«Dann haben wir Zustände wie vor 50 Jahren»

Auch die Interessengemeinschaft Sensegraben hält nichts vom Kompromissvorschlag des WWF Freiburg, die Anzahl Parkplätze an der Sense zu reduzieren.

Der Parkplatzstreit an der Sense ist ein Interessenkonflikt zwischen den Erholungssuchenden und Naturschützern.

Der Parkplatzstreit an der Sense ist ein Interessenkonflikt zwischen den Erholungssuchenden und Naturschützern. Bild: Adrian Moser

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Warum machen Sie, Andreas Kehrli als Vertreter der IG Sensegraben so ein Theater um ein paar Parkplätze?
Wir machen kein Theater. Viele Ausflügler kommen seit 50 Jahren hier hin und geniessen die Sense dank den Parkplätzen. Einige Leute sind auf die Parkplätze angewiesen. Daher ist es auch ein Angriff auf ihre Freizeitgestaltung. Die Leute wollen im Sommer dorthin, um mit ihren Kindern zu bräteln, viele verbringen hier ihre Ferien. Diesen sozialen Aspekt nimmt man den Leuten weg, das verstehe ich nicht.

Sind die Sensebesucher, die Sie vertreten, zu bequem, die letzten paar Hundert Meter bis zur Sense zu laufen?
Das sind nicht ein paar Hundert Meter. Von Schwarzenburg zum Sodbach ist es eine längere Strecke. Ausserdem hat der Abstieg zur Sense auf der Hauptstrasse kein Trottoir. Nicht nur für Familien ist das zu weit und zu gefährlich. Diese Mobilität hat man heute, und man kann es den Leuten nach 50 Jahren nicht wieder wegnehmen. Wir fragen uns, ob man all die Erholungssuchenden vom Sensegraben fernhalten will. Diese Ämter unterschätzen offensichtlich die Bedeutung der Sense für die Bevölkerung. Es geht vielen Leuten sehr nahe, darum läuft unsere Unterschriftensammlung. Mehrere Tausend Unterschriften sind jetzt schon beisammen.

Neben den grossen Sensezugängen Ruchmühli und Sodbach gibt es ja immer noch die kleineren Zugänge Grasburg, Sensematt und Schwarzwasserbrücke. Genügt das nicht?
Das genügt niemals. Im Sommer habe ich beim Sodbach über 250 Fahrzeuge gezählt. Die Parkplätze bei den kleineren Zugängen decken niemals diese Nachfrage ab. Wenn zum Beispiel auf dem Parkplatz nur 80 Autos parkieren dürften, wäre dieser vor dem Mittag voll. Die Menschen würden dann kreuz und quer fahren, um irgendwo einen Parkplatz zu finden.

Für die Zugänge Sodbach und Ruchmühli hat der Präsident des WWF Freiburg, Herbert Känzig, einen Kompromiss vorgeschlagen: Parkplätze ja, aber weniger und nicht bis direkt an den Fluss. Was halten Sie davon?
Das Problem wird durch die Reduktion der Parkplätze verschärft. Die Gäste würden ja trotzdem kommen. Die parkieren dann an der Hauptstrasse und werden gebüsst. Die Autofahrer werden im Wald und in den Feldwegen parkieren. Dann haben wir Zustände wie vor 50 Jahren, nur gibt es jetzt mehr Privatverkehr. Wir wollen diese Zustände nicht mehr.

Könnte nicht ein Teil der Tagestouristen zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr anreisen, damit es weniger Parkplätze braucht?
Das Angebot des öffentlichen Verkehrs ist ungenügend. Beispielsweise wurde die ÖV-Verbindung bei der Ruchmühle aus Kostengründen abgeschafft, andere wurden ausgedünnt, die nutzt praktisch niemand mehr. Zudem können Familien mit Kindern oder Ältere nicht so weit laufen. Ich wäre selbst auch betroffen. Um mit meinen Grosskindern zu Fuss an die Sense zu gelangen, ist mir die Strecke zu weit und zu gefährlich.

Das Bundesamt für Umwelt möchte die Auen für die Tier- und Pflanzenwelt erhalten und auch für künftige Generationen bewahren. Ist Ihnen die Zukunft egal?
Absolut nicht. Das ist heute ja bereits bestehend: Biber, Pflanzen und so weiter gibt es heute ja immer noch, gerade weil man die Erholungssuchenden durch die bestehende Besucherlenkung auf die beiden Parkplätze konzentriert. 95 Prozent der Sense sind ja auch ohne Abschaffung der Parkplätze immer noch Natur. Dazu sind die Plätze mit WC und Abfallsammelstelle ausgestattet. Die Menschen identifizieren sich übrigens sehr stark mit der Sense. Letztes Wochenende war eine Sense-Putzete. Bürger der anliegenden Gemeinden kommen seit Jahrzehnten freiwillig, um die Sense von Abfall zu reinigen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.10.2017, 16:31 Uhr

Zur Person

Andreas Kehrli, Sprecher der Interessengemeinschaft Sensegraben und Gemeinderat in Schwarzenburg.

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