Rettung des Gosteli-Archivs hängt vom Bund ab

Der Grosse Rat verlangt, dass das Archiv der schweizerischen Frauenbewegung finanziell unterstützt wird. Damit das Werk gesichert werden kann, braucht es aber auch Bundesgelder.

Das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung ist Marthe Gostelis Lebenswerk.

Das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung ist Marthe Gostelis Lebenswerk. Bild: Valérie Chételat (Archiv)

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«Überglücklich» ist Silvia Bühler, Leiterin des Archivs der schweizerischen Frauenbewegung in Worblaufen. Der Grosse Rat überwies ohne Gegenstimme einen Vorstoss. Dieser verlangt, dass der Kanton hilft, das Erbe der bürgerlichen Frauenrechtlerin Marthe Gosteli zu retten. Der Stiftung, die hinter dem Archiv steht, geht allmählich das Geld aus. Bisher erhielt sie keine Unterstützung von der öffentlichen Hand. Der Betrieb wurde mit Spenden finanziert, für die meisten Kosten kam Gosteli bis zu ihrem Tod Anfang April selbst auf.

Gemäss Bühler ist der Entscheid des Kantonsparlaments ein «ganz wichtiger Schritt», wenngleich das Archiv damit nicht definitiv gerettet ist. «Wenn der Kanton Hand bietet, steigen die Chancen, dass der Bund nachzieht», sagt Bühler. In den 1990er-Jahren hatte sich die Gosteli-Stiftung bereits einmal um Bundesbeiträge bemüht. Das Gesuch wurde jedoch abgelehnt, weil damals andere öffentliche Finanzierungsquellen fehlten. Mit dem Entscheid des Grossen Rats könnte sich dies nun ändern.

Mehr Spenden nach Gostelis Tod

Der Plan ist, dass das Gosteli-Archiv künftig je rund 100'000 bis 150'000 Franken pro Jahr von Bund und Kanton erhalten soll. Dazu wurden kürzlich auch im Nationalrat Vorstösse eingereicht. Der Bundesrat wird diese demnächst behandeln, wie es beim Innendepartement auf Anfrage heisst. Die bisherigen Signale aus Bundesbern waren positiv. Ausserdem fanden erste Gespräche zwischen den Verantwortlichen der Gosteli-Stiftung und des Bundesarchivs statt.

Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass die öffentliche Hand in Zukunft die Gosteli-Stiftung unterstützen wird. Bund und Kanton sind momentan am Sparen. Vor ein paar Wochen wurde etwa bekannt, dass der Bund den jährlichen Beitrag an das Alpine Museum in Bern massiv kürzen will. Und der bernische Grosse Rat wird im November ein Sparpaket verabschieden. Bühler hofft, dass das Gosteli-Archiv nicht von Sparmassnahmen betroffen sein wird. «Wir stellen keine überrissene Forderung», sagt sie. Das Budget beläuft sich auf 250'000 Franken pro Jahr.

Gelder von Bund und Kanton dürften frühestens 2019 oder 2020 fliessen. Die Zeit bis dorthin kann die Gosteli-Stiftung überbrücken, für die nächsten drei Jahre ist das Überleben gesichert. Dies auch, weil die Reserven zuletzt etwas vergrössert werden konnten. Nach dem Tod von Marthe Gosteli kamen mehr Spendegelder zusammen als in anderen Jahren. Zudem sprach die Mobiliar-Versicherung im vergangenen Juni einen einmaligen Beitrag von 100'000 Franken. Gleich viel brachte der Kulturpreis der Burgergemeinde Bern ein. Dieser wurde im März an die Gosteli-Stiftung verliehen. (Der Bund)

Erstellt: 04.09.2017, 16:49 Uhr

Gosteli-Archiv: Das Gedächtnis der Schweizer Frauenbewegung

Marthe Gosteli kämpfte nicht nur in der vordersten Reihe für das Frauenstimmrecht, das 1971 auf nationaler Ebene eingeführt wurde. Sie setzte sich auch für den Erhalt des Erbes der Schweizer Frauenbewegung ein. Ab 1982 baute sie ein Archiv auf.

Gesammelt wurden Archivalien von Frauenorganisationen, Frauenverbänden und einzelnen Frauen, die in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Bildung, Kultur, Gesellschaft und Familie eine wichtige Rolle spielten. Bis heute sind über 400 Bestände zusammengekommen. Das Archiv gilt als historisches Gedächtnis der Schweizer Frauen.

Es wurde in das Schweizerische Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung aufgenommen. Die wissenschaftliche Bedeutung des Archivs und die professionelle Erschliessung der Bestände sind in Fachkreisen unbestritten. Das Archiv befindet sich in Gostelis Elternhaus – im Gut Altikofen in der Gemeinde Ittigen. Gosteli verstarb Anfang April in ihrem 100. Lebensjahr. (ad)

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