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«Co-Teaching» soll bei Integration helfen

Der Lehrerverband fordert mehr Geld für die Heilpädagogik-Ausbildung.

Für eine erfolgreiche Integration brauche es nicht in jedem Fall Speziallehrkräfte, findet Bernhard Pulver.
Für eine erfolgreiche Integration brauche es nicht in jedem Fall Speziallehrkräfte, findet Bernhard Pulver.
Sabina Bobst

Kinder mit einer Behinderung, mit Sprachschwierigkeiten oder mit einer besonderen Begabung sollen «in der Regel» eine gewöhnliche Schulklasse besuchen. Dies geht aus dem viel diskutierten Integrationsartikel im bernischen Volksschulgesetz hervor. Um diesen Kindern gerecht zu werden, dürfen die Schulen Speziallehrkräfte einsetzen, zum Beispiel Heilpädagogen, die dann während einzelner Lektionen gemeinsam mit der Klassenlehrerin unterrichten.

Was in der Theorie gut klingt, funktioniert in der Praxis noch nicht überall. So hat im vergangenen Jahr eine Lehrergruppierung aus Ostermundigen der bernischen Erziehungsdirektion einen von 800 Lehrerinnen und Lehrern unterzeichneten Brief zukommen lassen, in dem das heutige System mit den Zusatzlektionen als «Flickwerk» bezeichnet wird. Ein paar Zusatzlektionen mit einer Speziallehrkraft reichten für eine erfolgreiche Integration nicht aus. Die Forderung im Brief: Schwierige Klassen sollen in der Unterstufe im sogenannten Teamteaching, das heisst von zwei Lehrkräften mit insgesamt 150 Stellenprozenten unterrichtet werden dürfen.

Der Vorschlag, mit dem Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) gestern vor die Medien getreten ist, ist auch eine Reaktion auf diesen Brief: Er möchte, dass die für die Integration von förderbedürftigen Kindern vorgesehenen Lektionen nicht mehr nur von ausgebildeten Speziallehrkräften gehalten werden dürfen, sondern auch von gewöhnlichen Lehrerinnen und Lehrern. Mit dem Co-Teaching, wie die neue Möglichkeit heissen soll, bekämen die Schulleitungen «noch mehr Flexibilität, vor Ort optimale Lösungen zu finden», sagte Pulver.

Co-Teaching aus der Not heraus

Wie viel sich in der Praxis damit ändern wird, ist unklar. Einerseits bleibt die Forderung der Lehrergruppierung aus Ostermundigen nach mehr Stellenprozenten pro Klasse unerfüllt. Mehr Geld zu sprechen, sei nicht möglich, sagte Pulver. Damit wird es auch nicht mehr Zusatzlektionen geben als bisher. Andererseits praktizieren etliche Schulen das Co-Teaching bereits heute – aus einer Not heraus. Es gibt nämlich viel zu wenige Heilpädagogen. Laut der Erziehungsdirektion werden heute etwa 40 Prozent der Förderlektionen von Lehrerinnen und Lehrern abgehalten, die dafür nicht ausgebildet sind.

Entsprechend zwiegespalten fällt die Reaktion des Berufsverbands Bildung Bern aus, der sowohl die Lehrerinnen wie auch die Heilpädagogen vertritt. «Wir begrüssen es, wenn die Förderlektionen flexibler eingesetzt werden können», sagt Stefan Wittwer, Co-Leiter Pädagogik. «Die neue Möglichkeit darf aber nicht dazu dienen, den Fachkräftemangel zu kaschieren. Es braucht trotzdem Massnahmen, um das Heilpädagogikstudium attraktiver zu machen.» Konkret fordert Witter, dass sich der Kanton finanziell an der Ausbildung beteiligt.

Studiengang wird geöffnet

Pulver betonte, dass es primär darum gehe, den Schulen eine zusätzliche Möglichkeit zu geben, Schüler mit Förderbedarf erfolgreich zu integrieren. Bei den Bemühungen, den Heilpädagogenmangel zu beseitigen, werde er nicht nachlassen. Er habe die Verwaltung bereits beauftragt, zu prüfen, wie der Kanton Lehrer finanziell unterstützen könnte, die berufsbegleitend Heilpädagogik studieren wollen. Weiter wird der Heilpädagogik-Studiengang ab dem kommenden Sommer nicht mehr nur für Lehrerinnen und Lehrer offen stehen. Dies allerdings stört Bildung Bern: «Es ist für die Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen von zentraler Bedeutung, dass die Heilpädagogen über Unterrichtserfahrung verfügen», sagt Witter.

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