Columbus entdeckte auch die Panzerbeere

Herbstzeit ist Kürbiszeit. Doch noch nicht lange ist es her, war das Gemüse auf den Tellern verpönt.

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Sie gehören zu den bekanntesten Herbstboten und sind zurzeit wieder in aller Munde, die bunten Kürbisse. Von Kantinen bis Spitzenköche setzt sie gerade jeder wieder auf die Karte, die grosse Beere.

Ein buchstäblich grosser Kürbisfan ist Matthias Leuenberger. Der Landwirt aus Leimiswil im Oberaargau pflanzt mehr als 100 Sorten an, welche er über seinen Hofladen verkauft. Seit 1999 baut er die Panzerbeeren an: «Anfangs waren fast nur Zierkürbisse gefragt – in der Zwischenzeit hat sich der Speisekürbis aber zu einem gefragten Gemüse entwickelt», erzählt er. Auf eine Frucht ist er besonders stolz: seinen 442,6 Kilo schweren Riesenkürbis der Sorte Atlantic Giant. Dieses Jahr reiste er erstmals Ende September nach Jona, um dort an der Schweizer Meisterschaft im Kürbiswiegen teilzunehmen. Für den Transport wurde extra ein Anhänger organisiert. Leider reichte es nur für den siebten Platz – aber immerhin wurde er bester Berner.

Der Siegerkürbis brachte 790 Kilo auf die Waage. Leuenberger versichert, dass sein Kürbis ohne künstliches Doping so gross geworden sei, nur durch regelmässiges und konstantes Wassergeben und ausgewogene, organische Erde. Doch hat er extra einen Gemüsetunnel für den Monster-Kürbis aufgebaut, damit er stets ähnlichen Temperaturen ausgesetzt war. Während der Wachstumsphase seien die Pflanzen dann sehr pflegeleicht. Verspeisen will er den Riesenkürbis übrigens nicht, stattdessen soll er auf seinen Hofladen aufmerksam machen.

Columbus war ein Fan

Dass der Kürbis bei den Bernern immer beliebter wird, bestätigen auch die Zahlen der Schweizerischen Zentralstelle für Gemüsebau und Spezialkulturen. Wurden der Meldestelle im Jahr 2009 noch 10,2 Hektaren Kürbisanbaufläche im Kanton Bern gemeldet, waren es letztes Jahr schon 60 Hektaren. Die Zahlen sind aber nicht vollständig und mit Vorsicht zu geniessen. Wer seine Kürbisse direkt ab Hof verkauft, wird nicht immer von der Zentralstelle erfasst.

Als einer der ersten bekannten Kürbisfans gilt Christoph Columbus. Bei seiner Ankunft in Amerika soll er sich begeistert von den Kürbisgewächsen gezeigt haben, so heisst es in der Überlieferung. Zusammen mit den Eroberern der Neuen Welt überquerten die Kürbisse danach das Meer und kamen nach Europa, die Portugiesen brachten sie nach Angola und Moçambique, von dort gelangen sie nach Indien, Indonesien und China, bevor sie über den Umweg über das Ottomanische Reich und den Balkan wieder nach Europa zurückkamen. Innerhalb eines halben Jahrhunderts umrundeten die Kürbisgewächse die Welt und akklimatisierten sich überall.

Doch geliebt wurde das Gewächs deswegen noch lange nicht allerorts: «Sie taugen zu nichts anderem als zu Suppe mit Milch», schimpfte etwa der Kochbuchautor Menon im Jahr 1774 in seinem frühen Standardwerk der französischen Kochkunst «La Cuisinière bourgeoise». Vielerorts galt die Frucht als Arme-Leute-Essen. Und so ass bis vor über 100 Jahren die Frucht nur, wer wirklich Hunger hatte. Und auch das Vieh bekam den Kürbis in den Trog.

Ab 1970 findet der Kürbis dann seinen Weg auf die Schweizer Teller. Ein Artikel in der «Schweizer Illustrierten» ruft dazu auf, den Kürbis zu probieren. «Kürbis eignet sich vorzüglich als Diät und Schlankheitskost», heisst es da. Weiter entnimmt man der Illustrierten, dass die besten Rezepte aus Amerika kommen, doch auch in der Schweiz gebe es welche, die «leider viel zu wenig bekannt sind». Genannt wird der süss-saure Kürbisschnitz, den man beispielsweise zu Siedfleisch oder Schaf servieren könne.

Warum erlangte das Gewächs dann aber eine solche Popularität? Das sei schwer zu sagen, sagt Hans Ramseier, Dozent für Pflanzenschutz und Ökoausgleich an der Berner Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften. Es handle sich aber sicher um ein «Trendgemüse». Der Kürbis habe anfangs noch als exotisch gegolten. Doch dass er den Ruf geniesse, gesund und gleichzeitig schmackhaft zu sein, habe sicher geholfen. «Auf einmal fanden einfach fast alle Kürbissuppe gut», erinnert er sich.

«Tollpatschige Frau»

In der europäischen Tradition ist das Bild der Kürbisgewächse aber noch immer eher negativ besetzt. In Frankreich bedeutet «gourde», ein viel verwendeter Name für Kürbisgewächse, umgangssprachlich «dumme oder tollpatschige Frau». In Griechenland nennt man jemanden mit beschränkter Auffassungsgabe einen Kürbis. In anderen Kulturen wird das Gewächs aber auch mit Positivem in Verbindung gebracht: In Afrika zum Beispiel steht in gewissen Kulturen der Kürbissamen als Symbol für Intelligenz und Fruchtbarkeit. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.10.2018, 06:50 Uhr

Auch als Schwimmhilfe

...oder als Musikinstrument genutzt.

Kürbisse gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Archäologische Funde aus der Zeit 12000 vor Christus belegen, dass schon die steinzeitlichen Bewohner in Mexiko verschiedene Kürbissorten zu ihren Nahrungsmitteln zählten. Später galt der Kürbis in den südamerikanischen Hochkulturen der Mayas und Azteken als Grundnahrungsmittel.

Im ersten überlieferten Kochbuch Europas sind mehrere Kürbisrezepte zu finden. Der römische Autor Apicius schrieb zudem, dass die Schale der Kürbisse beim Trocknen hart werde und sich so eigne, um verschiedenste Dinge daraus herzustellen. So nutzten die alten Römer die Kürbisse auch als Behälter und bastelten schon damals Masken und Vogelkäfige daraus. Aber auch als Musikinstrument und gar als Schwimmreif für Kinder soll der Kürbis verwendet worden sein. Apicius meinte aber damals wohl nicht den Kürbis, den wir heute verspeisen, sondern den Flaschenkürbis.

Dessen Ursprungsgebiet wird im Gegensatz zu jenem, den wir heute gern essen, in Afrika vermutet. Die Kürbisse haben damit eine zweifache Abstammung. Doch auch in Südamerika nutzen die Mate-Trinker den Kürbis als Gefäss – wobei das Wort «Mate» sowohl das Getränk als auch das Trinkgefäss bezeichnet.

Mit der Zucchini verwandt
Die Kürbisgewächse, lateinisch Cucurbitaceae, sind eine Familie der sogenannten bedecktsamigen Pflanzen. Sie umfassen rund 800 Arten in insgesamt 130 Gattungen. Auch die Zucchini zählt zu den Kürbissorten. Typisch für den Kürbis sind die oft sehr grossen, fleischigen Früchte. Die einzelnen Kürbissorten unterscheiden sich aber sehr in Farbe und Form. Am bekanntesten sind in der Schweizer Küche der Hokkaido, der auch an Halloween ausgehöhlt wird, der Butternut und der Spaghetti-Kürbis.

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