kaufen will, regt sich Widerstand im Dorf. Mit finanzieller Hilfe des Kantons wird das Haus 1976 übernommen und teilweise abgerissen, um einem Sportzentrum Platz zu machen. 1989 steigt René Jäggi beim Palace ein, der das Hotel 2008 an die aktuelle Besitzerin Svetlana Kan verkauft. Seit 2009 ist das Palace geschlossen. (stü)

Kostenpunkt: Gegen 20 Millionen

Einen Investor für das Hotel Palace in Mürren zu finden, dürfte nicht leicht werden.

Geldgeber für ein Hotelprojekt zu finden, ist heute eine Herausforderung. Die Branche ist mit ihren tiefen Margen und hohen Kapitalbedürfnissen kein Geldmagnet. Das mussten im Berner Oberland bereits mehrere Hotelbesitzer erfahren. So wartet etwa das frühere 5-Stern-Hotel Regina in Grindelwald seit Jahren auf einen Geldgeber für einen Neustart. Auch der Hirschen in Gunten steht seit langem leer, weil Investoren fehlen.
In Mürren hat eine Task Force, die als Vorgängerin der Palace Avenir AG gilt, bereits ab 2015 nach Investoren für das Palace-Hotel gesucht. Ohne Erfolg. Der Standort Mürren erleichtert die Suche nicht: Das Bergdorf erreicht man nur per Bahn. Sämtliches Baumaterial muss mit der Seilbahn auf das Hochplateau transportiert werden.

Mürrens Lage verteuert das Bauen
Architekt Hans Boss, der das Hotel im Auftrag des Konkursamts geschatzt hat, rechnet damit, dass sich ein Umbau wegen der Lage um 20 bis 30 Prozent verteuert. Er weist zudem darauf hin, dass das Haupthaus als erhaltenswert gilt, was die Sanierung noch einmal verteure. Kurzfristig muss ein Käufer gemäss Boss mit 6 bis 7 Millionen für die nötigste Sanierung rechnen
Avenir-Präsident Peter Wirth sprach gegenüber der «Berner Zeitung» sogar von einem Investitionsbedarf von 15 Millionen allein für das Haupthaus. Für die Versteigerung der Liegenschaften beträgt der Mindestpreis 1 Million Franken. Zudem muss ein Investor die Nutzniessung übernehmen. Die aktuelle Nutzniesserin, Avenir Palace, hat für die Rechte rund 2 Millionen bezahlt und dürfte nun ähnlich viel dafür verlangen. Insgesamt kostet das Hotelprojekt so rund 20 Millionen Franken.

Hohe Bettenauslastung
Es stimme zwar, dass Bauen in Mürren wegen der Lage teurer sei als andernorts, bestätigt Tourismusdirektor Samuel Bichsel. Trotzdem sei er sicher, dass man einen geeigneten Investor für das Palace finden werde. Schliesslich habe Mürren eine höhere Bettenauslastung als die meisten Schweizer Alpendestinationen.
Die Gemeinde Lauterbrunnen, zu der Mürren gehört, hatte 2017 tatsächlich eine überdurchschnittlich hohe Bettenauslastung von knapp 54 Prozent. Allerdings kam das benachbarte Grindelwald letztes Jahr auf über 58 Prozent, und trotzdem bekunden dort gleich mehrere Hotelprojekte Mühe, einen Investor zu finden. (stü)

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