Cannabis-Schnelltest in der Pipeline

Weil es legalen und illegalen Hanf gibt, kommt es bei Polizeikontrollen immer wieder zu Zweifelsfällen. Nun wird ein einfacher Schnelltest, der Abhilfe schaffen könnte, am Institut für Rechtsmedizin erprobt.

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Legales Cannabis befindet sich als «Tabakersatz» im Aufwind. Die Palette von Produkten, die in der Schweiz verkauft werden dürfen, wird immer breiter. THC-Hanf, das einen Rausch verursacht, ist illegal, CBD-Hanf ist erlaubt, sofern dieser nicht mehr als 1,0 Prozent THC aufweist. In der Praxis stellt die Kontrolle die Polizei jedoch vor Schwierigkeiten, denn in Aussehen und Geruch ist kein Unterschied festzustellen. Es braucht eine aufwendige Laboranalyse, um zu vermeiden, dass Unschuldige gebüsst werden. Den Spreu vom Weizen zu trennen, könnte für die Polizei bald viel einfacher werden. Ein nass-chemischer Schnelltest für die Unterscheidung von THC- und CBD-Hanf ist in der Erprobungsphase. «Der Schnelltest ist relativ simpel in der Anwendung, die Resultate sind bis jetzt vielversprechend», sagt der Chemiker Wolfgang Weinmann vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern, wo die Methode überprüft wird. Blau heisst büssen

Wie funktioniert das Verfahren, das am Forensischen Institut Zürich entwickelt wurde? In einem Kunststoffbeutel befinden sich zwei kleine Ampullen mit unterschiedlichen Flüssigkeiten. Die Laborantin gibt eine kleine Menge Cannabis in den Beutel und verschliesst ihn. «Einige Krümel reichen aus», sagt Weinmann. Anschliessend werden die gläsernen Ampullen im Beutel zerbrochen; da sie mit kleinen Silikonschläuchen im Beutel ummantelt sind, besteht keine Verletzungsgefahr. Nun schüttelt sie den Beutel. Schon nach wenigen Sekunden verfärbt sich die Lösung. Wird sie blau, so handelt es sich um Drogenhanf, wird die Flüssigkeit violett, so befindet sich Cannabis mit dem Wirkstoff CBD, dem eine beruhigende Wirkung zugeschrieben wird, im Beutel.

Bis jetzt hat der Test bei der Anwendung recht zuverlässig funktioniert, wie Weinmann erklärt. «Die Validierung der Methode ist aber noch nicht beendet. Wir werden noch weitere Hanfproben testen.» Hanfproben erhält das Institut von der Kantonspolizei Bern regelmässig zur Analyse, meist illegale, inzwischen vermehrt auch CBD-Hanf. Konkret geht es nun um Fachbegriffe wie Sensitivität und Spezifität. Die Spezifität gibt Auskunft darüber, wie viele Proben falsch positiv ausfallen. Eine Spezifität von 95 Prozent würde also bedeuten, dass in 5 von 100 Fällen der Test ein falsch positives Resultat geliefert hat, obwohl ein THC-Gehalt von unter 1 Prozent vorlag. Bei der Sensitivität stellt sich die Frage, ab welchem THC-Gehalt sich die Flüssigkeit schon blau verfärbt. «Es braucht eine hohe Sensitivität», sagt Weinmann, «denn ein THC-Gehalt von 1,0 Prozent oder mehr ist illegal.»

Ein anderes Verfahren, welches mit Naher-Infrarot-Spektroskopie arbeitet, wird derzeit in Lausanne entwickelt. Das Gerät könnte als portable Einheit in Fahrzeugen oder vor Ort zum Einsatz gelangen, jedoch liegen die Anschaffungskosten im Bereich von ca. 20'000 Franken.

Schneller und auch günstiger

Im Kanton Zürich erproben Polizisten den im Bild gezeigten Test in der Praxis auf seine Tauglichkeit. Über eine definitive Einführung wurde noch nicht entschieden. Das Forensische Institut in Zürich führte umfangreiche Tests mit verschiedenen Hanfsorten durch. Es sei «absolut perfekt» gelaufen, sagt der Hersteller der Tests, Reto Muggler von der Firma CA-RE Trade in Schönenberg ZH. «Der Test reagiert sehr genau.» Das Forensische Institut gibt die exakte Zusammensetzung und Dosierung der Flüssigkeiten vor. Für die Polizeiarbeit bedeutet der Schnelltest eine starke Rationalisierung und Vereinfachung. Eine Laboranalyse kommt auf 300 Franken zu stehen, der Schnelltest dagegen kostet laut Muggler nur «einige wenige Franken». Bereits wurde der Test an einem Meeting Vertretern verschiedener Polizeikorps vorgeführt, er stiess auf reges Interesse. Auch Spezialisten der Kantonspolizei Bern nahmen teil. Begrüsst würde eine Einführung der Schnelltests vom Verband Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB), wie deren Präsidentin Johanna Bundi Ryser auf Anfrage erklärt. «Wir fordern wegen der Problematik mit CBD-Produkten schon seit längerem einen Schnelltest.» Es gibt immer wieder Fälle, bei denen nachträglich festgestellt wird, dass das Cannabis legal war. Bei Kontrollen kommt es nicht selten zu langen Diskussionen. «Für die Polizisten an der Front ist die derzeitige Situation unhaltbar», sagt Bundi Ryser. (Der Bund)

Erstellt: 14.10.2017, 08:18 Uhr

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