«Bildungsausländer» müssen mehr bezahlen

Das Sparprogramm des Kantons Bern sieht vor, die Studiengebühren für ausländische Studierende zu erhöhen. Von den Juso und den Studierenden hagelt es Kritik.

Müssen ausländische Studierende bald mehr bezahlen, um im Hauptgebäude der Universität Bern ein- und auszugehen?

Müssen ausländische Studierende bald mehr bezahlen, um im Hauptgebäude der Universität Bern ein- und auszugehen?

(Bild: Adrian Moser)

Sie sind wütend, sie sind laut: Am 22. November versammeln sich über tausend Personen auf dem Waisenhausplatz in Bern, um gegen das Sparpaket des Kantons zu protestieren. Dabei sind auch Studierende, die gegen die Erhöhung der Gebühren für ausländische Kolleginnen und Kollegen protestieren. «Ich bin hier, um meine Solidarität mit ihnen auszudrücken», sagt eine Studentin, die ein Transparent hochhält mit der Aufschrift: «Sparen? Bei der Bildung?! Sparpaket zurück zum Absender!»

Das Sparpaket hat auch die Bildung im Visier. Für «Bildungsausländer», also ausländische Studierende, die vor dem Studium an einer Berner Hochschule über keinen Niederlassungsstatus in der Schweiz verfügten, werden die Semestergebühren nach den Plänen des Regierungsrates um 200 Franken ansteigen. Pro Jahr müssten sie somit 400 Franken mehr bezahlen als Personen mit Niederlassung in der Schweiz.

Das Problem mit den Steuern

Laut Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) gebe es einen klaren Grund, warum ausländische Studierende für ihr Studium mehr bezahlen sollen: Da die Universität mit Steuergeldern finanziert wird und ausländische Studierende oder ihre Eltern keine Steuern in der Schweiz zahlen, sei es vertretbar, dass sie 950 statt 750 Franken Gebühren zahlen müssten. Im internationalen und nationalen Vergleich sei die Schweiz für ausländische Studierende nicht sehr teuer. In Zürich betrage der Zuschlag 1000, in Luzern 600 Franken. In Bern sei man mit 200 Franken im zumutbaren Bereich. Es sei nicht das Ziel, Studierende mit hohen Gebühren abzuschrecken. «Wir haben Interesse an einer Durchmischung und wollen internationale Studierende», sagt Pulver.

Die Einnahmen der Universität und der Fachhochschulen durch Studiengebühren machen bereits heute nur wenige Prozent aus. Die zusätzlichen 400 Franken würden den Hochschulen 300 000 Franken mehr pro Jahr einbringen, was den Staatsbeitrag reduzieren würde. «Es ist tatsächlich nicht sehr viel – aber andere Massnahmen bringen zum Teil noch weniger ein», sagt Pulver.

Die Kritik der Studierenden

Die Erhöhung der Studiengebühren wird jedoch von der StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB) scharf kritisiert: «Eine Erhöhung nur für ausländische Studierende widerspricht dem Grundsatz der Chancengleichheit und ist diskriminierend», sagt SUB-Vorstandsmitglied Marco Wyss. Das Argument mit den Steuern sei nicht haltbar, so die Position der SUB. Es dürfe nicht ausgeblendet werden, dass in der Schweiz viele Fachpersonen ihre Ausbildung im Ausland absolviert haben und die Schweiz davon profitiere.

Auch bei Jung-Politikern zeigt sich Unmut: «Es ist diskriminierend, die Kürzungen auf eine Minderheit abzuwälzen, nur weil der Widerstand dort schwächer ist», sagt Barbara Keller, Co-Präsidentin der Juso Kanton Bern. Sie sagt, die Auswirkungen der Gebühren seien belastend: Schlecht bezahlte und zeitintensive Nebenjobs müssten angenommen werden, um sie bezahlen zu können.

Tatsächlich gaben bei einer Studie des Bundesamts für Statistik (BFS) zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden über die Hälfte der Studierenden an, kleinere bis mittlere finanzielle Schwierigkeiten zu haben. Gemäss der Studie üben drei Viertel der Studierenden eine Erwerbstätigkeit neben dem Studium aus. Dabei gaben die Studierenden an, dass sowohl die Doppelbelastung durch Studium und Job als auch der Umstand, aus finanziellen Gründen nicht mehr Zeit für das Studium aufwenden zu können, die beiden relevantesten negativen Aspekte seien.

Wäre die Erhöhung sogar ein erster Schritt, um in Zukunft die Gebühren auch für inländische Studenten zu erhöhen? «Das wäre kontraproduktiv, weil dem Kanton dadurch Einnahmen von Studierenden aus anderen Kantonen verloren gingen, wenn diese nicht mehr kämen», so Pulver. Der Grosse Rat wird nächste Woche über die Studiengebührenerhöhung abstimmen.

DerBund.ch/Newsnet

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