Die BLS will bis zu 200 Arbeitsplätze abbauen

Das Berner Bahnunternehmen will bis ins Jahr 2023 die jährlichen Kosten um 50 bis 60 Millionen Franken senken. Dafür opfert sie jede 14. Stelle. Besonders hart treffen dürfte es Bern.

Nicht überall fallen Stellen weg. So will die BLS etwa trotz Sparmassnahmen neue Lokführer anstellen.

Nicht überall fallen Stellen weg. So will die BLS etwa trotz Sparmassnahmen neue Lokführer anstellen. Bild: Raphael Moser/Keystone

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Die BLS will sparen. Und zwar massiv. Um 50 bis 60 Millionen will das Bahnunternehmen ab 2023 die jährlichen Kosten senken. Das sind rund 8 Prozent der aktuellen Ausgaben. Klar, dass eine solche Sparübung – oder Effizienzsteigerung, wie es das Unternehmen nennt – nicht ohne einschneidende Massnahmen beim Personal umgesetzt werden kann. Ein Drittel der Einsparungen soll bei den Personalkosten erfolgen. Bis zu 200 Stellen könnten dem Rotstift zum Opfer fallen. Damit würde jeder 14. Arbeitsplatz wegfallen.

Besonders hart dürfte es den Hauptsitz in Bern treffen. Hier arbeiten mit Abstand die meisten Leute. Der Personalverband Transfair schätzt zudem, dass die geplante Digitalisierung und Automatisierung vor allem das Verwaltungspersonal treffen werde. Die Gewerkschaft SEV vermutet, dass auch die Zahl der Bedienpunkte und Reisezentren schwinden könnte. Beides scheint plausibel zu sein. Denn in den Werkstätten und bei den Zugbegleitern hat das Unternehmen nur wenig Spielraum.

Im Gespräch mit dem «Bund» sagt BLS-Chef Bernard Guillelmon sogar, das Unternehmen werde unter anderem im operativen Geschäft wachsen, sprich: mehr Lokführer, mehr Zugbegleiter und mehr Mechaniker einstellen. In diesen Bereichen sei mit Automatisierung derzeit nicht mehr viel zu holen, so Guillelmon. Anders sehe es in der Verwaltung aus. Dort könnten einzelne Bereiche besser aufgestellt werden, sagte Guillelmon. Details zu den geplanten Massnahmen wird die BLS bis Februar 2019 festlegen und kommunizieren. Der BLS-Chef zeigte sich aber überzeugt, dass der grösste Teil des Stellenabbaus über die natürliche Fluktuation erfolgen werde. Einzelne Kündigungen wollte Guillelmon aber nicht ausschliessen.

Geld für neue Projekte

In akuter wirtschaftlicher Not ist die BLS nicht. Letztes Jahr hat sie einen Konzerngewinn von 15 Millionen Franken erwirtschaftet. Im Jahr davor waren es sogar noch leicht mehr. 2017 hat die BLS sogar noch fast 70 neue Stellen geschaffen. Weshalb also hat das Bahnunternehmen auf Sparkurs umgeschwenkt?

Ziel der geplanten Massnahmen ist es einerseits, das Unternehmen für den Wettbewerb fit zu machen: Im Gütergeschäft kommen die direkten Konkurrenten auch aus dem Ausland, weshalb die BLS im derzeitigen Währungsumfeld eher einen schweren Stand hat. Und im Personenverkehr drehen Besteller wie Bund und Kantone die Schraube zusehends enger. Darüber hinaus geht es der BLS auch darum, ihre Vorwärtsstrategie zu finanzieren. Die Gesellschaft muss Mittel zur Verfügung haben, um Projekte im digitalen Vertrieb, im Ticketing und im Bereich neues Rollmaterial zu finanzieren.

Guillelmon macht zudem einen Zusammenhang geltend zwischen den gestern kommunizierten Plänen und der umkämpften Vergabe der Fernverkehrslinien vom Frühling. «Unser Ziel war es, fünf neue Linien anbieten zu können. So hätten wir die Fixkosten, die bei uns so oder so anfallen, auf mehr Linien verteilen können. Die Frage nach einer Effizienzsteigerung wäre damit nicht mehr ganz so akut gewesen.»

SBB haben vorgelegt

Aus heiterem Himmel kam die Ankündigung gestern nicht. Schliesslich hat die grosse Konkurrentin SBB ihrerseits vor zwei Jahren ein Sparpaket angekündigt. Die Bundesbahnen wollen mit ihrem «Railfit 20/30» genannten Programm bis 2020 insgesamt 1,2 Milliarden Franken an Kosten sparen und den Personalbestand um gut 4 Prozent oder 1400 Arbeitsstellen reduzieren. (Der Bund)

Erstellt: 07.11.2018, 12:45 Uhr

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