Cannabisanbau: Einträgliches Geschäft mit Tücken

Immer mehr Berner Bauern sind am Anbau von legalem Cannabis interessiert. Doch die unsichere Rechtslage stellt die Landwirte vor Probleme. Viele wissen nicht, welche Hanfsorten erlaubt sind.

Angebaut: CBD-haltige Cannabispflanzen.

Angebaut: CBD-haltige Cannabispflanzen. Bild: Adrian Moser

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Die neuen Hanfzigaretten stellen nicht nur die Polizei vor Schwierigkeiten. Auch die, die das in den Zigaretten verarbeitete Cannabis anbauen, sind verunsichert. Zwar fragen mehr und mehr Bauern beim Berner Bauernverband an, ob und wie im Kanton Bern THC-armer Cannabis produziert werden darf. Doch für dessen Geschäftsführer, Andreas Wyss, ist es schwierig, Ratschläge zu erteilen. «Wer Cannabis produziert, der wagt sich in ein Wildwest-Business», sagt Wyss.

Er spricht vom Wilden Westen, weil auf dem noch ungesättigten Hanfmarkt dank hohen Margen gutes Geld verdient werden kann. Doch auch das Risiko ist gross. «Es sind sehr viele Fragen ungeklärt», sagt Wyss. So gebe es etwa keine offizielle Schweizer Liste der Hanfsorten, die legal angebaut werden dürfen. Zudem könne ein Cannabis-Feld schnell zum Sicherheitsproblem werden. Niemand sieht laut Wyss den Pflanzen den tiefen THC-Gehalt an. Man sei deshalb gezwungen, die Stauden vor Dieben zu schützen. Und: Man müsse damit rechnen, selber angezeigt zu werden. «Dann muss man plötzlich beweisen können, dass in den Pflanzen wirklich nicht zu viel THC drin ist.»

Wyss fordert deshalb klärende Worte von den Behörden und sagt: «Wir müssen wissen, was legal ist.» Grundsätzlich sei die Hanfpflanze gut geeignet, um auf den Schweizer Feldern angebaut zu werden. Sie wächst sehr robust und liefert auch einen hohen Ertrag. Gleichzeitig dürfe man das Potenzial für die Schweizer Landwirtschaft aber auch nicht überschätzen: 50 bis 70 Hektaren seien nötig, um alle Schweizer Kiffer zu beliefern – angenommen, diese würden nur noch THC-armes Cannabis rauchen. Das entspricht der Fläche der Stadt Bern.

Grüne kämpfen für Legalisierung

Trotzdem wollen die Berner Bauern nicht als Hanflegalisierer gesehen werden. «Wir produzieren, was wir dürfen und was nachgefragt wird», sagt Wyss. Die Regeln dazu sollten laut Wyss von den Politikern und Politikerinnen festgelegt werden.

Und die sind nicht untätig geblieben. Die Grüne Nationalrätin Maya Graf aus Sissach (BL) hat vor wenigen Tagen einen Vorstoss eingereicht, der auch die Legalisierung von potentem Cannabis fordert. Graf begründet ihren neusten Vorstoss damit, dass das strikte Cannabisverbot gescheitert sei und jährlich Kosten in der Höhe von 300 Millionen Franken verursache – mit den aufwendigen Kontrollen für das THC-arme Cannabis könnte dieser Betrag sogar noch steigen.

Doch obwohl 300'000 Schweizer und Schweizerinnen regelmässig Cannabis rauchen: Straffreies Kiffen hatte bisher im Parlament und beim Volk einen schweren Stand. Im Nationalrat wurde eine entsprechende Vorlage zuletzt im Jahr 2001 abgelehnt. 2008 sagte dann auch das Stimmvolk mit 63 Prozent klar Nein zur Legalisierung von Cannabis. (Der Bund)

Erstellt: 27.07.2017, 06:38 Uhr

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