BLS prüft neue Ausgangslage

Die BLS bewarb sich um fünf Fernverkehrslinien, von denen drei Gewinn bringen sollten. Nun soll sie zwei Linien erhalten, von denen sie die eine als nicht rentabel bezeichnet.

SBB und BLS im Wettbewerb: Beim Fernverkehr sollen die SBB zwei Linien an die BLS abgeben.

SBB und BLS im Wettbewerb: Beim Fernverkehr sollen die SBB zwei Linien an die BLS abgeben. Bild: Franziska Rothenbühler

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Fünf Fernverkehrslinien wollte die BLS künftig betreiben, doch nur zwei davon will ihr das Bundesamt für Verkehr (BAV) zuteilen. Die BLS soll die beiden Strecken Bern–Biel und Bern–Burgdorf–Olten übernehmen. Die Beteiligten können nun bis zum 23. Mai zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen. Im Vorfeld hatte die BLS stets betont, das von ihr eingereichte Konzept mit fünf Linien sei ein austariertes Paket.

Es enthalte drei gewinn- und zwei verlustbringende Strecken und sei insgesamt rentabel. Über das vom BAV zurückgestutzte Konzept zeigte sich die BLS in einer ersten Reaktion enttäuscht. Man werde dieses nun analysieren. Damit lässt die BLS die Frage vorerst offen, ob für sie der Einstieg in den Fernverkehr mit nur zwei Linien attraktiv ist und ob sie sich mit dem Vorschlag des BAV zufrieden geben wird.

Unklar wäre auf jeden Fall das weitere Vorgehen, wenn die Bahn in den kommenden Wochen zum Schluss käme, unter diesen Umständen ihr Angebot zurückziehen zu wollen. Gemäss dem BAV ist das bisher nicht vorgekommen, die Bahn würde einen Präzedenzfall schaffen. In grosse Not käme das BAV allerdings sowieso kaum, denn auch die SBB hatten sich für die Strecken beworben und könnten diese wohl problemlos übernehmen. Klar ist aber: Das BAV will die Verfügung im Sommer eröffnen, und diese ist anfechtbar. Die BLS könnte sich also beim Bundesverwaltungsgericht gegen den Entscheid beschweren.

Insgesamt «finanziell tragbar»

Das BAV hält fest: Wenn es ein Gesuch abändere, so achte es darauf, dass diese Änderung betrieblich und finanziell tragbar sei. Das BAV geht also davon aus, dass auch das abgespeckte Paket für die BLS rentabel ist. In den Anhörungsunterlagen fasst es die Einschätzungen von SBB und BLS zusammen: Beide Unternehmen gehen davon aus, dass die eine Linie, nämlich jene von Bern nach Biel, Gewinn abwirft. Allerdings rechnet die BLS aufgrund von Markteinstiegs- und Personalkosten erst ab dem Jahr 2025 mit einem positiven Ergebnis.

Bei der zweiten Strecke kommen SBB und BLS zu unterschiedlichen Ergebnissen. Gemäss der BLS wird die Linie Bern–Burgdorf–Olten ein negatives Ergebnis ausweisen. Die SBB hingegen erwarten für dieselbe Strecke eine schwarze Null.

Wenig Unterschied für Passagiere

Aus Sicht der Zugpassagiere mache es höchstens einen kleinen Unterschied aus, ob die Strecken von der BLS oder von den SBB betrieben werden, sagt Kaspar P. Woker vom Fahrgastverband Pro Bahn. Positiv sei, dass die BLS angekündigt habe, auf diesen Linien Zugbegleiter einzusetzen. Wenn sich die BLS nun vorerst mit diesen zwei Linien zufrieden gebe, so könne sie sich auf die nächste Vergabe vorbereiten und sich für diese weitere Chancen ausrechnen, hält Woker fest.

Aus Berner Kundensicht sei es zudem zu begrüssen, wenn sich die BLS am Fernverkehr beteilige, denn ein starkes Bahnunternehmen im Raum Bern komme auch den Passagieren zugute. Dass das BAV dem Gesuch der BLS nur teilweise entsprechen will, dafür hat Woker Verständnis: Für die nun vorgesehenen Strecken ist die BLS gemäss eigenen Angaben ab Beginn der Konzession, also ab Fahrplanwechsel Ende 2019 startklar. Die Intercity-Linie von Basel nach Brig, die sie ebenfalls übernehmen wollte, könnte sie hingegen erst ab 2025 betreiben, weil erst dann die nötigen Züge bereitstünden. Dann sei aber ein grosser Teil der zehnjährigen Konzessionsdauer bereits abgelaufen, so Woker.

Insgesamt habe die Wettbewerbssituation bei der Konzessionsvergabe der Branche einen Schub gegeben, lobt Woker. Das habe auch für die Kunden zu Verbesserungen geführt, so sei etwa die Gotthard-Bergstrecke optimiert worden. Auch das BAV hält fest, dass die Konkurrenzsituation zu hochwertigeren Angeboten geführt habe. Als gute Nachricht bezeichnet Woker zudem, dass für die SBB die Umsatzrendite im Fernverkehr beschränkt werde und sie ab einer gewissen Limite im Fernverkehr künftig entweder die Billettpreise vergünstigen oder sich stärker an den Infrastrukturkosten beteiligen müssten. (Der Bund)

Erstellt: 20.04.2018, 20:56 Uhr

Artikel zum Thema

Die SBB gehen als Sieger vom Platz

Kommentar Mit den beiden Regioexpress-Linien, die der BLS zufallen, bedankt sich das Bundesamt für Verkehr bei der BLS fürs Mitmachen. Mehr...

Wettbewerb im Bahn-Fernverkehr

Die Linien von Bern nach Biel und von Bern nach Olten betreibt künftig die BLS statt die SBB. Mit dem Kompromiss sind weder BLS noch SBB zufrieden. Mehr...

BLS soll nach Olten fahren, aber nicht nach Basel

Video Das Fernverkehrs-Monopol der SBB fällt. Die BLS soll neu die Regioexpress-Strecken Bern-Biel und Bern-Olten fahren. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Werbung

Volltreffer! Die Fussballkolumne.

Grädel schreibt über Fussball und die Welt. Wenn einer in Bern und Umgebung echten Fussballsachverstand hat, dann er.

Die Welt in Bildern

Nacktbaden: TeilnehmerInnen des Dark Mofo Sommersonnenwenden Nackschwimmens stürzen sich in den Fluss Derwent im australischen Hobart. (22.Juni 2018)
(Bild: Rob Blakers/EPA) Mehr...