Damit Bello gut gehütet ist

Dog- und Catsitting boomt. Das finden aber nicht alle gut. Ausgebildete Tierpfleger bemängeln die berufliche Qualifikation vieler Tierbetreuer.

Ursina Ammann wird freudig vom Hunderudel begrüsst.

Ursina Ammann wird freudig vom Hunderudel begrüsst. Bild: Adrian Moser

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Der schwarze Mops Bolle hüpft Ursina Ammann entgegen, als sie zum Rudel stösst. Husky Nuuk und der Chihuahua Django kommen ebenfalls zur Begrüssung. Die angeleinten Vierbeiner bellen freudig. Ammann streichelt jeden. Für die Hunde ist sie so etwas wie die Leithündin, zumindest heute. Ammann ist Geschäftsführerin des Hundehorts Hundesittingbern. Drei ihrer Mitarbeiterinnen sind mit den Hunden an die Aare gefahren. Der Reihe nach dürfen die Hunde nun baden gehen. Sie springen ins Wasser, tauchen nach einem Stöckchen und schütteln wieder an Land ihr Fell, dass die Tropfen weit herum stieben.

Dogsitting ist ein boomender Markt, und Ammann ist gerade daran, ihr Angebot auszubauen. Sie hat eine zusätzliche Tierpflegerin angestellt und plant, eine neue Anlage zu bauen, wo sie auch Ferienplätze für Hunde anbieten kann. «Entweder gibt es heute mehr Hunde als früher, oder die Besitzer sind nicht mehr bereit, den Hund einen Tag lang allein zu lassen», erklärt Ammann den Trend.

Umstrittene Ausbildung

Es muss Letzteres sein, denn laut der Berner Steuerbehörde leben seit Jahren etwa gleich viele Hunde in Bern: Rund 2800. Aber immer mehr Mütter sind berufstätig. So benötigt der Familienhund ebenso wie die Kinder einen Betreuungsplatz. Die Nachfrage nach einem Tagesplatz für den Hund ist durch die gesellschaftlichen Veränderungen zu einem Geschäftsmodell geworden. Daher bieten sich im Internet zahlreiche Menschen als Hunde- und Katzensitter an. Doch wer als Hundesitter mehr als fünf Hunde betreut, braucht seit Januar 2014 eine Bewilligung vom kantonalen Veterinäramt. Und diese erhält nur, wer eine Fachspezifische Berufsunabhängige Ausbildung (FBA) als Tierbetreuer hat.

«Ich musste selber werden wie ein Hund.»

Ursina Ammann, Hundetrainerin und Gründerin von Hundesitting Bern.

Vor allem in Tierpflegerkreisen ist die «Schnellbleiche» oder die «Tierpfleger-Ausbildung light» umstritten. Denn die Tierpflegerlehre mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) dauert drei Jahre. Die FBA-Ausbildung erfordert bloss ein dreimonatiges Praktikum und acht Kurstage. Danach dürfen die so ausgebildeten Tierbetreuer und Tierbetreuerinnen bis zu 19 Tiere in Pflege nehmen und damit Geld verdienen.

Ivan Schmid, der ein Tierheim führt, unterrichtet an FBA-Kursen. Er kritisiert, der Unterschied zum Beruf des Tierpflegers werde zu wenig betont. Nach aussen sind Tierpfleger und Tierbetreuer leicht zu verwechseln. «Das ist für die Tierpfleger nicht gut», sagt er. Viele Teilnehmer der FBA-Kurse brächten zudem nur wenig Erfahrung mit Tieren mit. Sie kämen aus dem Büro, aus der Transportbranche oder dem Gastgewerbe und wollten sich allein mit dem Wissen aus dem dreimonatigen Praktikum mit Tierbetreuung oder Tierzucht eine neue Existenz aufbauen.

Denken wie ein Hund

Ursina Ammann ist keine Tierpflegerin, sondern Hundetrainerin und FBA-Tierbetreuerin. Sie gibt Schmid aber recht. Ein dreimonatiges Praktikum reiche nicht, um mit einem Rudel Hunden umgehen zu können, sagt sie. Sie hat den professionellen Umgang mit Hunden in Finnland gelernt. Dort habe sie während dreier Jahre mehrtägige Touren mit Schlittenhunden geleitet. Zu ihrem Rudel gehörten damals 45 Hunde. Von diesen Huskys habe sie gelernt, wie Hunde kommunizieren und wie die Hierarchien in den Gruppen funktionieren. «Um die Tourgäste sicher durch sieben Tage Winter und Wildnis zu führen, musste ich selber werden wie ein Hund», erzählt sie. Als sie der Liebe wegen nach Bern kam, wollte Ammann weiterhin mit Hunden arbeiten: «Das kann ich, das ist meine Leidenschaft.» Also gründete sie den Hundehort.

Bundesrat forderte Kurs

Die Präsidentin des Tierpflegerverbandes, Iris Fankhauser, gewinnt den FBA-Kursen aber durchaus Positives ab. «Leute, die für die Betreuung ihres Hundes bezahlen, haben ein Recht darauf, dass ihr Tier in kompetente Hände kommt», sagt sie. So würde die wachsende Zahl von Pet-Sitting-Anbietern unter tierschützerischen Gesichtspunkten überwacht.

Der Verband hat die FBA-Kurse im Auftrag des Bundes ausgearbeitet und führt sie durch. Eine Konkurrenz für ausgebildete Tierpfleger seien die FBA-Tierbetreuer ohnehin nicht, sagt Fankhauser. Denn für diese sei es reizvoller, in grösseren Tierheimen und Zoos viele verschiedene Tiere und Tierarten zu pflegen. Und in Tierheimen mit mehr als 19 Plätzen müssen die Tiere unter der Verantwortung von Tierpflegern betreut werden.

(Der Bund)

Erstellt: 27.07.2018, 06:43 Uhr

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Für Katzen oder Nagetiere lassen sich in den Ferien oft Nachbarn finden, die das Tier in seinem gewohnten Umfeld besuchen. Auch professionelle Tiersitter bieten solche Dienste an. Doch gerade diese müssen rechtzeitig verpflichtet werden, damit sich während der Ferien der Besitzer jemand um das Tier kümmert. Denn viele haben einen festen Kundenstamm, und in den klassischen Ferienzeiten ist Hochsaison.

Für Hunde kann ein Tierheim oder ein Hort als Ferienplatz geeignet sein. Denn Hunde sind Rudeltiere und mögen den Kontakt mit Artgenossen meistens. Doch der Platz sollte früh gesucht und gut ausgewählt sein. Die Hundetrainerin Ursina Ammann weiss von Hunden, die mit schweren Verletzungen oder Verhaltensstörungen aus dem Ferienheim zurückkamen. Sie empfiehlt, den Platz zwingend zusammen mit dem Hund vorher zu besichtigen.

«Dabei sollte man auf die Stimmung achten, und ob das eigene Tier dorthin passt», sagt sie. Zudem sollten die Betreuer mindestens die FBA-Ausbildung (siehe Text nebenan) aufweisen. Wolle ein Anbieter seine Türen nicht öffnen oder wirke die Anlage schmutzig und die Tiere nervös, dann sollte man für seinen Hund eine andere Lösung suchen.

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