«Es geht nicht um eine Anti-BKW-Kampagne»

Der Gewerbeverband will eine Kampagne gegen die Expansion staatsnaher Betriebe lancieren. Jüngstes Beispiel dafür ist der Kauf der Grunder-Gruppe durch die BKW.

BKW-Chefin Suzanne Thoma und Verwaltungsratspräsident Urs Gasche sorgen beim Gewerbe für Ärger.

BKW-Chefin Suzanne Thoma und Verwaltungsratspräsident Urs Gasche sorgen beim Gewerbe für Ärger. Bild: Adrian Moser

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Hans Grunder muss lachen. «Die Vermutung liegt natürlich auf der Hand», sagt der BDP-Nationalrat und Miteigentümer der Grunder Ingenieure AG. Grunder ist Banknachbar von BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche im Nationalrat. Letzterer habe von den Verhandlungen zwischen der Grunder-Gruppe und der BKW aber lange nichts gewusst. «Ich durfte ihm nichts sagen», sagt Grunder. Gasche sei erst vor kurzer Zeit durch die BKW-Konzernleitung über die Verkaufsverhandlungen informiert worden.

Nun hat die BKW offiziell über den Kauf der Grunder-Gruppe informiert. Dies hat beim Gewerbeverband Berner KMU «das Fass zum Überlaufen» gebracht, wie es in einer Mitteilung heisst. Der Verband kündigt darin eine «breite Informations- und Sensibilisierungskampagne» über die Konkurrenzierung des Gewerbes durch staatsnahe Betriebe an.

«Ein Ingenieurs- und Baukonzern»

«Es geht nicht um eine Anti-BKW-Kampagne», sagt KMU-Direktor Christoph Erb. Die BKW sei aber ein exemplarisches Beispiel dafür, wie ein halbstaatliches Unternehmen seine Monopolstellung in der Stromversorgung ausnutze, um in neue Geschäftsbereiche zu expandieren. Die BKW hat in den letzten Jahren mehr als 40 Dienstleistungsunternehmen aufgekauft und wurde jüngst vom Beratungsunternehmen KPMG als «aktivste Schweizer Unternehmung» im Fusions- und Übernahmemarkt ausgezeichnet (der «Bund» berichtete). «Die BKW ist heute ein grosser Ingenieurs- und Baukonzern», sagt Erb. Aus einer rein unternehmerischen Sicht sei es zu begrüssen, dass der Konzern diversifiziere und nicht um mehr Subventionen für das defizitäre Stromgeschäft bettle, wie dies andere Schweizer Stromkonzerne täten. «Aber der Eindruck ist nicht wegzudiskutieren, dass die BKW ihre Expansion mit Erträgen aus dem Monopolbereich finanziert», sagt Erb. Beweise dafür habe er aber keine. «Sonst hätten wir eine Klage bei der Wettbewerbskommission (Weko) eingereicht», sagt Erb. Eine solche Klage erwägt aber die Stadtberner Sektion des Gewerbeverbandes. «Wir prüfen, ob die uns vorliegenden Unterlagen erfolgversprechend sind», sagt Thomas Balmer, Direktor KMU Stadt Bern.

BKW-Chefin kontert

Bei der BKW stösst die Kritik des Gewerbeverbandes auf Unverständnis. «Ich möchte gerne wissen, woher wir das Geld für eine Quersubventionierung unserer Diversifizierungsstrategie nehmen sollten», sagt BKW-Chefin Suzanne Thoma. Der Strommarkt für Kleinkunden sei ein regulierter Markt. Die BKW sei gesetzlich dazu verpflichtet, den Strom zu Gestehungskosten an die Kundschaft zu liefern. Vom Ausnutzen einer Monopolstellung könne diesbezüglich nicht die Rede sein. «Der Vorwurf ist entweder böswillig oder er basiert auf Unkenntnis», sagt Thoma. Mit Informationen aus dem Monopolbetrieb dürfe sich die BKW auch nicht Vorteile in den privaten Geschäftsbereichen verschaffen. «Wir würden uns strafbar machen.» Zudem sei die BKW primär im Ausland und in anderen Landesteilen der Schweiz gewachsen, wo sie nicht als Stromlieferantin in der regulierten Grundversorgung agiere und daher auch nicht über einschlägige Informationen verfüge. Über die geplante Kampagne des Gewerbeverbandes gegen (halb-)staatliche Unternehmen zeigt sich Thoma erstaunt. Die BKW sei ein privatrechtliches, börsenkotiertes Unternehmen. «Gewisse Kräfte wollen offenbar den Markt abschotten. Das zeugt nicht von einem liberalen Marktverständnis», sagt Thoma.

Gasche war nicht beteiligt

BKW-Präsident Urs Gasche weist darauf hin, dass die BKW im Ingenieursbereich bloss einen Marktanteil von zwei Prozent habe. Über die Übernahmegespräche mit der Grunder-Gruppe sei er von der BKW-Konzernleitung aufgrund seiner Nähe zu Hans Grunder lange Zeit bewusst nicht informiert worden. «Ich war auch nie an den Verhandlungen beteiligt», sagt Gasche. Grunder selber bezeichnet die personelle Konstellation als Zufall. Er habe für die Grunder-Gruppe eine Nachfolgeregelung aufgleisen wollen. Die Gruppe sei mit 130 Mitarbeitenden und einem Umsatz von über zehn Millionen Franken kein klassisches KMU mehr. Vor zehn Tagen habe sie einen Grossauftrag von der Münchner U-Bahn erhalten. Auch stelle die Digitalisierung eine grosse Herausforderung dar. «Die Grunder-Gruppe kann die Aufgaben der Zukunft im BKW-Netzwerk noch besser bewältigen», sagt Grunder. Die Gruppe sei nicht nur von der BKW, sondern auch von anderen Firmen umworben worden. «Wir sind und bleiben aber ein Berner Unternehmen.» Im Übrigen ändere sich für die Firma mit dem Eigentümerwechsel nichts. «Wir müssen ja weiterhin am Markt bestehen», sagt Grunder. (Der Bund)

Erstellt: 27.04.2017, 09:13 Uhr

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Auch KMU-Direktor Christoph Erb würde es begrüssen, wenn der Kanton seinen Anteil von heute 52 Prozent reduzieren könnte. Einiges spreche aber dafür, dass der Kanton vorderhand eine Sperrminorität behält. «Es kann ja nicht sein, dass allfällige ausländische Investoren die zur Zeit unrentable Wasserkraft stillegen würden», sagt Erb. Der Grosse Rat wird das Gesetz voraussichtlich in der kommenden Novembersession in erster Lesung beraten. (bob)

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