Das Experiment Allemann

Nationalrätin Evi Allemann muss erst noch beweisen, dass sie für ein Exekutivamt geeignet ist. Ihr Netzwerk auf Bundesebene ist für den Kanton Bern von Nutzen.

Evi Allemann blickt Richtung Regierungsrat. Die SP steigt mit ihr in den Wahlkampf.

Evi Allemann blickt Richtung Regierungsrat. Die SP steigt mit ihr in den Wahlkampf. Bild: Manu Friederich

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Für Evi Allemann ist der Wechsel vom Nationalrat in den Regierungsrat ein grosser Schritt. Sie ist zwar eine erfahrene Parlamentarierin. Den Beweis, dass sie für ein Exekutivamt geeignet ist, muss sie aber erst noch erbringen. Als schweizweit bekannte Politikerin wird die Regierungsrätin Allemann von Anfang an unter besonderer Beobachtung stehen.

Man wird genau hinschauen, wie es um ihre Führungskompetenzen steht. Eine kantonale Direktion zu leiten, ist um einiges anspruchsvoller als das Präsidium des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), das Allemann derzeitig innehat. Man wird darauf achten, ob Allemann SP-Anliegen im bürgerlich dominierten Regierungsrat einbringen und durchsetzen kann. Man wird sie auch immer wieder mit ihrer Vorgängerin Barbara Egger vergleichen, die eine Anführerin im Regierungsrat ist.

Allemann hat sich in den letzten Jahren weit von der Kantonspolitik entfernt, obwohl sie einst Grossrätin war. Ein SP-Grossrat sagte kürzlich an einer Versammlung in Biel, er kenne sie nur aus den Medien. Doch der Name Allemann ist überall im Kanton ein Begriff. Bei den letzten Nationalratswahlen war sie die bestgewählte Sozialdemokratin. Zudem politisiert sie am rechten Parteiflügel, und sie polarisiert viel weniger als Ursula Wyss, die den Kampf ums Berner Stadtpräsidium verlor. All das ist wichtig, um im bürgerlichen Kanton Bern Stimmen über das linke Lager hinaus zu holen. Aus heutiger Sicht hat Allemann die Wahl durch das Volk auf sicher.

Vielleicht wird die SP mit Allemanns Nomination sogar einen neuen Trend setzen. In der Regel steigen Grossräte oder Gemeinderäte in den bernischen Regierungsrat auf. Es ist lange her, dass jemand aus der Bundespolitik in die Kantonsregierung einzog. Letztmals gab es dies vor über zwanzig Jahren, als Elisabeth Zölch (SVP) gewählt wurde. Die FDP war diesen Mai noch nicht bereit, Nationalrat Christian Wasserfallen zu nominieren, die Wahl fiel auf einen Grossrat. Nun könnten auch die Grünen dem Beispiel der SP folgen. Regula Rytz, Nationalrätin und ehemalige Berner Gemeinderätin, ist die Favoritin auf die Nachfolge von Bernhard Pulver.

Nationalräte sind auf Bundesebene bestens vernetzt. Solche Kontakte sind wichtig, um Bern im interkantonalen Wettbewerb vorwärtszubringen. Es sollte daher kein Nachteil sein, wenn Bundesparlamentarier in den Regierungsrat wechseln. (Der Bund)

Erstellt: 26.08.2017, 18:03 Uhr

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