Cannabis-Schnelltests liegen noch in ferner Zukunft

Legales Cannabis verkauft sich in Bern wie frische Weggli, ist aber kaum von illegalem unterscheidbar. Schnelltests, wie sie der Polizeiverband fordert, würden auch den Konsumenten entgegenkommen.

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Die Verkäuferin in der Coop-Filiale im Berner Bahnhof hat für die Frage nur ein müdes Lächeln übrig. «Hanfzigaretten? Die waren schon am Montag ausverkauft.» Ähnlich klingt es auch beim Tabakhändler in der Innenstadt. Seit Montag hat Coop die Hanfzigaretten flächendeckend ins Sortiment aufgenommen. Sie enthalten viel von dem beruhigenden Wirkstoff Cannabidiol (CBD) und nur wenig vom berauschenden THC – und sind damit legal. «Die Nachfrage war grösser als erwartet», sagt Coop-Mediensprecher Ramón Gander auf Anfrage. «Die Heimat-Zigaretten waren sehr schnell ausverkauft.»

Immer Ärger mit dem Cannabis

CBD boomt nicht erst, seit Coop die Hanfzigaretten im Sortiment hat. CBD-haltige Produkte gibt es in allen möglichen Formen, ob Tropfen, Öle, oder Salben. Schwierigkeiten kristallisieren sich aber mehr und mehr bei den rauchbaren Hanfblüten heraus. Vom Geruch und vom Aussehen her ist es unmöglich, sie vom illegalen Hanf mit höherem THC-Gehalt zu unterscheiden. Eine undankbare Situation für die Polizei, kritisierte kürzlich Max Hofmann vom Verband der Schweizer Polizeibeamten und forderte die Einführung von Schnelltests (der «Bund» berichtete). Bereits Anfang Jahr wurde bekannt, dass auch die Berner Konsumenten mit der Situation alles andere als glücklich sind. Wer mit mehr als 10 Gramm Gras in eine Polizeikontrolle gerät, erhält eine Busse. Zurückgezahlt wird sie erst, wenn eine Laboranalyse beweist, dass im Joint nur legales CBD war. «Entsprechende Produkte werden im Zweifelsfall gleich behandelt wie illegales Cannabis», sagt Dominik Jäggi von der Kantonspolizei Bern.

«Wenn wir einen Schnelltest hätten, wäre der schon längst auf dem Markt.»Wolfgang Weinmann, Toxikologe

Diese Praxis hat zumindest einmal schon für Ärger gesorgt: als die Staatsanwaltschaft nach einer Polizeikontrolle eine Hausdurchsuchung bei einem Verdächtigen anordnete, bevor klar war, ob der Hanf überhaupt illegal war. Der Betroffene wehrte sich vor Obergericht – und bekam Recht. «Was bleibt, ist, dass die Polizisten (zu Unrecht) daran zweifelten, dass in der Packung drin war, was auch drauf stand», heisst es im Obergerichtsbeschluss vom Mai dieses Jahres.

Testen oder Rauchen

Ist in der Packung drin, was draufsteht? Der geforderte Schnelltest klingt da wie die Lösung aller Probleme. Doch so einfach ist die Sache nicht. «Wenn wir einen Schnelltest hätten, wäre der schon längst patentiert und auf dem Markt», sagt Toxikologe Wolfgang Weinmann vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern. Denn CBD-Hanf und die legalen Hanfzigaretten enthalten eben auch einen geringen Anteil an THC. Es gilt zu testen, ob der legale Grenzwert von 1 Prozent THC-Gehalt überschritten werde. Und das ist kaum möglich, so Weinmann, ohne den Stoff zu extrahieren und auf die Einzelsubstanzen zu testen, was im Labor geschehen muss. Rauchen kann man das nachher nicht mehr – was Konsumenten und Konsumentinnen, welche hohe Preise für CBD-Hanf zahlen, kaum Freude machen dürfte. Ausserhalb der Schweiz ist die Unterscheidung zwischen CBD und THC kaum ein Thema, ein entsprechender Test müsste also in der Schweiz entwickelt werden. Dass also in absehbarer Zukunft ein Schnelltest entwickelt wird, hält Weinmann für unwahrscheinlich. «Mir wäre nicht bekannt, dass irgendwo entsprechende Forschungen laufen», sagt Weinmann. Zudem sei er überzeugt, dass der «Hype» um die CBD-Zigaretten sich bald wieder legen werde.

Vorerst ist davon in Bern nichts zu spüren. Man erwarte weitere Lieferungen der Hanfzigaretten, heisst es bei Coop. Die Zukunft könnte allerdings auch anderes bringen, wie eine Anfrage bei der Berner Hanftheke ergibt, die vor einem Jahr als eines der ersten Geschäfte in Bern CBD-Produkte auf den Markt brachte. In den ersten Tagen habe es einen ähnlichen Andrang auf die rauchbaren Blüten gegeben, so Daniele Schibano, Geschäftsführer der Betreiberfirma Swiss Cannabis SA. «Inzwischen erzielen wir mit CBD-Tropfen aber einen grösseren Umsatz als mit den Blüten.» (Der Bund)

Erstellt: 27.07.2017, 06:38 Uhr

Cannabidiol

Cannabidiol, kurz CBD, untersteht nicht dem Betäubungsmittelgesetz, da es keine berauschende Wirkung hat. Der Stoff wird aus dem weiblichen Hanf gewonnen und soll beruhigend wirken.

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