BLS Cargo streicht 80 Stellen – 10 davon am Hauptsitz in Bern

BLS Cargo verliert einen Grossteil seines Gotthard-Verkehrs an die SBB. Das hat auch Folgen für den Geschäftssitz in Bern: Es werden 10 Stellen abgebaut.

DB-Lokomotiven auf dem Bahnhof Erstfeld: Künftig fahren am Gotthard SBB-Lokführer die deutschen Güterzüge.

DB-Lokomotiven auf dem Bahnhof Erstfeld: Künftig fahren am Gotthard SBB-Lokführer die deutschen Güterzüge.

(Bild: Keystone)

Ab 2014 rollen jährlich 1000 statt wie bisher 6000 Güterzüge von BLS Cargo über die Gotthard-Strecke. Der Gütertransport-Anbieter verliert fünf Sechstel seiner Fahrten an SBB Cargo, wie gestern bekannt wurde. Dies, weil das deutsche Transportunternehmen DB Schenker Rail, der Hauptkunde der BLS Cargo auf der Gotthard-Strecke, von den SBB ein billigeres Angebot unterbreitet bekam.

BLS Cargo habe darauf verzichtet, eine nicht kostendeckende Offerte einzureichen, sagte gestern BLS-Cargo-Chef Dirk Stahl. Die intensiven Preisverhandlungen der letzten Monate mit DB Schenker seien «vor Wochenfrist gescheitert». Weil BLS Cargo nach vier defizitären Jahren in die Gewinnzone zurückkehren müsse, sei Rentabilität derzeit wichtiger als Marktanteile. Im letzten Jahr betrug der Verlust 1,85 Millionen Franken, was wesentlich auf ausserordentliche Streckenunterbrüche zurückzuführen war.

Das verringerte Verkehrsvolumen am Gotthard hat personelle Konsequenzen: 80 Stellen werden gestrichen. Betroffen sind 60 von 160 Lokführerstellen in Erstfeld, Bellinzona, Chiasso und Basel. Auch bei der Servicestelle in Chiasso und am Geschäftssitz in Bern werden je 10 Stellen abgebaut. Man werde alles daransetzen, den Abbau sozialverträglich zu gestalten, sagte BLS-Chef Bernard Guillelmon.

Egger-Jenzer warnt vor Dumping

Die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer nimmt den Stellenabbau mit Bedauern zur Kenntnis. Für sie stellt sich die Frage, wie die SBB wirtschaftlich fahren wollen, ohne Dumpinglöhne zu bezahlen.

Noch vor den Medien wurden gestern die Mitarbeitenden informiert. An allen Standorten habe die Nachricht «grosse Betroffenheit» ausgelöst, sagte BLS-Mediensprecherin Stefanie Burri. Dramatischer drückt es die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) aus. Sie spricht von der «scheusslichen Seite der Liberalisierung».

Für die Verwaltungsstellen in Bern sei es einfacher, intern eine Lösung zu finden, als für Lokführer, sagte Gewerkschaftssekretär Jérôme Hayoz und verlangte, dass die SBB angesichts des Lokführermangels das Personal von der BLS übernehmen. Ob die betroffenen Angestellten bei den SBB unterkommen, ist aber ungewiss. «Wir haben einen Überbestand an Lokpersonal im Tessin», sagte SBB-Sprecher Christian Ginsig gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Dieses Personal könne nun besser ausgelastet werden.

Wenn möglich, werde Personal der BLS bei Stellenbesetzungen berücksichtigt. BLS Cargo gehört zu 52 Prozent der BLS. Ebenfalls stark beteiligt ist der Schweizer Ableger von DB Schenker mit 45 Prozent. Welche Rolle die Deutsche Bahn als Aktionärin von BLS Cargo künftig spielen wird, ist noch offen.

Der Bund

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