Biber-Drama am Wasserkraftwerk

Im Seeland findet ein Leser zwei tote Biber hinter der Stauwehr. War es Zufall, oder ist das Werk Schuld am Tod der Wassertiere?

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Carlo Senn@derbund

Einen traurigen Fund machte Leser Simon S.* am Ostermontag: Kurz hinter dem Wasserkraftwerk Niederried-Radelfingen, lag ein toter Biber. Das kann passieren, denkt sich S., und spaziert weiter. Dann entdeckt er wenige Meter weiter noch ein totes Tier am Aareufer. Jetzt reicht es S.: Er beschwert sich in einem Mail inklusive Bildern bei den Behörden, der Bernischen Kraftwerke AG (BKW), die das Wasserkraftwerk betreibt. Zudem geht eine Nachricht auch beim “Bund” ein. S. fordert Aufklärung: “Ist die Stauwehr etwa eine Todesfalle für die Biber?”, fragt er in seinem Schreiben.

Für das Gebiet ist die kantonale Wildhut zuständig. Diese erhielt kurz nach der Nachricht von S. einen Hinweis von der BKW und liess die Tiere wegräumen. Auf Anfrage bei der Wildhut heisst es, dass die Todesursache der Biber unklar sei. Es komme aber ab und zu vor, dass beim Rechen der Kraftwerke tote Tiere angespült werden.

Auch Christof Angst von der Biberfachstelle kann sich das nicht genau erklären. Er stellt jedoch klar, dass “Wasserkraftwerke für Biber keine Gefahr darstellen”. Auch dass ein Biber von einer Turbine in einem Wasserkraftwerk angezogen wird und umkommt sei unwahrscheinlich. Biber seien sehr intelligent und lebten in Revieren. Diese würden die Biber sehr gut kennen. Zudem sei 2013 am betroffenen Werk ein Biberpass eingerichtet worden, durch den die Wassertiere die Stauwehr passieren können. Diesen hätten die Biber bei Beobachtungen “oft täglich genutzt”, sagt Angst.

Laut BKW war das Wehr über Ostern nie offen gewesen. Das heisst, dass die Biber nicht angeschwemmt worden sind. Sabrina Schellenberg, stellvertretende Medienverantwortliche der BKW, fragte bei der Betreiberin des Werks nach. Auch sie bestätigen, dass für die Biber, die man regelmässig in der Nähe des Kraftwerks beim Schwimmen beobachten könne, keine Gefahr bestehe. “Es handelt sich hierbei um ihren Lebensraum”, schreibt die BKW. Die betroffenen Biber seien aber vermutlich über die Klappe der Stauwehr geklettert und abgestürzt. Der Fall sei selten und komme lediglich alle “ein bis zwei Jahre einmal vor”.

Der Biber ist für den Energiekonzern ein wichtiges Thema. 2015 war das Schwerpunktthema des BKW-Ökofonds das amphibische Wassertier. Der Fonds investiert unter anderem in ein friedliches Nebeneinander von Mensch und Biber.

*Name geändert

Der Bund

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